DFG Forschungsgruppe Militärische Gewaltkulturen - Illegitime militärische Gewalt von der Frühen Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg

Forschergruppe „Militärische Gewaltkulturen“ an der Universität Potsdam 
Sprecher: Prof. Sönke Neitzel
Beteiligt sind die Humboldt-Universität zu Berlin, die Freie Universität Berlin, das ZZF Potdam sowie die Universitäten Göttingen und Bochum. Zudem kooperiert die Forschergruppe mit dem ZMSBw in Potsdam.

Scaling the Transnational: Entangled Political Imaginaries and Practices in East and West Europe (STEPPE)

Verbundprojekt 
Laufzeit: Juli 2024 bis Juni 2026 
Projektförderung: BMBF 
Projektpartner: Centre Marc Bloch, Berlin; Democracy Institute, Central European University Budapest; New Europe College. Institute for Advanced Study, Bucharest; Institut für Politikwissenschaften, Universität Leipzig 

Digital Inequalities. Divides, Hierarchies, and Boundaries in Germany, 1970s to 1990s.

Verbundprojekt 
des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut (GEI) und der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung (HS Bund) 
Projektleitung: Michael Homberg 
Beginn des Projektes: Juli 2023 
Gefördert von der Leibniz-Gemeinschaft, Förderlinie „Kooperative Exzellenz“ (2023) 

Dissertationsprojekte am ZZF Potsdam: 

Frauen in Haft. Historisch-politische Bildungsarbeit an ehemaligen Haftorten der SBZ und DDR


Zielgruppe: Der Workshop richtet sich an Mitarbeiter*innen von Gedenkstätten

Veranstalter:
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lernort Keibelstraße, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)

Organisation: 
Henrike Voigtländer (Lernort Keibelstraße), Katharina Hochmuth (Bundesstiftung Aufarbeitung) und Irmgard Zündorf (ZZF Potsdam)

Workshop-Ziel
Obwohl Frauen in SBZ und DDR einen nicht unerheblichen Anteil der Gefangenen stellten, wurde die Kategorie Geschlecht in Forschung und Vermittlung bislang häufig vernachlässigt. Der Workshop für Gedenkstätten an ehemaligen Haftorten setzt hier an: Er widmet sich der Frage, welche besonderen Erfahrungen weibliche Inhaftierte in SBZ und DDR machten und wie sich diese in der historisch-politischen Bildungsarbeit von Gedenkstätten und Lernorten widerspiegeln.  
Mittel Impulsvorträgen und interaktiven World-Café-Runden möchte der Workshop historische Bildnerinnen und BildnerMitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gedenkstätten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler miteinander ins Gespräch bringen. Ziel ist es, das Thema „Frauen in Haft“ künftig sichtbarer zu machen, den aktuellen Wissensstand zu erweitern, neue Ansätze in der Vermittlungsarbeit zu diskutieren und bestehende Netzwerke zu stärken. Der Workshop möchte damit Impulse für eine Bildungsarbeit setzen, die männlich geprägte Erfahrungen und Erzählungen um bislang marginalisierte Perspektiven und Fragestellungen erweitert und so zu einem umfassenderen Verständnis von Haft in SBZ und DDR beiträgt. 
 

Frauen in Haft
Sicherheitsbehörden in der SBZ und DDR stuften Devianz und Nonkonformität als potenziell systemgefährdend ein. Diese Zuordnungen trafen auch Frauen, wenn sie sich nicht gemäß den Vorstellungen der Staats- und Parteiführung der DDR und dem offiziell propagierten Frauenbild verhielten. Wer unangepasst lebte, als Jugendliche aus dem Elternhaus ausbrach oder sich nicht unterordnete, riskierte Repressionen oder Haft. Für diese jungen Frauen, aber auch die älteren, die konkret gegen die geltenden Gesetze verstießen, existierte auf dem Gebiet der DDR ein System verschiedener Haft- und Verwahrungsorte. Hinzu kamen sogenannte venerologische Stationen, in die Frauen mit Verdacht auf Geschlechtskrankheiten zwangsweise eingewiesen wurden und deren Aufenthalt faktisch einer Haft gleichkam. Der Blick auf diese Orte verdeutlicht, wie sich ein als Fürsorge deklarierter, tatsächlich aber disziplinierender Zugriff des DDR-Regimes mit bereits lange bestehenden gesellschaftlichen Normvorstellungen über weibliche Sexualität und Verhalten verband. 

Mit der Eröffnung der Gedenkstätte Hoheneck ist erstmals ein ehemaliges Frauengefängnis als historischer Ort öffentlich zugänglich, der den Blick auf weibliche Häftlinge konzentriert. An vielen anderen Gedenkstätten und Lernorten zu ehemaligen Haftorten, in denen sowohl Frauen als auch Männer untergebracht waren, werden frauenspezifische Hafterfahrungen bislang meist nur am Rande thematisiert. Der Workshop geht von der These aus, dass ein geschlechtersensibler Blick auf Haft entscheidend zu einem differenzierten Verständnis von Geschlechterrollen und -bildern sowie den Herrschaftsmechanismen in der SBZ/SED-Diktatur beitragen kann – sowohl am konkreten Ort des Gefängnisses als auch darüber hinaus.  

Der Workshop evaluiert, wie in der Bildungs- und Vermittlungsarbeit bislang die Geschlechterperspektive präsentiert wird und wie diese künftig eingebunden werden kann. Folgende Fragen dienen dabei als Diskussions-Leitlinien: 

  • Wie werden geschlechtsspezifische Haftbedingungen in der DDR und in sozialistischen Diktaturen insgesamt bislang dargestellt? Auf welche Weise findet das Thema Eingang in Ausstellungen und historische Bildungsarbeit? Welche Formate können als Best Practices gelten?  
  • In welcher Form werden die Perspektiven von Zeitzeuginnen in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit integriert? Wie sind sie in die Gedenkstättenarbeit eingebunden und wie werden sie präsentiert? 
  • Welche besonderen Herausforderungen stellt das Thema „Frauen in Haft” an die historisch-politische Bildungsarbeit in den Gedenkstätten? Wo bestehen noch große Forschungs- und Vermittlungsdesiderate?  
  • Welche Lerneffekte ergeben sich aus der Praxis der NS-Gedenkstätten zu Frauen in Konzentrationslagern für die Thematisierung weiblicher Hafterfahrung in der der SBZ/DDR-Diktatur, auch im Hinblick auf Kontinuitäten und Brüche in den Haftstrukturen und -gründen? 

PROGRAMM

09:00 bis 09:30 Uhr 
Begrüßung und Einführung 
Katharina Hochmuth, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur 
Dr. Henrike Voigtländer, Lernort Keibelstraße/Agentur für Bildung, Geschichte und Politik e.V. 

09:30 bis 11 Uhr 
Impulsvorträge und Diskussion 

  • Dr. Insa Eschebach: 
    Tapfere Mütter – Ruhmreiche Helden. Geschlechterdramaturgien in Narrativen der KZ-Gedenkstätten der DDR  
  • Silke Klewin (Gedenkstätte Bautzen): 
    Staatsverräterinnen, Spioninnen und Fluchthelferinnen in Bautzen II. Doing Gender im Strafvollzug der DDR
  • Dr. Andrea Rottmann (Freie Universität Berlin): 
    Frauengefängnisse als Räume der queeren DDR-Geschichte  

Moderation: Dr. Irmgard Zündorf, ZZF Potsdam 

11 bis 11:15 Uhr: Pause  

11:15 bis 12:45 Uhr 
World-Café I  

  • Dr. Nancy Aris (Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur): 
    Gedenkstätte Hoheneck im früheren Frauengefängnis 
  • Katharina Gräb (Gedenk‑ und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam): 
    Wanderausstellung „frauenHAFT. Sowjetische Repression und DDR-Strafvollzug (1945-1956)" 
  • Niklas Poppe (Gedenkstätte Roter Ochse Halle): 
    Frauen in der Dauerausstellung der Gedenkstätte Roter Ochse Halle 
  • Dr. Elke Stadelmann-Wenz (Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen): 
    Weibliche Inhaftierte in der Biografieforschung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen 

12:45 bis 13:45 Uhr: Mittagspause  

13:45 bis 15:15 Uhr
World-Café II   

  • Markus Streb (Initiativkreis Riebeckstraße 63): 
    Vermittlungsformate zur geschlossenen venerologischen Station in der Riebeckstraße in Leipzig 
  • Christoph Viscorsum (Frauengefängnis Barnimstraße): 
    Audiodenkmal zum Frauengefängnis in der Barnimstraße in Berlin-Mitte
  • Dr. Lena Haase (Forschungs- und Dokumentationsstätte SEAL: Strukturen und Erinnerung. Angewandte Geschichtswissenschaft und digitale Lehre): Frauen in NS-Haftstätten im heutigen Rheinland-Pfalz. Das Zusammenwirken von Grundlagenforschung und Bildungsarbeit

15:15 bis 15:30 Uhr: Pause  

15:30-16:15 Uhr
Präsentation und Abschlussdiskussion