Zum dritten Mal haben die Deutsche Sacharow Gesellschaft, die Ruhr-Universität Bochum und das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) die Andrej-Sacharow-Stipendien für geistige Freiheit vergeben. Die neuen Stipendiatinnen im akademischen Jahr 2025/26 sind Daria Ganzenko (Potsdam) und Svetlana Eremeeva (Bochum).
Daria Ganzenko ist seit 2023 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am ZZF. In ihrem Promotionsprojekt untersucht sie die Geschichte der Bühnenkomik im spät- und postsowjetischen Russland. Sie verdeutlicht, dass humoristische Unterhaltung politische Vorstellungen mitprägt und als Raum für Kritik, Widerstand und alternative gesellschaftliche Modelle dient. Ihr Forschungsprojekt zeige, wie autoritäre Diskurse gesellschaftliche Wahrnehmungen im Feld der Populärkultur formen, heißt es auf der Website der Deutschen Sacharow Gesellschaft. Ihre Forschung mache sichtbar, wie Menschen auf staatliche Versuche reagieren, Emotionen, Bedeutungen und Öffentlichkeit zu kontrollieren, und leiste so einen Beitrag zum Verständnis moderner Propaganda- und Erinnerungspolitik, so die Gesellschaft.
Ziel des Stipendienprogramms ist es, in ihrer Heimat politisch verfolgte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu fördern, um dadurch Andrej Sacharows geistiges Erbe zu würdigen. Die Stipendiatinnen wurden von einer Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der russischen und deutschen Zivilgesellschaft sowie Angehörigen der Familie Sacharow ausgewählt. Gefördert werden die Stipendien im Rahmen des Projekts „Wege zur Aufarbeitung von Krieg und Diktatur“ vom Auswärtigen Amt.
Im akademischen Jahr 2024/25 hatte die russische Historikern Evgenia Lezina das Sacharow-Stipendium erhalten. Die KGB-Expertin forscht seit 2018 am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) in der Abteilung: Kommunismus und Gesellschaft. Im Interview mit der Deutschen Sacharow Gesellschaft erläutert sie ihre Sicht auf den Krieg gegen die Ukraine und seine Ursachen.