Lara Büchel wurde am 8. Juli 2026 erfolgreich mit der Note „Magna cum laude“ an der Universität Potsdam promoviert. Ihre am ZZF Potsdam von Prof. Dr. Frank Bösch betreute Dissertation mit dem Titel „Zwischen Ballast und neuen Perspektiven: Die ostdeutschen Geisteswissenschaften vor, während und nach 1989/90 – eine vergleichende Studie zu Potsdam und Dresden“ untersucht den Transformationsprozess der beiden Hochschulstandorte. Im Fokus stehen die geisteswissenschaftlichen Fächer an den ehemaligen Pädagogischen Hochschulen, ihre strukturelle und personelle Neuordnung nach dem Systemwechsel sowie der Einfluss der Landespolitik in Brandenburg und Sachsen.
Die Arbeit zeigt, dass der Hochschulalltag in den späten 1980er Jahren zwar weiterhin von der SED geprägt war, Reformstau und wachsende Unzufriedenheit die Autorität des Regimes jedoch zunehmend untergruben. Dies führte im Herbst 1989 zwar nicht zu Massenprotesten oder einem breiten studentischen Aufbegehren. Ab dem Frühjahr 1990 orientierten sich die Hochschulleitungen jedoch zunehmend am westdeutschen Hochschulmodell und befürworteten eine stärkere Ausrichtung an Leistung und Wettbewerbsfähigkeit. Diese Entwicklung löste unter Lehrenden und Studierenden Proteste aus, da sie den Verlust sozialer Sicherheiten und den Abbau von Arbeitsplätzen befürchteten.
Ein zentrales Ergebnis der Dissertation ist, dass die unterschiedlichen Entwicklungspfade im Hochschulbereich in Sachsen und Brandenburg bereits vor der deutschen Einheit von lokalen Akteuren vorbereitet wurden. In den 1990er Jahren verfolgten beide Länder unterschiedliche Strategien: Während Sachsen den Hochschulumbau gezielt zum Abbau von DDR-Personal, insbesondere in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, nutzte, setzte Brandenburg stärker auf personelle Kontinuitäten. Diese Unterschiede beruhten nicht nur auf verschiedenen strukturellen Ausgangsbedingungen, sondern auch auf unterschiedlichen politischen Leitvorstellungen.
Zugleich macht die Dissertation deutlich, dass der Personalumbau wesentlich durch die jeweiligen Fachkulturen geprägt wurde. Besonders die Geisteswissenschaften waren von Stellenabbau und biografischen Brüchen betroffen.
Insgesamt zeigt die Arbeit, dass sich der Hochschulumbau weder als reine Modernisierung nach westdeutschem Vorbild noch als einfache institutionelle Übernahme beschreiben lässt. Vielmehr handelte es sich um einen konfliktreichen, regional unterschiedlich verlaufenden Transformationsprozess, der durch politische, fachliche, personelle und geschlechtergeschichtliche Faktoren geprägt war.
Zweitgutachter der Promotion ist Prof. Dr. Dominik Geppert (Universität Potsdam). Die Dissertationsschrift erscheint voraussichtlich 2027 als Buch.
Lara Büchel war im Rahmen ihres Dissertationsprojekts assoziierte Doktorandin in Abteilung I: Kommunismus und Gesellschaft. Seit 2025 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.
