Gesellschaftsgeschichte der DDR

MfS-Entwicklungshilfe - Die ostdeutsche Volksmeinung - Sozialgeschichte der SED-Diktatur - Sexismus in der DDR - Pforzheim-Stadt des Ankommens - Alternative Lebenskonzepte in Ost und West - Auswirkungen des Mauerbaus - Reisen ins andere Deutschland - Computerisierung in deutschen Sicherheitsbehörden

Forschung

Projekte

Die ostdeutsche Volksmeinung im Spiegel von Geheimdienstberichten und Meinungsforschung aus Ost und West

Jens Gieseke

Forschungsprojekt

Das Projekt zielt darauf, mit Hilfe von seriellen Berichtsquellen die informelle Bildung und den Wandel von Einstellungen und Haltungen der DDR-Bevölkerung zu rekonstruieren. Die Grundlage der Untersuchung bilden zwei Quellengruppen: einerseits Stimmungs- und Lageberichte zu „Reaktionen der Bevölkerung“ des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR von 1958 bis 1989 sowie Lagemeldungen des Bundesnachrichtendienstes (sofern zugänglich), andererseits die Ergebnisse demoskopischer und soziologischer Forschungsprogramme von Infratest München sowie verschiedenen DDR-Stellen (ZIJ, IfM beim ZK der SED, Institut für Marktforschung, DDR-Rundfunk u.a.).

Chemie-Ingenieurin im Entwicklungslabor des VEB Berlin-Chemie, Foto: Eva Brüggmann, Bundesarchiv Bild 183-B0806-0001-001, CC BY-SA 3.0 DE

Geschlecht und Herrschaft im Betriebsleben der DDR in den 1970er und 1980er Jahren
Interaktionen, Spannungen, Konflikte, Diskriminierung

Henrike Voigtländer

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Welche Rolle spielten Geschlecht und Sexualität in der alltäglichen Interaktion in Betrieben eines Staates, der die Gleichberechtigung von Frauen und Männern propagierte? Vorfälle wie geschlechterbezogene Beleidigungen, Benach- oder Bevorteilungen sowie sexualisierte Gewalt gehörten zum Alltag in vielen Lebensbereichen der DDR, so die These meines Dissertationsprojektes.

VEB Narva Kombinat Berliner Glühlampenwerk, Brigade "25. Jahrestag der DDR", Foto: Horst Sturm, Bundesarchiv Bild 183-P0520-0022, CC BY-SA 3.0 DE

Die feinen Unterschiede der klassenlosen Gesellschaft
Eine Sozialgeschichte der SED-Diktatur

Jens Gieseke

Forschungsprojekt

Ziel des Projekts ist eine kompakte Darstellung zur Sozialgeschichte der SED-Herrschaft, die die Befunde der politischen Regimegeschichte mit Analysen der sozialen Strukturen und Erfahrungshorizonte in der DDR-Gesellschaft kombiniert. Es knüpft in der Fragestellung an die öffentlichen Debatten über das mentale und soziale Erbe des ostdeutschen Staatssozialismus an und bilanziert die ebenso intensive wie kontroverse Forschung seit dem Mauerfall zu Herrschaft und Gesellschaft in der DDR.

Karte der Übergänge an der innerdeutschen Grenze, mit Transitstrecken durch die DDR (Stand 1982), aus dem amtlichen Merkblatt "Reisen in die DDR", Bild: Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, DDR Transit041, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Reisen ins andere Deutschland. Tourismus durch den Eisernen Vorhang

Stefanie Eisenhuth

Forschungsprojekt

In einzelnen Fallstudien untersucht dieses Projekt die zunehmende Öffnung der DDR gen Westen anhand des grenzübergreifenden Reiseverkehrs. Es fragt nach anvisierten Zielen und unerwünschten Folgen des deutsch-deutschen Tourismus, nach staatlichen Regulierungsversuchen und Formen gesellschaftlichen Eigen-Sinns.

Hausbesetzer in Berlin-Kreuzberg, 1981. Foto: Tom Ordelman (Thor NL), Instandbesetzer Berlin Kreuzberg 1981, CC BY-SA 3.0

Alternative Lebenskonzepte in BRD und DDR 1965-1980

Rebecca Menzel

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Die 1970er-Jahre gelten durch den noch immer dominanten Fokus auf die Studentenbewegung als gescheitertes „rotes Jahrzehnt“ (Koenen), das in ein Gefühl der „Krise“ umschlug. Das alternative Milieu stilisierte sich als „Opfer des Systems“ (Reichardt) und ging in einer individualisierten Konsumgesellschaft auf. In der „arbeiterlichen Gesellschaft“ der DDR (Engler) konnten alternative Lebenskonzepte erst recht keine vorbildlichen Maßstäbe setzen.

Rechentechnik im DDR-Ministerium für Staatssicherheit. Foto: BSTU, MfS, Abt. XIII, Fo 0001.

Computerisierung und Wissensproduktion in ost- und westdeutschen Sicherheitsbehörden, 1960–1990

Forschungsprojekt

In der zeithistorischen Forschung zur Bundesrepublik und der DDR spielen die Auswirkungen der Computereinführung auf staatliche Institutionen bisher eine nachgeordnete Rolle, ebenso Techniken der staatlichen Wissensgenerierung. Das Projekt untersucht die Wechselbeziehungen zwischen Computerisierung und Wissensproduktion anhand von west- und ostdeutschen Polizeibehörden und Nachrichtendiensten zwischen den frühen 1960er- und den späten 1980er-Jahren.

Erich Mielke und Mosambiks Präsident Samora Machel in Ost-Berlin, (ca. 1980). Foto: BStU, MfS Abt. X Nr. 769.

Tschekistische Entwicklungshilfe
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der „Dritten Welt“

Anna Warda

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Während des Ost-West-Konfliktes hatte die „Ost-Süd-Beziehung“ für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR einen besonderen Stellenwert. Hunderte von MitarbeiterInnen waren seit dem Jahr 1964 bis zum Mauerfall in über 25 Ländern der „Dritten Welt“ aktiv.

Das Promotionsvorhaben ordnet die Aktivitäten und Interessen des MfS in den Kontext der DDR-Außenpolitik ein. Zudem wird das Vorgehen in den betroffenen Ländern umfassend beleuchtet. Die Schwerpunkte des MfS lagen zum einen in der geheimdienstlichen Kooperation mit den Partnerdiensten sowie der Aufklärung westlicher Dienste. Eine weitere Kernaufgabe war der Ausbau von Schutz- und Sicherheitsorganen zur Festigung pro-kommunistischer Herrschaft in den jeweiligen Ländern.

Kommunismus und Geschlecht - Kommunistische Frauen im kurzen 20. Jahrhundert

Ralf Hoffrogge

Forschungsprojekt

Das zunächst auf sechs Monate angelegte Projekt dient zur Erarbeitung eines größeren Forschungsantrages zur Geschlechtergeschichte des deutschen Kommunismus im 20. Jahrhundert.

Ausweis der Bundesrepublik Deutschland für Vertriebene und Flüchtlinge. Bild: gemeinfrei.

Pforzheim – eine Stadt des Ankommens: Zur Integration geflüchteter, freigekaufter und ausgereister DDR-Bürger im Südwesten der Bundesrepublik

Florentine Schmidtmann

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Der Zuzug von insgesamt 3,8 Millionen Menschen, die zwischen 1949 und 1990 teils unter Lebensgefahr aus der DDR flüchteten und ausreisten oder von der Bundesregierung freigekauft wurden, stellte die Gesellschaft und Politik in Westdeutschland sowie die Neuankömmlinge selbst vor große Herausforderungen. Nach der fast völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt Pforzheim durch den anschließenden wirtschaftlichen Aufschwung eine Anlaufstelle für viele Ankömmlinge - von Vertriebenen, über SBZ/DDR-Flüchtlingen, Gastarbeitern, Spätaussiedlern bis hin zu Asylsuchenden.

Gesellschaftsgeschichte der DDR

MfS-Entwicklungshilfe - Die ostdeutsche Volksmeinung - Sozialgeschichte der SED-Diktatur - Sexismus in der DDR - Pforzheim-Stadt des Ankommens - Alternative Lebenskonzepte in Ost und West - Auswirkungen des Mauerbaus - Reisen ins andere Deutschland - Computerisierung in deutschen Sicherheitsbehörden

Forschung

Projekte

Die ostdeutsche Volksmeinung im Spiegel von Geheimdienstberichten und Meinungsforschung aus Ost und West

Jens Gieseke

Forschungsprojekt

Das Projekt zielt darauf, mit Hilfe von seriellen Berichtsquellen die informelle Bildung und den Wandel von Einstellungen und Haltungen der DDR-Bevölkerung zu rekonstruieren. Die Grundlage der Untersuchung bilden zwei Quellengruppen: einerseits Stimmungs- und Lageberichte zu „Reaktionen der Bevölkerung“ des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR von 1958 bis 1989 sowie Lagemeldungen des Bundesnachrichtendienstes (sofern zugänglich), andererseits die Ergebnisse demoskopischer und soziologischer Forschungsprogramme von Infratest München sowie verschiedenen DDR-Stellen (ZIJ, IfM beim ZK der SED, Institut für Marktforschung, DDR-Rundfunk u.a.).

Chemie-Ingenieurin im Entwicklungslabor des VEB Berlin-Chemie, Foto: Eva Brüggmann, Bundesarchiv Bild 183-B0806-0001-001, CC BY-SA 3.0 DE

Geschlecht und Herrschaft im Betriebsleben der DDR in den 1970er und 1980er Jahren
Interaktionen, Spannungen, Konflikte, Diskriminierung

Henrike Voigtländer

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Welche Rolle spielten Geschlecht und Sexualität in der alltäglichen Interaktion in Betrieben eines Staates, der die Gleichberechtigung von Frauen und Männern propagierte? Vorfälle wie geschlechterbezogene Beleidigungen, Benach- oder Bevorteilungen sowie sexualisierte Gewalt gehörten zum Alltag in vielen Lebensbereichen der DDR, so die These meines Dissertationsprojektes.

VEB Narva Kombinat Berliner Glühlampenwerk, Brigade "25. Jahrestag der DDR", Foto: Horst Sturm, Bundesarchiv Bild 183-P0520-0022, CC BY-SA 3.0 DE

Die feinen Unterschiede der klassenlosen Gesellschaft
Eine Sozialgeschichte der SED-Diktatur

Jens Gieseke

Forschungsprojekt

Ziel des Projekts ist eine kompakte Darstellung zur Sozialgeschichte der SED-Herrschaft, die die Befunde der politischen Regimegeschichte mit Analysen der sozialen Strukturen und Erfahrungshorizonte in der DDR-Gesellschaft kombiniert. Es knüpft in der Fragestellung an die öffentlichen Debatten über das mentale und soziale Erbe des ostdeutschen Staatssozialismus an und bilanziert die ebenso intensive wie kontroverse Forschung seit dem Mauerfall zu Herrschaft und Gesellschaft in der DDR.

Karte der Übergänge an der innerdeutschen Grenze, mit Transitstrecken durch die DDR (Stand 1982), aus dem amtlichen Merkblatt "Reisen in die DDR", Bild: Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, DDR Transit041, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Reisen ins andere Deutschland. Tourismus durch den Eisernen Vorhang

Stefanie Eisenhuth

Forschungsprojekt

In einzelnen Fallstudien untersucht dieses Projekt die zunehmende Öffnung der DDR gen Westen anhand des grenzübergreifenden Reiseverkehrs. Es fragt nach anvisierten Zielen und unerwünschten Folgen des deutsch-deutschen Tourismus, nach staatlichen Regulierungsversuchen und Formen gesellschaftlichen Eigen-Sinns.

Hausbesetzer in Berlin-Kreuzberg, 1981. Foto: Tom Ordelman (Thor NL), Instandbesetzer Berlin Kreuzberg 1981, CC BY-SA 3.0

Alternative Lebenskonzepte in BRD und DDR 1965-1980

Rebecca Menzel

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Die 1970er-Jahre gelten durch den noch immer dominanten Fokus auf die Studentenbewegung als gescheitertes „rotes Jahrzehnt“ (Koenen), das in ein Gefühl der „Krise“ umschlug. Das alternative Milieu stilisierte sich als „Opfer des Systems“ (Reichardt) und ging in einer individualisierten Konsumgesellschaft auf. In der „arbeiterlichen Gesellschaft“ der DDR (Engler) konnten alternative Lebenskonzepte erst recht keine vorbildlichen Maßstäbe setzen.

Rechentechnik im DDR-Ministerium für Staatssicherheit. Foto: BSTU, MfS, Abt. XIII, Fo 0001.

Computerisierung und Wissensproduktion in ost- und westdeutschen Sicherheitsbehörden, 1960–1990

Forschungsprojekt

In der zeithistorischen Forschung zur Bundesrepublik und der DDR spielen die Auswirkungen der Computereinführung auf staatliche Institutionen bisher eine nachgeordnete Rolle, ebenso Techniken der staatlichen Wissensgenerierung. Das Projekt untersucht die Wechselbeziehungen zwischen Computerisierung und Wissensproduktion anhand von west- und ostdeutschen Polizeibehörden und Nachrichtendiensten zwischen den frühen 1960er- und den späten 1980er-Jahren.

Erich Mielke und Mosambiks Präsident Samora Machel in Ost-Berlin, (ca. 1980). Foto: BStU, MfS Abt. X Nr. 769.

Tschekistische Entwicklungshilfe
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der „Dritten Welt“

Anna Warda

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Während des Ost-West-Konfliktes hatte die „Ost-Süd-Beziehung“ für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR einen besonderen Stellenwert. Hunderte von MitarbeiterInnen waren seit dem Jahr 1964 bis zum Mauerfall in über 25 Ländern der „Dritten Welt“ aktiv.

Das Promotionsvorhaben ordnet die Aktivitäten und Interessen des MfS in den Kontext der DDR-Außenpolitik ein. Zudem wird das Vorgehen in den betroffenen Ländern umfassend beleuchtet. Die Schwerpunkte des MfS lagen zum einen in der geheimdienstlichen Kooperation mit den Partnerdiensten sowie der Aufklärung westlicher Dienste. Eine weitere Kernaufgabe war der Ausbau von Schutz- und Sicherheitsorganen zur Festigung pro-kommunistischer Herrschaft in den jeweiligen Ländern.

Kommunismus und Geschlecht - Kommunistische Frauen im kurzen 20. Jahrhundert

Ralf Hoffrogge

Forschungsprojekt

Das zunächst auf sechs Monate angelegte Projekt dient zur Erarbeitung eines größeren Forschungsantrages zur Geschlechtergeschichte des deutschen Kommunismus im 20. Jahrhundert.

Ausweis der Bundesrepublik Deutschland für Vertriebene und Flüchtlinge. Bild: gemeinfrei.

Pforzheim – eine Stadt des Ankommens: Zur Integration geflüchteter, freigekaufter und ausgereister DDR-Bürger im Südwesten der Bundesrepublik

Florentine Schmidtmann

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Der Zuzug von insgesamt 3,8 Millionen Menschen, die zwischen 1949 und 1990 teils unter Lebensgefahr aus der DDR flüchteten und ausreisten oder von der Bundesregierung freigekauft wurden, stellte die Gesellschaft und Politik in Westdeutschland sowie die Neuankömmlinge selbst vor große Herausforderungen. Nach der fast völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt Pforzheim durch den anschließenden wirtschaftlichen Aufschwung eine Anlaufstelle für viele Ankömmlinge - von Vertriebenen, über SBZ/DDR-Flüchtlingen, Gastarbeitern, Spätaussiedlern bis hin zu Asylsuchenden.