Abgeschlossenes Dissertationsprojekt
im Graduiertenkolleg "Wandel der Arbeitswelt"
Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung
Die sozialistische Arbeitsgesellschaft erodierte im Übergang vom »Plan« zum »Markt« binnen kurzer Zeit. Das Projekt baute auf der Prämisse auf, dass der wirtschaftliche Umbruch nicht allein das Ende der arbeiterlichen Gesellschaft markierte. Zeitgleich zum Arbeitskräfteabbau und dem Verlust sozialer Versorgungsnetze formte die Vermarktlichung eine neue Arbeitswelt, die dem Prinzip des Marktes folgte. Die Dynamik erfasste früh und in rasantem Tempo den Handel, der die Konsumbedürfnisse der Bevölkerung nicht hatte decken können. Westdeutsche Unternehmen, die teils ehemalige Geschäfte der HO übernahmen, teils neue Märkte errichteten, dominierten rasch den Einzelhandel in Ostdeutschland. Die Konsumgenossenschaften, die als Genossenschaften kein Teil des Volkseigentums waren, traten als rechtlich eigenständige Unternehmen in die neue wirtschaftliche Ordnung ein.
Die Studie fragte danach, wie die Marktlogik die Arbeit der Verkäufer*innen im konsumgenossenschaftlichen Handel, kurz »Konsum«, veränderte und welche sozialen Folgen sich daraus ergaben. Dazu folgte das Projekt dem arbeitsweltlichen Wandel der Verkaufskräfte auf der Meso- und Mikroebene, mit besonderem Fokus auf den Konsumgenossenschaften Chemnitz und Leipzig. Die Situation der Verkäufer*innen im »Konsum« am Ende der DDR bildete den Ausgangspunkt für die Betrachtung der Vermarktlichungsprozesse nach 1989/90, die sich bis zur Mitte der 1990er-Jahre erstreckten.
Das Projekt argumentierte dafür, dass sich das neue ökonomische Kalkül weniger abrupt und umfassend als vielmehr graduell in die Arbeitswelt einschrieb. Die Konsumgenossenschaften verbanden neue kapitalistische und alte sozialistische Verwertungspraktiken, die beide auf eine höhere Arbeitsproduktivität abzielten. Zusätzlich zu neuen transformationsbedingten Disparitäten währten ungleiche Soziallagen fort, welche die Arbeitsbedingungen im »Konsum« schon vor 1989/90 geprägt hatten. Das neue Arbeitsregime erklärt sich angesichts der langen Linien sozialer Ungleichheitsverhältnisse nicht allein über die Disparitäten, sondern wesentlich über die bis dahin unbekannte soziale Unsicherheit, welche die Marktlogik nach sich zog. Die Vermarktlichung brachte für die Verkäufer*innen nicht nur soziale Verwerfungen, sondern auch Entlastungen bei der Arbeit mit sich.