Deutsch-Französisches Kolloquium im Wintersemester 2026/27: Die Welt der Superreichen. Räume, Objekte und Narrative | Les ultra-riches. Espaces, objets et récits

 

Das Deutsch-Französische Kolloquium (DfK) widmet sich im Wintersemester 2026/27 dem Rahmenthema Die Welt der Superreichen: Räume, Objekte und Narrative | Les ultra-riches: espaces, objets et récits. 

Unter diesem Titel gehen drei Veranstaltungen der Frage nach, wie Reichtum sichtbar gemacht, erzählt und räumlich verortet wird: Während Superreiche in der öffentlichen Debatte häufig als Projektionsfläche für Faszination, Bewunderung oder Empörung dienen, bleiben ihre Lebenswelten, Netzwerke und Lebens- wie Rückzugsorte für die Mehrheit der Gesellschaft weitgehend unsichtbar. Kategorien wie »Elite«, »Oberschicht« oder »Vermögen« lassen sich dabei immer weniger rein ökonomisch fassen, sondern verweisen auf kulturelle Zuschreibungen, soziale Abgrenzung und globale Ungleichheiten.

Die drei Veranstaltungen bringen Perspektiven aus Soziologie und Geschichtswissenschaft miteinander ins Gespräch: Der Soziologe Olivier Caïra (EHESS) untersucht die Darstellung von Ultrareichen in Filmen und Serien zwischen Mythologisierungen und soziologischer Aussagekraft. Die Historikerin Iris Johanna Bauer (ZZF Potsdam) fragt im Rahmen des Projekts »RichMap« nach dem Wandel ostdeutscher Villenviertel und dem Alltag ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zwischen 1945 und 2000. Der Soziologe und Politikwissenschaftler Grégory Salle (CNRS / Université de Lille) beschreibt Superyachten als Schauplätze exklusiven Geltungskonsums und sozialer Abschottung und als Schlüssel zum Verständnis des gegenwärtigen Kapitalismus.

Alle Veranstaltungen finden in Präsenz statt und werden digital via Webex übertragen.


Die Termine auf einen Blick:

28. Oktober 2026 | 17–19 Uhr | FU Berlin, Raum L 115 Seminarzentrum, Otto-von-Simson-Straße 26, 14195 Berlin oder digital via Webex: https://fu-berlin.webex.com/fu-berlin/j.php?MTID=m183968a6cb34c16b4b9e3a1bcc7c5260 

Olivier Caïra (EHESS, Université Paris Saclay)
»Les ultra-riches à l'écran, entre mythologie contemporaine et pertinence sociologique«
Vortrag und Diskussion auf Französisch
Kommentar: Katja Hettich (Bauhaus Universität Weimar)

9. Dezember 2026 | 17–19 Uhr | CMB, Simmelsaal oder digital via Webex: https://fu-berlin.webex.com/fu-berlin/j.php?MTID=m183968a6cb34c16b4b9e3a1bcc7c5260 

Iris Johanna Bauer (ZZF Potsdam)
»Villenviertel in Ostdeutschland. Systemwechsel und Alltag zwischen 1945 und 2000«
Vortrag und Diskussion auf Deutsch
Kommentar: Beatrice von Hirschhausen (CMB)

13. Januar 2027 | 17–19 Uhr | CMB, Tillonsaal oder digital via Webex: https://fu-berlin.webex.com/fu-berlin/j.php?MTID=m183968a6cb34c16b4b9e3a1bcc7c5260 

Grégory Salle (CNRS / Université de Lille)
»Superyachts. Luxe, calme et écocide«
Vortrag und Diskussion auf Französisch
Kommentar: Jay Rowell (CMB)


Das DfK ist eine gemeinsame Veranstaltung des Centre Marc Bloch, des Frankreichzentrums der Freien Universität Berlin und des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Es diskutiert aktuelle Themen, Projekte und Publikationen, die aus deutsch- französischer Perspektive von Interesse sind, namentlich in den Geschichts-, Sozial- und Literaturwissenschaften. Es versteht sich als Ort der interdisziplinären Diskussion für alle Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zu deutsch-französischen Themen arbeiten.

Leibniz-Labs Transfer: Wen interessiert’s? Transformationswissen vermitteln

Zeit: 16:00 - 18:15 Uhr

Wie gelingt ein wechselseitiger Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft? Das Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen“ erprobt seit 2024 sogenannte Moving Labs, die genau diesen Austausch ins Zentrum rücken. 

Im ersten Teil der Veranstaltung wird es um die Erfahrungen aus diesen Dialogveranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gehen. 

Im zweiten Teil folgt ein Podium, auf dem der Vizepräsident des Bundestages Bodo Ramelow, die Direktorin des Zukunftszentrums Deutsche Einheit und Europäische Transformation Uta Bretschneider, die Journalistin und Autorin Sabine Rennefanz und der Co-Sprecher des Leibniz-Labs und Direktor des ZZF Frank Bösch über Herausforderungen des Wissenstranfers diskutieren. 

Die Veranstaltung ist Teil der Leibniz-Labs Transfer-Reihe.

Das Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen" bündelt und wertet die bestehenden Forschungserkenntnisse von 28 Leibniz-Instituten aus, um aus früheren Umbrüchen für Gegenwart und Zukunft zu lernen. Das Leibniz-Lab wird geleitet vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) Potsdam und dem Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig, gefördert durch die Leibniz-Gemeinschaft. 

Öffentliche Abendveranstaltung: Vortrag von Martin Sabrow: Was lehrt(e) die Vergangenheit? Zum Orientierungswert der Geschichte in der Gegenwart

Zeit: 19:30 - 20:45 Uhr

Öffentliche Abendveranstaltung: 
Vortrag von Prof. Dr. Martin Sabrow 
Was lehrt(e) die Vergangenheit? Zum Orientierungswert der Geschichte in der Gegenwart

Den Abend moderiert Dr. Anja Kruke (Historikerin und Leiterin des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn).

Dass wir aus der Geschichte lernen können und müssen, gilt in unserer Zeit als Selbstverständlichkeit; von ihr lebt unser Interesse an der Vergangenheit in der Wissenschaft wie in der Öffentlichkeit. Aber dem war nicht immer so, und Ciceros bekanntes Diktum von der Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens kann, wie Reinhart Koselleck zeigte, nicht voraussetzungslos gelten. Unter Rückgriff auf die verschiedenen Dimensionen des Wertbegriffs beleuchtet der Abendvortrag die historisch sehr wechselhafte Bedeutung des Gestern für das Heute und fragt nach den Möglichkeiten und Grenzen des Anspruchs, aus der Geschichte zu lernen und die Zukunft abzuleiten.

Zum Referenten:
Prof. Dr. Martin Sabrow war von 2004 bis 2021 Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam (ZZF) und langjährig Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit September 2021 ist Martin Sabrow Sprecher des Leibniz-Forschungsverbunds „Wert der Vergangenheit“, der am ZZF koordiniert wird.

Die Öffentliche Abendveranstaltung mit dem Vortrag von Martin Sabrow findet im Rahmen der Jahrestagung 2026 des Leibniz-Forschungsverbunds „Wert der Vergangenheit“ in Kooperation mit dem Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung statt. Auf seiner Jahrestagung 2026 widmet sich der Verbund einer zentralen Kategorie: dem Orientierungswert der Vergangenheit. Die Konferenz richtet sich an alle Interessierten, die Geschichte verhandeln – in Wissenschaft, Museen, Gedenkstätten, Schule, Politik, Medien oder in der Alltagsdiskussion.

Buchvorstellung mit Alexia Pooth und Thomas Schaarschmidt „Handwerk Ost – Arbeits- und Lebenswelten zwischen Plan und Markt“

Beginn: 18 Uhr

Wirtschaft in der DDR – das waren nicht nur volkseigene Kombinate, HO-Geschäfte und Genossenschaften, sondern auch eine Vielfalt privater Handwerksbetriebe, die in der Mangelwirtschaft Reparaturen, Dienstleistungen und Waren anboten. Von der SED-Führung als Relikte des Kapitalismus und kleinbürgerlichen Denkens verdächtigt, arbeiteten viele von ihnen gerade in der Spätphase der Planwirtschaft ganz ungeplant erfolgreich. Als letzte Überreste privaten Wirtschaftens wurden sie nach dem Fall der Mauer unversehens zu Hoffnungsträgern der Systemtransformation. Während die meisten großen VEBs von der Treuhand abgewickelt wurden, arbeiteten in den frühen 1990er Jahren mehr Ostdeutsche im Handwerk als in der Industrie. 

Alexia Pooth und Thomas Schaarschmidt stellen die Ergebnisse ihres Bandes Handwerk Ost. Arbeits- und Lebenswelten zwischen Plan und Markt  zur Diskussion – ein Buch mit vielen O-Tönen von Handwerkerinnen und Handwerker aus Potsdam und anderen ostdeutschen Regionen. 

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Wanderausstellung Alles bleibt anders - Alltag im Wandel des Leibniz-Labs „Gesellschaftliche Umbrüche und Transformationen“ statt (zu sehen vom 11. November 2026 bis 10. Januar 2027 in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam).