Rainette Lange schließt Promotion zum Thema "Literarische Deutungsmuster des gesellschaftlichen Umbruchs im deutsch-tschechischen Vergleich" ab

30.01.2019

Rainette Lange hat am 24. Januar 2019 ihre Promotion an der Universität Potsdam mit der Note „magna cum laude“ abgeschlossen. In ihrer Dissertation „Erzählen vom Umbruch: Reflexionen der Wende von 1989/90 in der deutschen und tschechischen Gegenwartsliteratur jüngerer Autorinnen und Autoren“ befasst sich Lange mit literarischen Deutungsmustern des gesellschaftlichen Umbruchs im deutsch-tschechischen Vergleich.

Im Mittelpunkt stehen Prosatexte von AutorInnen, die in der Zeit des Systemwechsels sozialisiert wurden und aus heutiger Sicht den Umbruch von 1989 bzw. dessen gesellschaftliche Folgen thematisieren. Während diese Texte in Deutschland im breiteren Kontext der „Wendekinder“-Debatte stehen, gibt es ähnliche Diskussionen in der tschechischen Rezeption nicht. In der jungen  tschechischen Literatur dominieren zudem Themen wie das Reisen oder Arbeitsmigration. Eine Auswahl an Texten (u.a. Julia Schoch, Judith Zander, Clemens Meyer, Petra Hůlová, Bohuslav Vaněk-Úvalský) wurde im Hinblick auf die Darstellung adoleszenter Umbruchserfahrungen vergleichend analysiert und ihre narrativen wie ästhetischen Spezifika herausgearbeitet. Dabei werden übergreifende Motive und poetologische Merkmale der „Wende“-Repräsentation in beiden Literaturen erkennbar, die sich in vielschichtigen Körper- und Raummetaphoriken niederschlagen. Mittels symbolischer Raumordnungen wird auch in den tschechischen Texten über den Umbruch erzählt. Die Studie leistet damit einen Beitrag zur Untersuchung von Erinnerungsnarrativen über das Ende des Sozialismus in einem weiter gefassten mitteleuropäischen Literaturraum.

Die Promotionsarbeit betreuten Prof. Dr. Helmut Peitsch (Universität Potsdam, Institut für Germanistik) und Prof. Dr. Alfrun Kliems (Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Slawistik).  Rainette Lange war am ZZF Potsdam mit ihrem Dissertationsprojekt in der Abteilung I „Kommunismus und Gesellschaft“ angesiedelt und im Forschungsprojekt „Die lange Geschichte der 'Wende'. Lebenswelt und Systemwechsel in Ostdeutschland vor, während und nach 1989“ assoziiert.

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