Prof. Dr. Gabriele Metzler ist seit November 2025 Direktorin des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und Professorin für Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Gabriele Metzler wurde 1967 in Rheinfelden/Baden geboren. Sie wuchs im südbadischen Lörrach im Drei-Länder-Eck zwischen der Bundesrepublik, der Schweiz und Frankreich auf. Am altsprachlichen Hebel-Gymnasium Lörrach legte sie 1986 ihr Abitur ab.
Danach studierte sie Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Öffentliches Recht, zuerst an der Universität Tübingen, dann an der London School of Economics und an der LMU München, ehe sie 1992 ihren ersten Abschluss (Magister Artium) in Tübingen erlangte. 1994 wurde sie, ebenfalls in Tübingen, mit einer Arbeit zur internationalen Geschichte des 19. Jahrhunderts zur Dr. phil. promoviert („Großbritannien – Weltmacht in Europa. Handelspolitik im Wandel des europäischen Staatensystems 1856-1871“.) Von 1987 bis 1994 war Gabriele Metzler Stipendiatin bzw. Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes, der sie viel verdankt und für die sie, spätestens seit ihrer Berufung auf eine Professur an die Humboldt-Universität zu Berlin, in vielfältigen Funktionen tätig ist, u.a. als (2015-2025 federführende) Vertrauensdozentin an der HU Berlin.
Gefördert von der Fritz-Thyssen-Stiftung, forschte sie 1994/95 ein Jahr lang als Postdoc an der University of California in Berkeley zu internationalen Wissenschaftsbeziehungen („Internationale Wissenschaft und nationale Kultur. Deutsche Physiker in der internationalen Community 1900-1960“). Es folgten fünf Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Zeitgeschichte in Tübingen. Danach war sie als Schloeßmann-Stipendiatin der Max-Planck-Gesellschaft 2000-2001 am MPI für Gesellschaftsforschung Köln und 2001-2002 am MPI für europäische Rechtsgeschichte Frankfurt/Main tätig.
2002 habilitierte sich Gabriele Metzler an der Universität Tübingen mit einer Studie zur westdeutschen Planungsgeschichte („Konzeptionen politischen Handelns von Adenauer bis Brandt. Politische Planung in der pluralistischen Gesellschaft“). Von 2002-2007 leitete sie in Tübingen die wissenschaftliche Nachwuchsgruppe der VolkswagenStiftung „Regieren im 20. Jahrhundert“. In dieser Zeit veröffentlichte sie zudem u.a. eine Überblicksdarstellung zur Geschichte des Sozialstaats („Der deutsche Sozialstaat. Vom bismarckschen Erfolgsmodell zum Pflegefall“) und eine „Einführung in das Studium der Zeitgeschichte“.
2007 folgte Gabriele Metzler dem Ruf auf die Professur für die Geschichte Westeuropas und der transatlantischen Beziehungen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten sie seitdem nach Bologna, Berkeley und, im akademischen Jahr 2022/23, als Richard von Weizsäcker-Professorin, ans St Antony’s College Oxford. An der HU war sie in mehreren größeren Forschungsverbünden tätig, u.a. als PI und Vorstandsmitglied im SFB 640 „Repräsentationen sozialer Ordnung im Wandel“ (2008-12) und als Trägerin des Graduiertenkollegs „Verfassung jenseits des Staates“ (2008-16). Von 2012 bis 2017 war sie Co-Sprecherin (mit Prof. Dr. Michael Werner, Paris) des deutsch-französischen Verbundprojekts „Saisir l’Europe – Europa als Herausforderung“, das von den Wissenschaftsministerien in Berlin und Paris gefördert wurde. Sie war von 2011 bis 2020 zudem Direktorin des An-Instituts Centre Marc Bloch an der Humboldt-Universität.
Ihre aktuellen Schwerpunkte in der Forschung liegen in der Geschichte des Wandels von Staatlichkeit (daraus ist, mit substanzieller Unterstützung des SFB 597 „Staatlichkeit im Wandel“ an der Universität Bremen, die Monografie erwachsen „Der Staat der Historiker. Staatsvorstellungen deutscher Zeithistoriker seit 1945“). Ganz aktuell forscht Gabriele Metzler zu den Wirkungen der Dekolonisierung in den überseeischen Imperien auf die westeuropäischen Gesellschaften selbst. Dazu hat sie einen Überblick in einem Themenheft der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht (Kolonialismus und Dekolonisierung, IfpB H. 338) sowie einige Aufsätze.
Darüber hinaus ist Gabriele Metzler in der Rechtsgeschichte aktiv. Eine ganze Reihe von Lehrveranstaltungen an der HU Berlin sowie einige Publikationen bezeugen ihr Interesse an vielfältigen Rechtsgebieten, vom Strafrecht über das Staatsrecht bis zum Zivilrecht, Kolonialrecht und der Rechtsethnologie. 2025 wurde Gabriele Metzler in die ‚Vereinigung für Verfassungsgeschichte‘ kooptiert, ebenso in den ‚Arbeitskreis Zeitgeschichte und Rechtswissenschaft‘ an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.
Gabriele Metzler verfügt über langjährige Erfahrungen in der akademischen Selbstverwaltung. So war sie von 2012-2025 Mitglied des Akademischen Senats und des Konzils der HU und Dekanin der Philosophischen Fakultät der HU (2016-2022; davor Prodekanin für Forschung 2010-2016).
2015 wurde Gabriele Metzler mit der Caroline von Humboldt-Professur der HU ausgezeichnet (gefördert aus Mitteln der Exzellenzinitiative).
Ehrenamtliche Mitgliedschaft in wissenschaftlichen Gremien:
- Mitglied im Wissenschaftsrat (seit 2024)
- Mitglied im Ausschuss des Verbands der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (seit 2021)
- Mitglied im Fachkollegium Geschichtswissenschaften der DFG (seit 2020)
- Mitglied in der Auswahlkommission für das Feodor-Lynen-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung (seit 2019), Vorsitzende (seit 2024)
- Mitglied im Beirat des Forschungsprojekts „Das Reichsversicherungsamt in der Zeit des Nationalsozialismus“ (seit 2025)
- Mitglied im Beirat des Projekts „Biographische Studien zu Leopoldina-Mitgliedern im Nationalsozialismus“ (seit 2021)
- Mitglied des Senats der Leibniz-Gemeinschaft und des Senatsausschusses für Evaluierung (2018-2025)
- Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Historischen Instituts Paris
- Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Fördernetzwerks „Sozialpolitikforschung“ beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2018-2022)
- Mitglied im Projektbeirat „Das Bundespräsidialamt und der Nationalsozialismus“ (2020-2024)
- Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für politische Bildung (2014-2018) (Mitglied 2010-2018, stellv. Vorsitzende 2012-2014)
- Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Reichspräsident Friedrich Ebert-Gedenkstätte, Heidelberg (2010-2020)
- Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Bundespräsident Theodor-Heuß-Haus, Stuttgart (2012-2020)
- Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien (2014-2017)
- Mitglied der Auswahlkommission der VolkswagenStiftung für Harvard u.a. USA-Fellowships (2010-2015)
- Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (2010-2012)
- Mitglied in der Auswahlkommission für den Freiherr-vom-Stein-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung (2007-2012)
- Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen (2010-2016)
- Mitglied der Auswahlkommission für den Thüringer Forschungspreis (2010-2014)