SPUR. Projekt zur Erfassung sub- und popkultureller Beiträge aus der DDR in der Fanzine-Sammlung des Archiv der Jugendkulturen Berlin

Bildinfo

Kooperationsprojekt
Beginn des Projektes
November 2023

Das Projekt SPUR wurde in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Popgeschichte des Leibniz-Zentrums für Zeitgeschichtliche Forschung Potsdam (ZZF) konzipiert. Während der Projektlaufzeit stehen vom ZZF die Historiker und Pop-Experten Nikolai Okunew, Tom Koltermann und Florian Völker für technische Belange und wissenschaftliche Einschätzungen beratend zur Seite. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur fördert das Projekt am Archiv der Jugendkulturen.

Das Archiv der Jugendkulturen (AdJ) in Berlin sammelt seit über 25 Jahren Materialien aus und über jugendliche Pop- und Subkulturen. Besonders umfangreich ist sein Fanzine-Bestand mit über 20.000 Einzelheften, die in den unterschiedlichsten Szenen weltweit von den 1950er Jahren bis heute veröffentlicht wurden.

Fanzines aus der DDR finden sich in dieser einzigartigen Sammlung jedoch kaum. Das liegt daran, dass in autoritären Regimen wie dem SED-Staat non-konforme Pop- und Subkulturen staatlicher Repression und Verfolgung ausgesetzt waren und szeneeigene Ausdrucksformen massiv unterdrückt und zensiert wurden. Bis zum Herbst 1989 war es für Mitglieder solcher Szenen kaum möglich, eigene Fanzines zu veröffentlichen.

Sie hatten lediglich die Chance, in Fanzines außerhalb der DDR eigene Artikel zu platzieren. Selten fanden Fanzines mit solchen Beiträgen wieder zurück in die DDR. In den allermeisten Fällen wurden sie von der Stasi abgefangen. Nichtsdestotrotz nutzten Mitglieder sog. ‚negativ-dekadenter‘ Szenen immer wieder Fanzines aus dem Westen als Sprachrohr – allen voran Punks aus der DDR, von denen zahlreiche Artikel in Fanzines aus der Sammlung des AdJ zu finden sind.

Bisher wurde nur ein Bruchteil solcher ‚Spuren‘ pop- und subkultureller Szenen aus der DDR in der archiveigenen Sammlung entdeckt. Das Projekt SPUR will hier Abhilfe schaffen. Dazu werden einzelne Fanzine-Bestände von den 1950er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre aus den Bereichen Beat, Rock’n’Roll, Punk, Heavy Metal, Gothic/Dark Wave, (Indie-)Rock, Skinheads, Science-Fiction und Fußball einer systematischen Recherche unterzogen. Die aufgefundenen ‚Spuren‘ werden in einer Bibliografie zusammengestellt, als PDF/A-Dokumente digitalisiert und an einem digitalen Arbeitsplatz im AdJ für die Forschung zugänglich gemacht.

In einem zweiten Schritt wird aus den gefundenen ‚Spuren‘ pop- und subkultureller Szenen aus der DDR eine Quellenedition gemeinsam erarbeitet.

Mehr zum Projekt SPUR erfahren Sie auf der Website des Archivs der Jugendkulturen