Buchsalon im Forum Willy Brandt Berlin (Behrensstraße 15, 10117 Berlin)
Donnerstag, 23. April 2026, 18 Uhr
Die Frage nach der historischen Verantwortung, die aus der NS-Vergangenheit erwachsen ist, prägt die Debatten in Politik, Gesellschaft, Medien und Wissenschaft bis heute. Bereits unmittelbar nach 1945 begannen die Deutungskämpfe über den Umgang mit dieser Vergangenheit: Wie konnte es dazu kommen? An welche Opfer wird wie erinnert? Wen versteht man als Täter, wen als Mitläufer und wie sollte man mit ihnen umgehen? Und worauf genau bezieht sich eigentlich das „Nie wieder“? Seit mehr als acht Jahrzehnten werden diese Fragen unter sich wandelnden Vorzeichen immer wieder neu und kontrovers diskutiert.
Zwei eindrucksvolle neue Veröffentlichungen beleuchten diese Debatten aus unterschiedlichen Blickwinkeln: In »Never Again: Germans and Genocide After the Holocaust« untersucht der US-amerikanische Historiker Andrew I. Port, wie die Auseinandersetzung mit dem Holocaust im geteilten und im geeinten Deutschland den Umgang mit anderen Genoziden geformt und beeinflusst hat. Die Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Marie Müller-Zetzsche analysiert in ihrem im Mai erscheinenden Buch »Erneuerung der alten Rechten« deren gezielte Versuche, den Erinnerungsdiskurs im Sinne ihrer Politik und Ideologie zu lenken. Moderiert von Frank Wolff stellen beide Gäste in der zweiten Ausgabe des Buchsalons des Willy Brandt Forums ihre Bücher vor.
Der Eintritt ist frei. Anmeldungen werden über das Online-Formular auf der Website des Willy Brandt Forums angenommen. Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt und wird im Anschluss als Podcast zum Nachhören zur Verfügung gestellt.
Andrew I. Port ist von 13. Januar bis 10. Mai 2026 Visiting Fellow in der Direktion des Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF). Marie Müller-Zetzsche war von Oktober 2021 bis Mai 2025 assoziierte Wissenschaftlerin am ZZF Potsdam. Ihr Buch »Erneuerung der alten Rechten« entstand im Forschungsprojekt »Die radikale Rechte in Deutschland, 1945-2000«, das das ZZF gemeinsam mit dem Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam (MMZ) koordiniert.
