Arbeit für alle? Die Rolle des Deutschen Gewerkschaftsbundes in den Auseinandersetzungen um Arbeitslosigkeit und Armut, 1972-1998

Dissertationsprojekt
Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung

Gewerkschaften und Arbeitslosigkeit – auf den ersten Blick kann diese Begriffspaarung widersprüchlich erscheinen. Traditionell gelten diese Organisationen eher als Vertreter der Interessen von Beschäftigten. Einschlägige Studien, beispielsweise zur Geschichte der „Neuen Armut“, zeigen jedoch, dass sich Gewerkschaften seit den 1970er Jahren sehr wohl mit dem Aufkommen von Massenarbeitslosigkeit und damit verbundener Armut in der Bundesrepublik beschäftigten. Aber warum und auf welche Art und Weise setzten sich Gewerkschaften im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts auch für Menschen ohne Beschäftigung ein? Am Beispiel des Dachverbandes DGB, der innerhalb des Gewerkschaftssystems die übergreifende Interessenvertretung in sozialpolitischen Belangen innehat, werden gewerkschaftliche Bemühungen und Interessen bei der Bewältigung der Arbeitslosenproblematik analysiert. Die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung durch die Umverteilung von Arbeit (zum Beispiel über Arbeitszeitverkürzungen) war für den DGB stets die zentrale Forderung im Kampf gegen Arbeitslosigkeit. Er hielt damit länger als andere Akteure am Ziel „Arbeit für alle“ fest.
Warum der DGB auf seinen Forderungen beharrte und sich nur zögerlich an die gewandelten Verhältnisse sowie Lebensbedingungen anpasste, wird im Projekt anhand von vier Untersuchungsfeldern eruiert:
Erstens wird der DGB im gesellschaftspolitischen Umfeld verortet, also mit seinen sozialpolitischen Forderungen in Relation zur Politik und den Parteien, den Kirchen sowie der Wohlfahrtspflege gesetzt. Zweitens wird herausgearbeitet, wie und warum der Dachverband den Umstand vorhandener Arbeitslosigkeit für sich zu instrumentalisieren suchte. Drittens wird beleuchtet, wie um innerorganisatorische Veränderungen infolge der gesellschaftlichen Erwerbslosigkeit gerungen wurde. Diese Erkenntnisse ermöglichen schließlich viertens eine Einschätzung der DGB-Politik in arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Fragen – zum Beispiel bei der politischen Ausgestaltung von Arbeitsverhältnissen – in einer Gesellschaft, die mit dem Wandel von Arbeit, veränderten Beschäftigungsformen und dem Verlust von Arbeitsplätzen umzugehen hatte. Das Projekt visiert damit eine Gewerkschaftsgeschichte als Organisations-, Sozial- und Politikgeschichte vor dem Hintergrund sozialer wie ökonomischer Prozesse über den Umbruch 1989 / 1990 an.

Teilprojekt im Rahmen des Promotionskollegs „Soziale Folgen des Wandels der Arbeitswelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Katharina Täufert

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 1, Raum 0.19

Tel.: 0331/28991-35
Fax: 0331/28991-40
E-Mail: taeufert [at] zzf-potsdam.de

Forschung

Arbeit für alle? Die Rolle des Deutschen Gewerkschaftsbundes in den Auseinandersetzungen um Arbeitslosigkeit und Armut, 1972-1998

Dissertationsprojekt
Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung

Gewerkschaften und Arbeitslosigkeit – auf den ersten Blick kann diese Begriffspaarung widersprüchlich erscheinen. Traditionell gelten diese Organisationen eher als Vertreter der Interessen von Beschäftigten. Einschlägige Studien, beispielsweise zur Geschichte der „Neuen Armut“, zeigen jedoch, dass sich Gewerkschaften seit den 1970er Jahren sehr wohl mit dem Aufkommen von Massenarbeitslosigkeit und damit verbundener Armut in der Bundesrepublik beschäftigten. Aber warum und auf welche Art und Weise setzten sich Gewerkschaften im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts auch für Menschen ohne Beschäftigung ein? Am Beispiel des Dachverbandes DGB, der innerhalb des Gewerkschaftssystems die übergreifende Interessenvertretung in sozialpolitischen Belangen innehat, werden gewerkschaftliche Bemühungen und Interessen bei der Bewältigung der Arbeitslosenproblematik analysiert. Die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung durch die Umverteilung von Arbeit (zum Beispiel über Arbeitszeitverkürzungen) war für den DGB stets die zentrale Forderung im Kampf gegen Arbeitslosigkeit. Er hielt damit länger als andere Akteure am Ziel „Arbeit für alle“ fest.
Warum der DGB auf seinen Forderungen beharrte und sich nur zögerlich an die gewandelten Verhältnisse sowie Lebensbedingungen anpasste, wird im Projekt anhand von vier Untersuchungsfeldern eruiert:
Erstens wird der DGB im gesellschaftspolitischen Umfeld verortet, also mit seinen sozialpolitischen Forderungen in Relation zur Politik und den Parteien, den Kirchen sowie der Wohlfahrtspflege gesetzt. Zweitens wird herausgearbeitet, wie und warum der Dachverband den Umstand vorhandener Arbeitslosigkeit für sich zu instrumentalisieren suchte. Drittens wird beleuchtet, wie um innerorganisatorische Veränderungen infolge der gesellschaftlichen Erwerbslosigkeit gerungen wurde. Diese Erkenntnisse ermöglichen schließlich viertens eine Einschätzung der DGB-Politik in arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Fragen – zum Beispiel bei der politischen Ausgestaltung von Arbeitsverhältnissen – in einer Gesellschaft, die mit dem Wandel von Arbeit, veränderten Beschäftigungsformen und dem Verlust von Arbeitsplätzen umzugehen hatte. Das Projekt visiert damit eine Gewerkschaftsgeschichte als Organisations-, Sozial- und Politikgeschichte vor dem Hintergrund sozialer wie ökonomischer Prozesse über den Umbruch 1989 / 1990 an.

Teilprojekt im Rahmen des Promotionskollegs „Soziale Folgen des Wandels der Arbeitswelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Katharina Täufert

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 1, Raum 0.19

Tel.: 0331/28991-35
Fax: 0331/28991-40
E-Mail: taeufert [at] zzf-potsdam.de

Forschung