„Rechter Terror kommt im Unterricht kaum vor“

Anfang März haben das ZZF und das Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam (MMZ) ein neues Portal zur Geschichte des Rechtsradikalismus online veröffentlicht. Es bietet eine kommentierte Auswahl von bislang schwer zugänglichen Zeugnissen aus der Zeit zwischen 1945 und 2000. Sie verdeutlichen, wie sich die Ideologie, die Organisation und das Auftreten des Rechtsradikalismus entwickelte. 

Mitgliederkartei der NSDAP ist jetzt im Netz einsehbar – Historiker Frank Bösch

Die Mitgliederkartei der NSDAP ist jetzt im Netz einsehbar. Bisher musste ein Antrag gestellt werden und eine Einsicht war ausschließlich im Bundesarchiv möglich. Was diese Veröffentlichung für die Foschung, aber auch für die private Aufarbeitung in Familien bedeutet, beantwortet Frank Bösch im Gespräch der Sendung Kultur heute des Deutschlandfunks. (Beitragslänge: 06:44 Min.)

Konferenz: Glokal. Flughäfen und die Verflechtung Berlin-Brandenburgs mit der Welt


100 Jahre Lufthansa in Berlin-Tempelhof und die Verflechtung Berlin-Brandenburgs mit der Welt dank der berlin-brandenburgischen Luftfahrtinfrastruktur sind der Ausgangspunkt und das Thema der diesjährigen wissenschaftlichen Tagung der Historische Kommission zu Berlin (HiKo zu Berlin). Die Flughäfen in der Hauptstadtregion haben nicht nur internationale Architektur-, Technik- und Verkehrsgeschichte geschrieben, vielmehr stellen sie als Knotenpunkte Ortsgeschichte in einen globalen zeitlichen sowie räumlichen Zusammenhang.

Veranstalter:
Historische Kommission zu Berlin; Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; Stiftung Ernst-Reuter-Archiv; Flughafen Tempelhof GmbH; Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Die Tagung wird gefördert von der Berliner Sparkasse und dem Landesdenkmalamt Berlin.

Von Berlin in die große, weite Welt: Ein Versprechen, das seit 1926 gilt. Damals stieg Berlin mit einem Schlag zum Zentrum des deutschen Linienflugverkehrs auf. Die Gründung der Luft Hansa AG am 6. Januar 1926 in Berlin war ein Meilenstein für den aufkommenden Flugverkehr in der Weimarer Republik. Hauptsitz der neuen Airline wurde der Flughafen auf dem Tempelhofer Feld, der sich zum internationalen Luftfahrt-Drehkreuz entwickelte. Ausgehend vom Beginn der zivilen Luftfahrt in Deutschland vor 100 Jahren wird die Tagung die Geschichte der Berliner Flughäfen und des Luftverkehrs von den Anfängen bis zur Gegenwart beleuchten. Ziel ist es, anhand der drei Themenschwerpunkte Macht, Mobilität und Migration die tiefen Spuren im kulturellen Profil der Metropole sowie ihres brandenburgischen Umlands kulturhistorisch und verflechtungsgeschichtlich zu vermessen.
Die Flughäfen in der Hauptstadtregion haben nicht nur internationale Architektur-, Technik- und Verkehrsgeschichte geschrieben, sondern als infrastrukturelle Knotenpunkte Ortsgeschichte in einen globalen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang gebracht. Wie in einem Brennglas spiegeln sich in ihnen die Transformationsgeschichte der Region und der Aufstieg der deutschen Hauptstadt zur Metropole wider. In der Veranstaltung wird herausgearbeitet, wie Flughäfen in ihrer jeweiligen Zeit die ökonomische, touristische, mobilitätsversprechende und kulturelle Attraktivität der Region steigern konnten, aber auch dem nationalsozialistischen Terror dienten.
Bei und nach ihrer Stilllegung wiederum – Tempelhof und Tegel zeigen es besonders – prallen unterschiedliche gesellschaftliche Interessen und Ansprüche aufeinander, wenn es gilt, Kompromisse für die Nachnutzung von Flughafeninfrastrukturen zu finden. In einer Podiumsdiskussion werden die aktuellen Debatten über die Entwicklung ehemaliger Flughafen-Standorte thematisiert, um multiperspektivisch die Zusammenhänge von vielfältigen gruppenspezifischen Erwartungen einer diversen Stadtgesellschaft und die daraus resultierenden vielschichtigen Nachnutzungsmöglichkeiten zu erörtern.

PROGRAMM
Donnerstag, 28. Mai 2026

10.00−10.15 Uhr 
Begrüßung
Prof. Dr. Ulrike Höroldt (Vorsitzende der Historischen Kommission zu Berlin)
Anna Lena Joisten (Tempelhof Projekt GmbH)
Kai Uwe Peter (Berliner Sparkasse)

10.15–11.30 Uhr 
Keynote Lecture mit Diskussion
Freiheit im Berliner Luftverkehr? Raumbezüge von den frühen 1920er-Jahren bis zur Gegenwart − Prof. Dr. Arnd Bauerkämper (Melle)

11.30–13.00 Uhr 
Sektion 1 − Die Macht der Infrastruktur. Politische Einflüsse und wirtschaftlicher Stellenwert
Moderation Prof. Dr. Arnd Bauerkämper (Melle)

  • Systemrelevant?! Die Berliner Flughäfen als Symbole politischer Macht im 20. Jahrhundert − Dr. Christine Schoenmakers (Berlin)
     
  • Deregulierung, Wettbewerb und Overtourism: Der Einfluss der Liberalisierung des Luftverkehrs auf den Flugverkehr von und nach Berlin seit 1990 − Prof. Dr. Mark Spoerer (Regensburg)

13.00 Uhr | Gemeinsames Mittagessen

14.00–15.30 Uhr 
Sektion 2 − Am Anfang war das Militär. Die Rolle von Tegel und Gatow
Moderation Dr. Alexander Olenik (Bonn)

  • Berlins Tor zu den Sternen. Der erste Raketenflugplatz der Welt in Tegel (1931 bis 1934) − Dr. Tilmann Siebeneichner (Potsdam)
     
  • Geteilter Himmel. Der Flugplatz Gatow und die zivile und militärische Nutzung des Berliner Luftraums (1945 bis 1990) − Dr. Doris Müller-Toovey (Berlin)

15.30 Uhr | Kaffeepause

16.00–17.30 Uhr 
Sektion 3 − Wandel und Mobilität. Luftfahrt als Treiber ökonomischer und kultureller Transformation
Moderation Dr. Michael Bienert (Berlin)


  • Vom Reiz des Neuen zur Routine. Berufliche Flugreisen, 1930er- bis 1950er-Jahre − PD Dr. Patricia Hertel (Basel)
     
  • Die Rolle der Fluggesellschaften als Motor der Flughafen-Infrastrukturentwicklung in Berlin-Brandenburg − Dr. Lutz Weisser (Berlin)

17.30 Uhr | Pause

18.00–19.30 Uhr 
Podiumsdiskussion − Zukunft mit Geschichte. Die Flughäfen als Schlüsselfaktoren für die Metropolentwicklung
Moderation Sigrid Hoff (Berlin)
Teilnehmer*innen (alle Berlin) Prof. Dr. Dorothee Brantz, Burkhard Kieker, Dr. Christoph Rauhut, Fabian Schmitz-Grethlein

Anschließend kleiner Empfang
 

Freitag, 29. Mai 2026

9.00–11.15 Uhr 
Sektion 4 − Im Südosten was Neues. Vom Flughafen Berlin-Schönefeld zum BER
Moderation Dr. Christine Schoenmakers (Berlin)

  • Denkmalort Generalshotel. Ein Kapitel sowjetischer Geschichte auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld − Dr. Thomas Beutelschmidt (Berlin)
     
  • Verspätungen, Umbuchungen, Kofferverluste. Alltag und Störung am Flughafen Schönefeld in den 1970er-Jahren − Prof. Dr. Annette Vowinckel (Potsdam)
     
  • ‚Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu errichten‘. Die unendliche Geschichte des Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) − Dr. Hanno Hochmuth (Potsdam)

11.15 Uhr | Gemeinsames Mittagessen

12.15–14.30 Uhr 
Sektion 5 − Ort der Repression. Flucht, Zwangsarbeit und KZ in Tempelhof
Moderation Dr. Hanno Hochmuth (Potsdam)

  • Der dunkle Himmel über Berlin. Flucht per Flugzeug aus dem Zentrum des Nationalsozialismus − Dr. Carolin Liebisch-Gümüs (Berlin)
     
  • Das Gestapogefängnis und Konzentrationslager Columbia-Haus 1933 bis 1936 − Dr. Karoline Georg (Berlin)
    NS-Zwangsarbeit am Flughafen Tempelhof − Kathrin Misterek M.A. (Berlin)

14.30 Uhr | Kaffeepause

15.00–16.30 Uhr 
Sektion 6 − Ausgedient? Nach- und Neunutzungen stillgelegter Flughäfen in Berlin und Brandenburg
Moderation Dr. Harald Engler (Erkner)

  • Von Schafen, Gras und Flugzeugen. Heimatliche Moderne und Biotechnik in Johannisthal und Tempelhof − Prof. Dr. Sonja Dümpelmann (München)
     
  • Verschwundene kleine Flugplätze in Berlin und Brandenburg – Lost Places, Erinnerungskultur und Spurensuche − Prof. Dr. Andreas Jüttemann (Magdeburg)

16.30 Uhr 
Zusammenfassung und Abschluss 
Dr. Michael Bienert & Dr. Christine Schoenmakers (beide Berlin)

Im Anschluss (optional) − Besuch der Haupthalle sowie der Ausstellung ‚Lufthansa. Berlin-Tempelhof 1926–1945. Zwischen ziviler und militärischer Luftfahrt‘ im THF-Tower

Gegen 18.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Landshut 1977

Die Entführung der Lufthansa-Passagiermaschine Landshut im Herbst 1977 und die dramatische Befreiung der Geiseln wenige Tage später sind Schlüsselmomente in der Geschichte der Bundesrepublik. Ein palästinensisches Terrorkommando hatte das Flugzeug am 13. Oktober 1977 kurz nach seinem Abflug von Palma de Mallorca gekapert. Statt nach Frankfurt am Main führten die Terroristen die Passagiere und die Besatzung auf eine Irrfahrt, die fünf Tage später in der somalischen Hauptstadt Mogadischu endete.

2026-1, ZZF-Newsletter

Teaser

Lesen Sie mehr zu unserem neuen Online-Portal zur Geschichte der radikalen Rechten nach 1945, zu weiteren neuen Projekten, Publikationen u.v.m. in unserem Newsletter.

Heimat als soziale Praxis

Heimat ist nicht nur ein wichtiger Begriff und eine wirkmächtige Idee, Heimat ist soziale Praxis: Historische Akteure haben immer wieder bestimmte Vorstellungen von Heimat in Handeln übersetzt. Anhand von fünf ausgewählten Praktiken analysiert Johannes Schütz die Konstruktion von Heimat in Sachsen zwischen 1969 und 2000. Dabei fragt er nicht nur nach der Aneignung von Heimat, sondern betrachtet die Heimatpraxis vor allem im Spannungsfeld zwischen staatssozialistischer Herrschaft und postsozialistischer Transformation.

Konferenz: Disruptionen in Geschichte und Gegenwart – Gelegenheiten oder Gegebenheiten in Prozessen gesellschaftlicher Transformation?


Der Begriff der Disruption hat seit den 2000er-Jahren in öffentlichen wie wissenschaftlichen Debatten zunehmend an Resonanz gewonnen. Die Konferenz zielt darauf ab, das produktive Potenzial des Disruptionsbegriffs zu erkunden. Im Zentrum steht die Frage nach seinem analytischen Mehrwert für die Beschreibung gegenwärtiger gesellschaftlicher Veränderungen.

Organisationsteam: Dr. Harald Engler (IRS), Dr. Rita Gudermann (IRS), Prof. Dr. Oliver Ibert (IRS), Dr. Jörn Knobloch (IfL), Dr. Madlen Pilz (IRS) und Dr. Tilmann Siebeneichner (ZZF).

Disruption bezeichnet im Kern Unsicherheit, Überraschung sowie schnelle oder abrupte Veränderungen. Bei genauerer Betrachtung treten jedoch auch Widersprüche in der Begriffsnutzung hervor. So wird Disruption in jüngerer Zeit häufig als bedrohlich und krisenhaft gerahmt, mitunter aber auch als erstrebenswert begrüßt (etwa in der Innovationsliteratur). Dies führt dazu, dass Disruptionen heute vermehrt politisiert werden – etwa, wenn mit der antizipierten Unausweichlichkeit von Brüchen argumentiert wird, um gesellschaftliche Entwicklungen in bestimmte Richtungen zu lenken.

Der steigende Stellenwert des Begriffes, erste Versuche präziserer Begriffsdefinitionen in unterschiedlichen disziplinären Zusammenhängen sowie verbleibende Unschärfen laden dazu ein, das produktive Potenzial des Begriffs zu erkunden. Ziel der Konferenz ist daher ein intellektueller Austausch über den Begriff der Disruption und seinen analytischen Mehrwert, insbesondere in interdisziplinärer Perspektive. Wo bietet der Begriff gegenüber etablierten Begriffen wie Transformation zusätzliche Erkenntnisse? Wo stößt er an seine Grenzen, und wie gehen wir in Wissenschaft und Gesellschaft mit der Ambiguität des Begriffs um?

Auf der Konferenz sollen unterschiedliche Perspektiven auf Disruptionen gezielt zusammengeführt und eine programmatische Synthese dieses Wissens entwickelt werden.

Beide Konferenztage werden eingeleitet von Keynote-Vorträgen von Dr. Sarah Stanske (Universität Bremen) und Prof. Dr. Jochen Streb (Universität Mannheim).

Die Konferenz bildet den Abschluss des Brückenprojektes „Disruption und räumliche Entwicklung: Konzepte zu raum-zeitlichen Dynamiken, Wahrnehmungsweisen und Handlungsstrategien". 

Programm der Konferenz (pdf)

Veranstalter: Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen“, organisiert vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) und dem Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL).

Weiter geht´s nicht: Das Ende der Sowjetunion auf Kamtschatka 1991/92

Im Spätsommer 1991 führt die Neugier Anselm Graubner nach Kamtschatka ganz im Osten der Sowjetunion. Diese besteht zu diesem Zeitpunkt nur noch auf dem Papier. Die sowjetische Ordnung zerfällt auch am äußersten Rand des Imperiums, in einer Region, die bereits im 18. Jahrhundert unter Zarenherrschaft kolonisiert wurde. In einer Übergangszeit voller Ungewissheit heuert der damals 23-jährige Fotograf bei der Regionalzeitung Kamtschatskaja Prawda an, ein an sich unerhörter Vorgang. Seine Sprachkenntnisse sind dürftig, doch sein Blick ist wach.