Edition Bündnis 90 (1989 – 1993)

Beginn des Projektes: Januar 2018

Assoziiertes Editionsprojekt

Die Wiedervereinigung erweiterte das westdeutsche Parteiensystem um zwei neue Formationen, die ihre konträren Geltungsansprüche aus der DDR-Vergangenheit in die neue Bundesrepublik einbrachten: das Bündnis der oppositionellen Bürgerbewegungen und die SED-Nachfolgepartei PDS. Beide Formationen waren ausschließlich in den neuen Bundesländern verankert und hatten aufgrund der Wahlgesetze nicht das Potenzial, sich aus eigener Kraft als Fraktionen im Deutschen Bundestag zu behaupten.

Die geplante Edition widmet sich dem Bündnis 90, das sich 1993 mit den westdeutschen Grünen zum Bündnis 90/Die Grünen zusammenschloss. Die Intention ist, die maßgeblichen Dokumente zur Geschichte des Bündnisses 90 kommentiert zusammenzustellen, die ihr Selbstverständnis, ihre gesellschaftliche Verortung und ihre politische Strategie betreffen.

Die Edition dokumentiert die Strategiedebatten zwischen den Bürgerbewegungen am Runden Tisch und in der Volkskammerfraktion, im Vorfeld der Landtagswahlen und der Bundestagswahl 1990 sowie ein Jahr später, als die Sonderrechte für Listengemeinschaften aus dem Einigungsvertrag endeten. Bei der Umwandlung in eine Partei bildete sich in Sachsen die eigenständige Partei Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen.

Die Verhandlungen über die Assoziation mit den Grünen zogen sich über ein Jahr hin. Die Westgrünen hatten zwar keine Bundestagsfraktion mehr, aber sie waren Regierungspartei auf Landesebene geworden. Seit der Abspaltung eines Teils ihres linken Parteiflügels achteten sie sorgfältiger auf den Ausgleich zwischen den divergierenden Strömungen. Die inhaltlichen Debatten kreisten um die künftige Frauenpolitik, die Welle ausländerfeindlicher Gewalt, den Bosnienkrieg und Weltklimakonferenz in Rio.

Dr. Christoph Becker-Schaum

Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

E-Mail: becker-schaum [at] zzf-potsdam.de

Forschung