Historiker übers Bahnfahren „Am liebsten spricht man über das, was einen stört“

Niklas Weber im Presse-Interview über Ärgernisse und Zumutungen beim Bahnreisen seit dem 19. Jahrhundert, und ob Zugetragenes im Zug auch das ist, was diesseits des Bahnhofs passiert, im sonstigen öffentlichen Raum und im Privaten. Der Experte sagt, dass im 19. Jahrhundert das Abteil die Standardform gewesen sei, das hätten wir heute so nicht mehr, wir würden eigentlich alle im Großraumwagen fahren. "Das Vis-à-vis lädt dagegen zum Gespräch ein. Der Eisenbahnraum ist dabei strikt nach Klassen sortiert, und man kann eigentlich nicht einfach so die Klasse wechseln – das wäre zu teuer. Aber es ist zumindest vorstellbar. Die Bahn ist also einer von ganz wenigen Orten, an denen es denkbar ist, sich klassenübergreifend zu begegnen", so Weber u.a. im Interview. Der Historiker hat 2024 zum Thema promoviert. Seine Dissertation ist unter dem Titel „Passagiere. Klasse, Geschlecht und ‚Rasse‘ auf der Eisenbahnreise des 19. Jahrhunderts erschienen.