Forschungsprojekt
Warum wurde gerade Lwiw zu einem Motor des Wandels in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren? Das Projekt untersucht die westukrainische Stadt als zentralen Schauplatz gesellschaftlicher Mobilisierung, kultureller Erneuerung und politischer Neuorientierung.
Lwiw war schon in sowjetischer Zeit ein besonderer Ort: historisch vielschichtig, kulturell lebendig und stark nach Westen orientiert. In den Jahren der Perebudova verdichteten sich hier Protestbewegungen, Sprach- und Kulturinitiativen sowie neue Formen städtischer Öffentlichkeit. Auf Straßen und Plätzen, in Samvydav-Publikationen, in kulturellen Projekten und zivilgesellschaftlichen Netzwerken entstand ein neues Verständnis von Zugehörigkeit und Zivilgesellschaft.
Auf Grundlage von Archivquellen, Fotografien, Zeitungen, selbstverlegten Schriften und Interviews rekonstruiert das Projekt, wie sich in Lviv politische Aktivierung, kulturelle Selbstbehauptung und städtische Identität miteinander verbanden. Die Stadt wird dabei als Laboratorium der Transformation sichtbar – als Ort, an dem sich Prozesse der Entkopplung vom sowjetischen Zentrum früh und intensiv artikulierten.
Das Projekt trägt damit zu einer mikrohistorisch fundierten Perspektive auf die Entstehung der unabhängigen Ukraine bei und zeigt, wie gesellschaftlicher Wandel in konkreten urbanen Räumen Gestalt annahm.
