Forschungsprojekt
Das Projekt untersucht die Bemühungen von Überlebenden der NS-Verfolgung nach 1945, ihnen entzogene Kunstgegenstände zurückzuerlangen, sowie die Praxis der Rückerstattung unter der westdeutschen Wiedergutmachungsgesetzgebung. Indem die Analyse auf ein Querschnittssample gestützt wird, beleuchtet sie einen Ausschnitt der Kunstrestitution, der unterhalb der Schwelle herausgehobener und museumswürdiger Kunstobjekte angesiedelt ist, damit aber den weitaus größten Teil der Fälle repräsentiert. Die meisten dieser Verfahren endeten nicht mit einer tatsächlichen Rückerstattung der betreffenden Werke, sondern allenfalls mit einer finanziellen Ausgleichszahlung. Mit diesem Fokus auf die Realität dieser ‚gewöhnlichen‘ Kunstrestitution bzw. Nicht-Restitution und ihrer Akteure leistet das Projekt nicht zuletzt einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion um NS-Raubkunst und die Rückgabe entzogener Kulturgüter, indem es ihren historischen Hintergrund auf neue Weise ausleuchtet. Methodisch verknüpft das Projekt dabei die Geschichte der Wiedergutmachung für NS-Unrecht mit der Geschichte der Materialitäten, der Rechtsgeschichte und der Zeitgeschichte der Kunst nach 1945.