Heimat als soziale Praxis

Heimat ist nicht nur ein wichtiger Begriff und eine wirkmächtige Idee, Heimat ist soziale Praxis: Historische Akteure haben immer wieder bestimmte Vorstellungen von Heimat in Handeln übersetzt. Anhand von fünf ausgewählten Praktiken analysiert Johannes Schütz die Konstruktion von Heimat in Sachsen zwischen 1969 und 2000. Dabei fragt er nicht nur nach der Aneignung von Heimat, sondern betrachtet die Heimatpraxis vor allem im Spannungsfeld zwischen staatssozialistischer Herrschaft und postsozialistischer Transformation.

Konferenz: Disruptionen in Geschichte und Gegenwart – Gelegenheiten oder Gegebenheiten in Prozessen gesellschaftlicher Transformation?


Der Begriff der Disruption hat seit den 2000er-Jahren in öffentlichen wie wissenschaftlichen Debatten zunehmend an Resonanz gewonnen. Die Konferenz zielt darauf ab, das produktive Potenzial des Disruptionsbegriffs zu erkunden. Im Zentrum steht die Frage nach seinem analytischen Mehrwert für die Beschreibung gegenwärtiger gesellschaftlicher Veränderungen.

Organisationsteam: Dr. Harald Engler (IRS), Dr. Rita Gudermann (IRS), Prof. Dr. Oliver Ibert (IRS), Dr. Jörn Knobloch (IfL), Dr. Madlen Pilz (IRS) und Dr. Tilmann Siebeneichner (ZZF).

Disruption bezeichnet im Kern Unsicherheit, Überraschung sowie schnelle oder abrupte Veränderungen. Bei genauerer Betrachtung treten jedoch auch Widersprüche in der Begriffsnutzung hervor. So wird Disruption in jüngerer Zeit häufig als bedrohlich und krisenhaft gerahmt, mitunter aber auch als erstrebenswert begrüßt (etwa in der Innovationsliteratur). Dies führt dazu, dass Disruptionen heute vermehrt politisiert werden – etwa, wenn mit der antizipierten Unausweichlichkeit von Brüchen argumentiert wird, um gesellschaftliche Entwicklungen in bestimmte Richtungen zu lenken.

Der steigende Stellenwert des Begriffes, erste Versuche präziserer Begriffsdefinitionen in unterschiedlichen disziplinären Zusammenhängen sowie verbleibende Unschärfen laden dazu ein, das produktive Potenzial des Begriffs zu erkunden. Ziel der Konferenz ist daher ein intellektueller Austausch über den Begriff der Disruption und seinen analytischen Mehrwert, insbesondere in interdisziplinärer Perspektive. Wo bietet der Begriff gegenüber etablierten Begriffen wie Transformation zusätzliche Erkenntnisse? Wo stößt er an seine Grenzen, und wie gehen wir in Wissenschaft und Gesellschaft mit der Ambiguität des Begriffs um?

Auf der Konferenz sollen unterschiedliche Perspektiven auf Disruptionen gezielt zusammengeführt und eine programmatische Synthese dieses Wissens entwickelt werden.

Beide Konferenztage werden eingeleitet von Keynote-Vorträgen von Dr. Sarah Stanske (Universität Bremen) und Prof. Dr. Jochen Streb (Universität Mannheim).

Die Konferenz bildet den Abschluss des Brückenprojektes „Disruption und räumliche Entwicklung: Konzepte zu raum-zeitlichen Dynamiken, Wahrnehmungsweisen und Handlungsstrategien". 

Programm der Konferenz (pdf)

Veranstalter: Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen“, organisiert vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) und dem Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL).

Weiter geht´s nicht: Das Ende der Sowjetunion auf Kamtschatka 1991/92

Im Spätsommer 1991 führt die Neugier Anselm Graubner nach Kamtschatka ganz im Osten der Sowjetunion. Diese besteht zu diesem Zeitpunkt nur noch auf dem Papier. Die sowjetische Ordnung zerfällt auch am äußersten Rand des Imperiums, in einer Region, die bereits im 18. Jahrhundert unter Zarenherrschaft kolonisiert wurde. In einer Übergangszeit voller Ungewissheit heuert der damals 23-jährige Fotograf bei der Regionalzeitung Kamtschatskaja Prawda an, ein an sich unerhörter Vorgang. Seine Sprachkenntnisse sind dürftig, doch sein Blick ist wach.

Merkur-Preis 2025 für Niklas Weber

Teaser
für seine herausragende Dissertation, in der er die Geschichte der Eisenbahnreise im 19. Jahrhundert noch einmal anders und neu erzählt.

Workshop: How do Infrastructures Matter?

 

Organizers, ZZF Potsdam: 
Rüdiger Graf, Michael Homberg, Carolin Liebisch-Gümüş, Isabella Löhr, Christopher Neumaier, Carolyn Taratko


PROGRAM

Welcome and Introduction
Carolyn Taratko & Rüdiger Graf
10:00 – 10:30

Panel 1: Technological Knowledge Infrastructure
10:30– 12:00

  • Julian Schellong, TU Darmstadt: Data Continuity and Technological Transformation in the Swiss Meteorological Observation Network, 1860s/1970s
  • Carolin Liebisch: The Authority of Infrastructure: How Technical Regulation Justified Migration Control
  • Caroline Elfe: Exploring the infrastructures of the reproductive market: making families in the age of assisted reproduction

Chair: Michael Homberg

Lunch Break 12:00 – 1:00

Panel 2: Emotionalizing Infrastructures
1:00 – 2:30

  • Elisabeth Kimmerle: Reclaiming the Night by Taxi? Gender and Infrastructures of Fear in 1980s West Berlin 
  • Mario Bianchini: Energy Avatarization: Anthropomorphizing Energy Infrastructures in East, West, and Nazi Germany
  • Niklas Weber: "Jim Crow Car", "Judencoupé" and "Eingeborenenwagen": Racial segregation on the railways of the 19th century

Chair: Isabella Löhr

Coffee Break 2:30 – 3:00 

Panel 3: Experiencing and Normalizing Infrastructure
3:00 – 4:30

  • Leon Waldmann: Wie normalisieren sich Infrastrukturen? Überlegungen zu sozialen und ökologischen Folgen von Umgehungsstraßen 
  • Lisa Thiel: “One or Two Rooms?” – Understanding Housing as Infrastructure
  • Beatrice Azzola: Oil matters: Gas station history between domesticity and alienation

Chair: Christopher Neumeier

Coffee Break 4:30-4:45 

Panel 4: Infrastructural Agency
4:45-6:00

  • Julian Bock: From Parking Garage to Kindergarten. Debates on Adaptive Reuse and the Materiality of Automobile Infrastructure in 1980s West Berlin
  • Francis Kirk: Infrastructure of crime: housing estates and street violence in Kryvyi Rih, Ukraine, 1987-1994

Chair: Carolin Liebisch-Gümüs

Keynote Lecture
6:15 – 7:45

Brian Larkin: The Political Economy of Light 

Chair: Rüdiger Graf