Urban Authenticity: Creating, Contesting, and Visualising the Built Heritage in European Cities since the 1970s

Verbundprojekt
Koordination: Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner (IRS)

Im Forschungsprojekt „Urban Authenticity“ untersuchen wir, wie in öffentlichen Debatten, medialen Präsentationen und städtebaulichen Praktiken Teile des Bauerbes einer Stadt in Wert gesetzt werden, indem ihnen Authentizität zugesprochen wird. Welche Vorstellungen darüber, was lebendige und lebenswerte Städte ausmacht, lassen sich in diesen städtischen Debatten ablesen und welche Rolle spielt der Verweis auf das Authentische? Welche Bedeutung haben Stadtquartiere und architektonische Zeugnisse vergangener Zeiten für das städtische Selbstverständnis?

Authentizität wird in vielen Fällen mit dem „Echten“, „Ursprünglichen“ und „Unveränderten“ verbunden, und bei einzelnen Gebäuden und städtebaulichen Ensembles oft im Sinne einer weitgehend originalgetreuen Rekonstruktion oder Annäherung an ein historisches Ideal verstanden. In unserem Projekt verfolgen wir hingegen die These, dass die Authentizität der Stadt mehr sein kann als der ihr zugeschriebene materielle historische Bedeutungssinn. Städte gewinnen ihre Charakteristik durch ihre Historizität, d.h. das Zusammenspiel verschiedener Zeiten und Zeitschichten. Zudem werden auch soziale und urbane Entwicklungen bzw. Phänomene von Stadtgesellschaften „authentisiert“.

Gesellschaftliche Umbrüche führten zu einer Konjunktur stadtgesellschaftlicher Aushandlungen über das jeweilige städtische Selbstbild. Die vielbeschworene „Unwirtlichkeit“ der Nachkriegsmoderne, die Abkehr vom Leitbild der autogerechten Stadt, die Orientierung an historischen Vorbildern und die sozialen Umbrüche seit den 1970er Jahren lösten ebenso wie der Umbruch von 1989/90 eine Welle von Instandsetzungen baulichen Erbes und historisierender Neubauten aus. Oft entzündeten sich daran politische Konflikte: Akteure aus Zivilgesellschaft, Stadtverwaltung und Politik diskutierten intensiv darüber, welches Erbe erhalten werden sollte. In den ostdeutschen Städten nach 1989/90 ist zu beobachten, dass vorwiegend weit vergangene historische Epochen in den Zentren der Städte „authentisiert“ wurden, während das Bauerbe der DDR zunächst als rein politisch motivierter Eingriff in überlieferte städtische Strukturen galt.

Im Forschungsprojekt „Urban Authenticity. Creating, Contesting, and Visualising the Built Heritage in European Cities since the 1970s“, das vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner (IRS) koordiniert wird, werden erstmals die Muster solcher Diskurse in einer transnationalen historiographischen Perspektive systematisch untersucht. Im Zentrum stehen öffentliche Debatten und Praktiken von Akteuren im Spannungsfeld von Baupolitik, Tourismus und Migration seit den 1970er Jahren. Welche Geschichts- und Zukunftsvorstellungen lassen sich ausmachen und welche Visualisierungsstrategien und Bildpolitiken werden in den Auseinandersetzungen genutzt?

Die Debatten werden anhand von vier Fallbeispielen in Städten der Bundesrepublik, der DDR, Polens und Frankreichs näher untersucht: Nürnberg, Potsdam, Szczecin und Marseille.

Dem Fallbeispiel in Potsdam widmet sich Anja Tack (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung) in ihrem Forschungprojekt "Der Potsdamer Stadtumbau – Authentisierungsstrategien im Widerstreit".

Mehr zum Verbundprojekt erfahren

Dr. Achim Saupe

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 1, Raum 2.13
Tel.: 0331/28991-44
Fax: 0331/28991-60

E-Mail: saupe [at] zzf-potsdam.de

Forschung

Urban Authenticity: Creating, Contesting, and Visualising the Built Heritage in European Cities since the 1970s

Verbundprojekt
Koordination: Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner (IRS)

Im Forschungsprojekt „Urban Authenticity“ untersuchen wir, wie in öffentlichen Debatten, medialen Präsentationen und städtebaulichen Praktiken Teile des Bauerbes einer Stadt in Wert gesetzt werden, indem ihnen Authentizität zugesprochen wird. Welche Vorstellungen darüber, was lebendige und lebenswerte Städte ausmacht, lassen sich in diesen städtischen Debatten ablesen und welche Rolle spielt der Verweis auf das Authentische? Welche Bedeutung haben Stadtquartiere und architektonische Zeugnisse vergangener Zeiten für das städtische Selbstverständnis?

Authentizität wird in vielen Fällen mit dem „Echten“, „Ursprünglichen“ und „Unveränderten“ verbunden, und bei einzelnen Gebäuden und städtebaulichen Ensembles oft im Sinne einer weitgehend originalgetreuen Rekonstruktion oder Annäherung an ein historisches Ideal verstanden. In unserem Projekt verfolgen wir hingegen die These, dass die Authentizität der Stadt mehr sein kann als der ihr zugeschriebene materielle historische Bedeutungssinn. Städte gewinnen ihre Charakteristik durch ihre Historizität, d.h. das Zusammenspiel verschiedener Zeiten und Zeitschichten. Zudem werden auch soziale und urbane Entwicklungen bzw. Phänomene von Stadtgesellschaften „authentisiert“.

Gesellschaftliche Umbrüche führten zu einer Konjunktur stadtgesellschaftlicher Aushandlungen über das jeweilige städtische Selbstbild. Die vielbeschworene „Unwirtlichkeit“ der Nachkriegsmoderne, die Abkehr vom Leitbild der autogerechten Stadt, die Orientierung an historischen Vorbildern und die sozialen Umbrüche seit den 1970er Jahren lösten ebenso wie der Umbruch von 1989/90 eine Welle von Instandsetzungen baulichen Erbes und historisierender Neubauten aus. Oft entzündeten sich daran politische Konflikte: Akteure aus Zivilgesellschaft, Stadtverwaltung und Politik diskutierten intensiv darüber, welches Erbe erhalten werden sollte. In den ostdeutschen Städten nach 1989/90 ist zu beobachten, dass vorwiegend weit vergangene historische Epochen in den Zentren der Städte „authentisiert“ wurden, während das Bauerbe der DDR zunächst als rein politisch motivierter Eingriff in überlieferte städtische Strukturen galt.

Im Forschungsprojekt „Urban Authenticity. Creating, Contesting, and Visualising the Built Heritage in European Cities since the 1970s“, das vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner (IRS) koordiniert wird, werden erstmals die Muster solcher Diskurse in einer transnationalen historiographischen Perspektive systematisch untersucht. Im Zentrum stehen öffentliche Debatten und Praktiken von Akteuren im Spannungsfeld von Baupolitik, Tourismus und Migration seit den 1970er Jahren. Welche Geschichts- und Zukunftsvorstellungen lassen sich ausmachen und welche Visualisierungsstrategien und Bildpolitiken werden in den Auseinandersetzungen genutzt?

Die Debatten werden anhand von vier Fallbeispielen in Städten der Bundesrepublik, der DDR, Polens und Frankreichs näher untersucht: Nürnberg, Potsdam, Szczecin und Marseille.

Dem Fallbeispiel in Potsdam widmet sich Anja Tack (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung) in ihrem Forschungprojekt "Der Potsdamer Stadtumbau – Authentisierungsstrategien im Widerstreit".

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Dr. Achim Saupe

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 1, Raum 2.13
Tel.: 0331/28991-44
Fax: 0331/28991-60

E-Mail: saupe [at] zzf-potsdam.de

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