Dissertationsprojekt
Das Projekt untersucht, wie sich in der Bundesrepublik zwischen 1950 und 2000 automobile – und damit energieintensive – Lebensweisen verbreiteten und zugleich im Zuge der Debatten um Umweltverschmutzung und Klimawandel in die Kritik gerieten. Der Bau von Umgehungsstraßen dient dabei als Sonde, um das Spannungsverhältnis von wachsender Motorisierung und sich verändernden Umweltvorstellungen zu untersuchen. Gefragt wird nach Konflikten und Normalisierungsprozessen um lokale Bauprojekte, regionalen Formen der (Umwelt-)Wissensproduktion sowie dem Wandel politischer Verkehrsplanungen. Geographisch liegt der Fokus auf der „alten“ Bundesrepublik und wird ab den 1990er Jahren auf die ostdeutschen Bundesländer erweitert. Durch die Fallstudien ist das Projekt transregional ausgerichtet, wird aber zugleich in nationale und internationale Trends der Verkehrsplanung sowie die „Großen Beschleunigung“ eingebettet. Indem der Ausbau und die Ambivalenzen der Automotorisierung in den Mittelpunkt gestellt werden, sollen neue Perspektiven auf etablierte Erzählmuster der bundesdeutschen Zeitgeschichte wie „Liberalisierung“ oder „Ökologisierung“ und deren Periodisierung eröffnet werden.