Vom 06. bis 07. November 2025 in Potsdam die Tagung »Fragile Lifelines: Organized Refugee Transportation and Rescue Missions since the 1930s« statt. Die Tagung wurde gemeinsam vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) und dem Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ) ausgerichtet.
Im Jahr 2025 schätzte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), dass weltweit 30,5 Millionen Menschen als Flüchtlinge eingestuft wurden oder sich in einer flüchtlingsähnlichen Situation befanden. Im selben Bericht umfasste die weiter gefasste Kategorie derjenigen, die „aus ihrer Heimat geflohen“ waren, jedoch 117,3 Millionen Menschen. Diese Diskrepanz zeigt, wie rechtliche Kategorisierungen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit erzeugen, wie sie für einige zu Schutz führen und andere ausschließen. Solche Mechanismen prägen nicht nur individuelle Lebenswege und Kämpfe um Schutz, sondern auch die Praktiken organisierter Rettungsmissionen für Flüchtlinge. Diese Missionen werden oft als humanitäre Erfolgsgeschichten dargestellt. Dies verschleiert jedoch tendenziell die Prozesse der Ein- und Ausgrenzung, die innerhalb dieser Operationen stattfinden – zum Beispiel die Frage, wer als schutzberechtigt gilt – und kann den Fokus von anderen Entwicklungen rund um die Flucht, wie etwa Grenzregimen, ablenken.
Die Konferenz untersuchte, wie staatlich geförderte Evakuierungsprogramme gleichzeitig Ausgrenzungen, Hierarchien und Spannungen hervorbrachten, und warf Fragen darüber auf, wer unter welchen Bedingungen einbezogen wurde und wer nicht, sowie über die Reaktionen und Handlungsmöglichkeiten der Betroffenen. Dafür wurde der tatsächliche Transport von Flüchtlingen per Schiff, Zug und Flugzeug als Ausgangspunkt genommen, um sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Die Organisator*innen luden dazu ein, Perspektiven und Ideen aus der Geschichte der Infrastruktur sowie aus dem interdisziplinären Feld der Mobilitätsforschung einzubringen.
Luise Bartsch (Freie Universität Berlin), Laura Jakubaschk (Universität Potsdam) und Samuel Baur (Freie Universität Berlin / Humboldt-Universität zu Berlin) haben einen Tagungsbericht (auf Englisch) verfasst, der am 13. April 2026 auf H-Soz-Kult erschienen ist und über den untenstehenden Link aufgerufen werden kann.
Luise Bartsch / Laura Jakubaschk / Samuel Baur, Tagungsbericht: Fragile Lifelines, in: H-Soz-Kult, 13.04.2026, https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-161508.
