Der Potsdamer Stadtumbau – Authentisierungsstrategien im Widerstreit

Beginn des Projektes: Oktober 2020

Forschungsprojekt

Teil des Verbundprojektes: „Urban Authenticity: Creating, Contesting, and Visualising the Built Heritage in European Cities since the 1970s (UrbAuth)”

Städte verändern ihr Aussehen permanent – oft sind es gesellschaftliche Zäsuren, die Veränderungen des städtischen Bildes vorantreiben. So hat sich auch das 20. Jahrhundert mit seinen raschen Abfolgen politischer Systeme immer wieder neu ins städtische Bild Potsdams eingeschrieben. Verfolgte das nationalsozialistische Regime eine „Bereinigung der Unordnung“ im Stadtbild, hatten viele Überformungen der Stadtgestalt seit 1949 auch zum Ziel, das preußische Erbe Potsdams zu „zähmen“, während die Transformation seit 1989/90 Stadtbilder entwarf, die sich an einem Potsdam längst vergangener Zeiten orientierten.

Stadträume prägen soziale, politische und kulturelle Zugehörigkeiten und Identitäten. Die Umgestaltung des urbanen Raumes beansprucht daher immer auch kollektive Geltung. Im Abriss, Wiederaufbau und Neubau manifestiert sich ein politischer Gestaltungsanspruch, der das Bildgedächtnis und Selbstverständnis einer Stadt formt und höchst umstritten sein kann. Die heutigen Potsdamer Auseinandersetzungen sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, zu deren Markenzeichen die Garnisonkirche und das Rechenzentrum geworden sind. Das Projekt historisiert diesen Streit um das „wahre“ Potsdam, die „Rückgewinnung der historischen Mitte“ und den Erhalt der „Ostmoderne“. Es beleuchtet zugleich aber auch die randständigeren Umgestaltungen, die oft ohne öffentlichen Streit und in vermeintlichem Konsens stattfanden und in deren Zuge Bauten ohne Protest abgetragen oder aufgebaut wurden.

Das Projekt verbindet praxeologische, diskursanalytische und bildhistorische Methoden. Insofern fragt es danach, welche Strategien die Akteure des Stadtumbaus verfolgten, um ihrem Wunschbild eine nachhaltige Stimme im Diskurs zu verleihen, welche Argumente sie anführten und welche visuellen Quellen ihnen dabei als Vorlagen dienten. Im Fokus der Untersuchung steht der Begriff der Authentizität. Dieser hat in den letzten Jahrzehnten in öffentlichen Debatten an Attraktivität gewonnen und dient oft als Strategie, um Aussagen zu beglaubigen bzw. zu legitimieren. Welche Rolle spielt die Zuschreibung des Authentischen, des „Ursprünglichen“, „Echten“, „Wahren“ und „Reinen“ im Diskurs des Stadtumbaus?

Insbesondere Fotografien wird eine besondere Beweiskraft des Authentischen zugesprochen; sie dienen als Vorlage des Umbaus ebenso wie als Beglaubigungsinstrument. Der Stadtumbau hinterlässt Spuren und zerstört diese gleichermaßen. Wo einst vorhandene Plätze und Orte aus dem Stadtbild und damit auch aus dem Stadtgedächtnis verschwunden sind, können Fotografien den Wandel dokumentieren, vergangene Bilder der Stadt speichern und somit Erinnerungen konservieren. Das Projekt fragt nach der Herkunft des Bildrepertoires und den Bildlieferanten, nach den Formen der Präsentation in der Öffentlichkeit und beleuchtet die damit verbundenen Aussagen im Diskurs.

Das Projekt ist Teil eines international ausgerichteten Verbundprojekts und wird am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) koordiniert.

Anja Tack

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 9d, Raum 1.23
Tel.: 0331/74510-114
mobil: +49 176 60 88 65 70

E-Mail: tack(at)zzf-potsdam.de

Forschung

Der Potsdamer Stadtumbau – Authentisierungsstrategien im Widerstreit

Beginn des Projektes: Oktober 2020

Forschungsprojekt

Teil des Verbundprojektes: „Urban Authenticity: Creating, Contesting, and Visualising the Built Heritage in European Cities since the 1970s (UrbAuth)”

Städte verändern ihr Aussehen permanent – oft sind es gesellschaftliche Zäsuren, die Veränderungen des städtischen Bildes vorantreiben. So hat sich auch das 20. Jahrhundert mit seinen raschen Abfolgen politischer Systeme immer wieder neu ins städtische Bild Potsdams eingeschrieben. Verfolgte das nationalsozialistische Regime eine „Bereinigung der Unordnung“ im Stadtbild, hatten viele Überformungen der Stadtgestalt seit 1949 auch zum Ziel, das preußische Erbe Potsdams zu „zähmen“, während die Transformation seit 1989/90 Stadtbilder entwarf, die sich an einem Potsdam längst vergangener Zeiten orientierten.

Stadträume prägen soziale, politische und kulturelle Zugehörigkeiten und Identitäten. Die Umgestaltung des urbanen Raumes beansprucht daher immer auch kollektive Geltung. Im Abriss, Wiederaufbau und Neubau manifestiert sich ein politischer Gestaltungsanspruch, der das Bildgedächtnis und Selbstverständnis einer Stadt formt und höchst umstritten sein kann. Die heutigen Potsdamer Auseinandersetzungen sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, zu deren Markenzeichen die Garnisonkirche und das Rechenzentrum geworden sind. Das Projekt historisiert diesen Streit um das „wahre“ Potsdam, die „Rückgewinnung der historischen Mitte“ und den Erhalt der „Ostmoderne“. Es beleuchtet zugleich aber auch die randständigeren Umgestaltungen, die oft ohne öffentlichen Streit und in vermeintlichem Konsens stattfanden und in deren Zuge Bauten ohne Protest abgetragen oder aufgebaut wurden.

Das Projekt verbindet praxeologische, diskursanalytische und bildhistorische Methoden. Insofern fragt es danach, welche Strategien die Akteure des Stadtumbaus verfolgten, um ihrem Wunschbild eine nachhaltige Stimme im Diskurs zu verleihen, welche Argumente sie anführten und welche visuellen Quellen ihnen dabei als Vorlagen dienten. Im Fokus der Untersuchung steht der Begriff der Authentizität. Dieser hat in den letzten Jahrzehnten in öffentlichen Debatten an Attraktivität gewonnen und dient oft als Strategie, um Aussagen zu beglaubigen bzw. zu legitimieren. Welche Rolle spielt die Zuschreibung des Authentischen, des „Ursprünglichen“, „Echten“, „Wahren“ und „Reinen“ im Diskurs des Stadtumbaus?

Insbesondere Fotografien wird eine besondere Beweiskraft des Authentischen zugesprochen; sie dienen als Vorlage des Umbaus ebenso wie als Beglaubigungsinstrument. Der Stadtumbau hinterlässt Spuren und zerstört diese gleichermaßen. Wo einst vorhandene Plätze und Orte aus dem Stadtbild und damit auch aus dem Stadtgedächtnis verschwunden sind, können Fotografien den Wandel dokumentieren, vergangene Bilder der Stadt speichern und somit Erinnerungen konservieren. Das Projekt fragt nach der Herkunft des Bildrepertoires und den Bildlieferanten, nach den Formen der Präsentation in der Öffentlichkeit und beleuchtet die damit verbundenen Aussagen im Diskurs.

Das Projekt ist Teil eines international ausgerichteten Verbundprojekts und wird am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) koordiniert.

Anja Tack

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 9d, Raum 1.23
Tel.: 0331/74510-114
mobil: +49 176 60 88 65 70

E-Mail: tack(at)zzf-potsdam.de

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