Montagsdebatte »Das Ende der liberalen Demokratie? Historische Perspektiven auf die Zukunft«

Plakat für die Montagsdebatte am 8. Dezember
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© Netzwerk Zeitgeschichte

Art der Veranstaltung
Diskussionsreihe
Datum
-
Ort
Berlin

 

Montagsdebatte »Gefährdung der Demokratie? Geschichte, Gegenwart, Zukunft«

Eine Veranstaltungsreihe des ›Netzwerk Zeitgeschichte‹ im Wintersemester 2025/2026


Wie stabil und wehrhaft ist unsere Demokratie, auch im historischen und internationalen Vergleich, welche Gefahren lassen sich ausmachen und wie lässt sie sich stärken? Bisherige Selbstverständnisse westlicher Demokratien ändern sich in Reaktion auf jahrzehntelang für überwunden gehaltenen Bedrohungsszenarien. Wir diskutieren, in welcher Hinsicht unsere Demokratie sowohl durch äußere Feinde als auch durch diese inneren Entwicklungen in Gefahr ist. 
Ist die bundesrepublikanische pluralistische Demokratie mit ihrem Erfahrungshintergrund von NS-Terror, des von Deutschen entfesseltem Zweiten Weltkrieg und Massenverbrechen ausreichend gefestigt? Wie ist das Bedrohungspotential rechter international verwobener Netzwerke einzuschätzen? Welche Bedeutung kommt der politischen Sozialisation in der DDR und der Bundesrepublik zu, wie der Massenarbeitslosigkeit, dem autoritären Erbe oder den Erfahrungen seit der deutsch-deutschen Vereinigung? Diese Fragen sollen im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Montagsdebatte – Gefährdete Demokratie?« an der Schnittstelle von zeithistorischer Forschung, Erinnerungskultur und Öffentlichkeit im Wintersemester 2025/2026 an der Humboldt-Universität zu Berlin diskutiert werden. 


18 Uhr | Humboldt-Universität zu Berlin | Senatssaal

08.12.25 »Das Ende der liberalen Demokratie? Historische Perspektiven auf die Zukunft«


Podium mit:
Impuls: Stefanie Middendorf
Gast: Jens Bisky
Moderation: Axel Drecoll

An diesem Abend diskutieren wir mit Jens Bisky (Schriftsteller) und Stefanie Middendorf (Historikerin, HU Berlin), ob bzw. in welcher Hinsicht das Misstrauen zunehmend breiter Teile der Bevölkerung gegenüber der parlamentarischen Demokratie und ihren Vertreter:innen, gegen demokratische Prozesse und Strukturen sowie ihre Anfälligkeit für Verschwörungstheorien das Ziehen von Analogien zu ›Weimar‹ nahelegen. Welche historischen Erfahrungen genau könnten gemeint sein und legen sie Lehren für Gegenwart und Zukunft nahe? 

Auch heute verstärken sich rassistische, homophobe und antisemitische Feindzuschreibungen sowie der Ruf nach ›Remigration‹ von als ›Nichtdeutsche‹ diffamierten Menschen. Andererseits haben wir es in der globalisierten Welt mit vollkommen anderen Rahmenbedingungen als in den 1930er Jahren zu tun. Gemeinsam diskutieren wir Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen damals und heute, welchen Demokratiebegriff wir unserem Handeln und Zusammenleben zugrunde legen, wie es sich mit dem von der politischen Rechten immer wieder geforderten ›Neutralitätsgebot‹ verhält und welche Gefahren von dessen Befolgung insbesondere für die Gedenkstättenarbeit ausgeht. 

Der Abend wird von Axel Drecoll, dem Projektleiter des Netzwerks Zeitgeschichte und dem Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, moderiert. 


 

12.01.26 »Radikalität, Terrorismus und Erlösungshoffungen in der Zeitgeschichte und Gegenwart«

Erleben wir eine zunehmende Radikalisierung, die auf religiösen und weltlichen Erlösungshoffnungen beruht? Bei der Radikalisierung von Islamisten erscheint dies offensichtlich. Jedoch auch Rechtsextremisten zeigen in zunehmendem Maße religiöse Muster, Symbole und Praktiken. Sie nutzen diese zur Anwerbung, Legitimierung und Verherrlichung von politischer Gewalt in Europa, in den USA und Russland. Solche radikale Erlösungshoffnungen treten auch zunehmend in den Führungen politischer Parteien auf: Trump wird von Evangelikalen als biblischer ›König Kyros‹ gesehen, Orban stellt sich als ›Verteidiger des Christentums‹ dar, Putin wirft sich gar als ›Katechon‹ auf und Vox-Anführer Abascal sieht sich als neuer Kreuzfahrer gegen den Islam. Wie können wir mit dieser Rückkehr radikaler Erlösungshoffnungen umgehen?

Die niederländische Zeithistorikerin Prof. Dr. Beatrice de Graaf (Universität Utrecht) ist eine der bekanntesten Expertinnen für die Geschichte der internationalen Sicherheit und Beziehungen und regelmäßiger Gast in den großen Medien. Sie zeigt in ihrem neuen Buch, wie religiöse Erlösungsnarrative persönliche und gruppengebundene Radikalisierungen und Terrorismus befördern (The Radical Redemption Model, Oxford University Press 2025). Dafür hat sie auch Gespräche mit zahlreichen Terroristen geführt. Sie leitet in das Thema ein, gefolgt von einem Gespräch mit Prof. Dr. Frank Bösch (Potsdam), der zuletzt das Buch "Deals mit Diktaturen" zum Umgang mit Autokratien veröffentlichte.

 

09.02.26 »Wirtschaftskrisen als Herausforderung der Demokratie?«

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass wirtschaftliche Krisen und Unsicherheit an den Börsen allein nicht zwingend in Diktaturen münden. Im Gegenteil, wirtschaftliche Auf- und Abwärtsbewegungen gehören zu Demokratien und stellen sich nicht notgedrungen vor existentielle Herausforderungen. Welche Voraussetzungen also müssen gegeben sein, um radikale politische Kräfte zu Nutznießern ökonomischer Krisen werden zu lassen? 

Wann entstehen Wut und Gegenwehr der Bürger und Bürgerinnen? Ab welchem Punkt werden Gefühle von Ausgrenzung und des ›Zukurzkommens‹ übermächtig und münden im Hang zu Autoritarismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie als vermeintliche Lösungen für die eigene als Misere wahrgenommene Lebenssituation? Auf welche Art verstärken antidemokratische Kräfte diese Tendenzen, befördern sie oder bringen sie gar erst hervor?

 

23.03.26 »Demokratiegefährdung in Ost- und Westdeutschland. Eine nach wie vor geteilte Geschichte?«

Immer wieder stellt sich die Frage nach dem Auseinanderdriften West- und Ostdeutschlands. Rechte Proteste und AfD-Erfolge, Verständnis für Putin und der Aufstieg des Bündnisses Sahra Wagenknecht in Ostdeutschland werfen die Frage auf, ob ›der Osten‹ langfristig ›anders bleibt‹ oder sich hier eher gesamtdeutsche Trends abzeichnen. Welche Rolle spielen dabei die bisherige Geschichtspolitik und historische Prägungen in Ost und West?

Nach einem Impuls von Marko Martin (Schriftsteller) diskutieren wir mit Julia Reuschenbach (FU Berlin) die Bedeutung der Sozialisation in der DDR und der Bundesrepublik Deutschland sowei Erfahrungen mit den gesellschaftlichen und politischen Tranformationen nach 1990. Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen mit ihrer Zersplitterung des Parteiensystems für perspektivische demokratische Weichenstellungen? Ist die Geschichtspolitik und der Umgang mit den Diktaturerfahrungen noch zeitgemäß?

Die Moderation an diesem Abend übernimmt Irmgard Zündorf (ZZF/FU Berlin). 

 


Die Veranstaltungen werden aufgezeichnet und später auf dem Portal L.I.S.A. der Gerda Henkel Stiftung abrufbar sein. 

Die 2023/24 erfolgreich gestartete ›Montagsdebatte‹ ist eine Veranstaltungsreihe des ›Netzwerks Zeitgeschichte‹, das den wechselseitigen Austausch von Gedenkstätten, Forschung und Zivilgesellschaft fördert. Das Netzwerk wird von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam getragen. Die ›Montagsdebatte‹ wird von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt.


 

Veranstaltungsort

Humboldt-Universität zu Berlin
Senatssaal
Unter den Linden 
10117 Berlin