Sterilisationspolitik und -praxis in SBZ und DDR 1945-1990. Der juristische Umgang mit der NS-Vergangenheit, die eugenischen Traditionen und die Renaissance der Sozialhygiene

Beginn des Projektes: September 2019

Asociated PhD project

In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (GzVeN) explizit als nationalsozialistisches Unrecht deklariert und aufgehoben. In Ansätzen wurden daraufhin Täter*innen, die in Zwangssterilisationen, die aus dem GzVeN resultierten, involviert waren, strafrechtlich verfolgt. Trotz der Deklarierung des GzVeN als NS-Unrecht und der partiellen Strafverfolgung existierten eugenische Diskurse in der SBZ und der sich anschließenden DDR in den relevanten Institutionen wie der Ministerialbürokratie, den staatlichen Gesundheitseinrichtungen und auf Ebene der niedergelassenen Ärzt*innen sowie im medizinisch-akademischen Betrieb fort und es gab verschiedentlich die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung zur Durchführung künftiger eugenischer Sterilisationen. Doch obwohl in SBZ und DDR also weiterhin eugenische Ideen grundsätzlich als seriöses biopolitisches Konzept angesehen wurden, scheute man – ausdrücklich unter Verweis auf den nationalsozialistischen Missbrauch – davor zurück, ein Sterilisationsgesetz zu verabschieden. Jenseits der offiziellen Haltung kam es aber zu illegalen eugenischen Sterilisationen und Kastrationen.

Ziel des Promotionsvorhabens ist es zu erforschen, wie in SBZ und DDR mit der Frage der eugenischen Sterilisation umgegangen wurde. Dabei sollen sowohl die Diskurse mit ihren unterschiedlichen Akzentuierungen als auch die Praktiken, die sich eben keineswegs immer an die offizielle Linie hielten, herausgearbeitet und auch in ihren Verflechtungen und Spannungen analysiert werden sollen. Der Gegenstand ist bisher noch keiner näheren Untersuchung unterzogen worden, bietet aber eine Chance, das Weiterleben der eugenischen Ideen der Weimarer Zeit ebenso wie der des Nationalsozialismus zu verfolgen, wobei personelle und institutionelle (Dis-)Kontinuitäten von besonderem Interesse sind. Die geplante Dissertation wird also ihren Schwerpunkt in den Zeiten der SBZ und DDR haben, aber immer wieder nach den Wurzeln in den vorangehenden Epochen fragen und die Entwicklungen genau dokumentieren.

Stefan Jehne

Leibniz Centre for Contemporary History Potsdam
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

phone: 0331/74510-126
Fax: 0331/74510-143

E-Mail: jehne [at] zzf-potsdam.de

Forschung

Sterilisationspolitik und -praxis in SBZ und DDR 1945-1990. Der juristische Umgang mit der NS-Vergangenheit, die eugenischen Traditionen und die Renaissance der Sozialhygiene

Beginn des Projektes: September 2019

Asociated PhD project

In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (GzVeN) explizit als nationalsozialistisches Unrecht deklariert und aufgehoben. In Ansätzen wurden daraufhin Täter*innen, die in Zwangssterilisationen, die aus dem GzVeN resultierten, involviert waren, strafrechtlich verfolgt. Trotz der Deklarierung des GzVeN als NS-Unrecht und der partiellen Strafverfolgung existierten eugenische Diskurse in der SBZ und der sich anschließenden DDR in den relevanten Institutionen wie der Ministerialbürokratie, den staatlichen Gesundheitseinrichtungen und auf Ebene der niedergelassenen Ärzt*innen sowie im medizinisch-akademischen Betrieb fort und es gab verschiedentlich die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung zur Durchführung künftiger eugenischer Sterilisationen. Doch obwohl in SBZ und DDR also weiterhin eugenische Ideen grundsätzlich als seriöses biopolitisches Konzept angesehen wurden, scheute man – ausdrücklich unter Verweis auf den nationalsozialistischen Missbrauch – davor zurück, ein Sterilisationsgesetz zu verabschieden. Jenseits der offiziellen Haltung kam es aber zu illegalen eugenischen Sterilisationen und Kastrationen.

Ziel des Promotionsvorhabens ist es zu erforschen, wie in SBZ und DDR mit der Frage der eugenischen Sterilisation umgegangen wurde. Dabei sollen sowohl die Diskurse mit ihren unterschiedlichen Akzentuierungen als auch die Praktiken, die sich eben keineswegs immer an die offizielle Linie hielten, herausgearbeitet und auch in ihren Verflechtungen und Spannungen analysiert werden sollen. Der Gegenstand ist bisher noch keiner näheren Untersuchung unterzogen worden, bietet aber eine Chance, das Weiterleben der eugenischen Ideen der Weimarer Zeit ebenso wie der des Nationalsozialismus zu verfolgen, wobei personelle und institutionelle (Dis-)Kontinuitäten von besonderem Interesse sind. Die geplante Dissertation wird also ihren Schwerpunkt in den Zeiten der SBZ und DDR haben, aber immer wieder nach den Wurzeln in den vorangehenden Epochen fragen und die Entwicklungen genau dokumentieren.

Stefan Jehne

Leibniz Centre for Contemporary History Potsdam
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

phone: 0331/74510-126
Fax: 0331/74510-143

E-Mail: jehne [at] zzf-potsdam.de

Forschung