Abgeschlossenes Kooperationsprojekt
Das Projekt SPUR wurde in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Popgeschichte des Leibniz-Zentrums für Zeitgeschichtliche Forschung Potsdam (ZZF) konzipiert. Während der Projektlaufzeit standen vom ZZF die Historiker und Pop-Experten Nikolai Okunew, Tom Koltermann und Florian Völker für technische Belange und wissenschaftliche Einschätzungen beratend zur Seite. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat das Projekt am Archiv der Jugendkulturen gefördert.
Das Archiv der Jugendkulturen (AdJ) in Berlin sammelt seit über 25 Jahren Materialien aus und über jugendliche Pop- und Subkulturen. Besonders umfangreich ist sein Fanzine-Bestand mit über 20.000 Einzelheften, die in den unterschiedlichsten Szenen weltweit von den 1950er Jahren bis heute veröffentlicht wurden.
Fanzines aus der DDR fanden sich in dieser einzigartigen Sammlung bisher jedoch kaum. Das liegt daran, dass in autoritären Regimen wie dem SED-Staat non-konforme Pop- und Subkulturen staatlicher Repression und Verfolgung ausgesetzt waren und szeneeigene Ausdrucksformen massiv unterdrückt und zensiert wurden. Bis zum Herbst 1989 war es für Mitglieder solcher Szenen kaum möglich, eigene Fanzines zu veröffentlichen.
Sie hatten lediglich die Chance, in Fanzines außerhalb der DDR eigene Artikel zu platzieren. Selten fanden Fanzines mit solchen Beiträgen wieder zurück in die DDR. In den allermeisten Fällen wurden sie von der Stasi abgefangen. Nichtsdestotrotz nutzten Mitglieder sog. ‚negativ-dekadenter‘ Szenen immer wieder Fanzines aus dem Westen als Sprachrohr – allen voran Punks aus der DDR, von denen zahlreiche Artikel in Fanzines aus der Sammlung des AdJ zu finden sind.
Bisher wurde nur ein Bruchteil solcher ›Spuren‹ pop- und subkultureller Szenen aus der DDR in der archiveigenen Sammlung entdeckt. Das Projekt SPUR hat hier Abhilfe geschaffen. Dazu wurden einzelne Fanzine-Bestände von den 1950er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre aus den Bereichen Beat, Rock’n’Roll, Punk, Heavy Metal, Gothic/Dark Wave, (Indie-)Rock, Skinheads, Science-Fiction und Fußball einer systematischen Recherche unterzogen. Die aufgefundenen ‚Spuren‘ wurden in einer Bibliografie zusammengestellt, als PDF/A-Dokumente digitalisiert und an einem digitalen Arbeitsplatz im AdJ für die Forschung zugänglich gemacht.
In einem zweiten Schritt wurde aus den gefundenen ›Spuren‹ pop- und subkultureller Szenen aus der DDR eine Quellenedition gemeinsam erarbeitet. Diese wurde seit Sommer 2024 von Florian Völker bearbeitet und ist im Juli 2026 online via »zdbooks« erschienen. Die Printausgabe kann über das Archiv der Jugendkulturen bezogen werden.
Mehr zum Projekt SPUR erfahren Sie auf der Website des Archivs der Jugendkulturen
Das Projekt wurde mit der Veröffentlichung der Quellenedition »SPUR II« abgeschlossen. Diese ist im Juli 2026 online via »zdbooks« erschienen. Die Printausgabe kann über das Archiv der Jugendkulturen bezogen werden.