„Weißt du, dass da Krieg ist?“ Nordirland und die Bundesrepublik Deutschland: Eine transnationale Konfliktgeschichte 1968-1998

Bildinfo

Hausbesetzer*innendemo vor dem Bobby Sands-Haus in West-Berlin, benannt nach dem irischen Hungerstreiker, IRA-Mitglied und Angehörigen des britischen Parlaments.
Foto: Michael Kipp/Umbruch Bildarchiv

Beginn des Projektes
September 2019
Ende des Projektes
Juli 2026

Abgeschlossenes Dissertationsprojekt

Der Nordirlandkonflikt ab Ende der 1960er Jahre entwickelte sich bald von einem lokal ausgetragenen Machtkampf um die staatliche Verfasstheit der Region zu einem modernen, bürgerkriegsähnlichen Konflikt im Westen Europas. Die Troubles ließen Nordirland gleichzeitig zu einem Zentrum transnationalen zivilgesellschaftlichen Engagements werden: Während staatliche Regierungen den Nordirlandkonflikt überwiegend als „innere Angelegenheit“ Großbritanniens behandelten, reisten zahlreiche Aktivist*innen auch aus der bundesdeutschen Neuen Linken, der Friedensbewegung oder aus christlichen Gruppierungen regelmäßig in das „Kriegsgebiet vor der Haustür“, um über die dortigen Ereignisse zu berichten, politische Netzwerke zu knüpfen, sich als Jahresfreiwillige zu engagieren oder als Unterstützer*innen von Konfliktparteien aufzutreten. Gleichzeitig tourten regelmäßig verschiedenste Delegationen aus Nordirland durch die BRD und warben um politische Unterstützung. 

Ausgehend von diesen Beobachtungen fragte das Dissertationsprojekt: Welche transnationalen Netzwerke stellten zivilgesellschaftliche Gruppierungen aus Nordirland und der BRD her und wie veränderten sich diese im Verlaufe des Nordirlandkonflikts? Und welche Deutungen von Gewalt oder Gewaltlosigkeit lagen diesem Engagement jeweils zugrunde?

Die Bundesrepublik Deutschland, so eine Ausgangsüberlegung, stellt einen relevanten Referenzpunkt für eine transnationale Geschichte der Troubles und gesellschaftlichen Engagements in einem bewaffneten Konflikt dar: Die Britische Rheinarmee, die nach 1945 in der BRD stationiert war, bildete eines der hauptsächlichen Truppenkontingente für den britischen Militäreinsatz im Nordirlandkonflikt und wurde bald zum Kritikpunkt der westdeutschen, anti-imperialistischen Neuen Linken. Die britischen Militäreinrichtungen ließen die BRD eines der wenigen Anschlagsziele irisch-republikanischer Paramilitärs und ihrer Unterstützer*innen auf dem europäischen Festland werden. Gleichzeitig resonierte die nordirische Friedensbewegung in der BRD mit ihrem gesellschaftlichen Selbstbild als einer von Krieg und Teilung geläuterten Gesellschaft besonders stark, und westdeutsche Frauenverbände verhalfen nordirischen Aktivist*innen letztlich zum – umstrittenen – Friedensnobelpreis. Dieses Spannungsfeld der teils konträren Motivationen, Praktiken und Gewaltdeutungen transnational agierender, zivilgesellschaftlicher Aktivist*innen zwischen Nordirland und der BRD stellte ich in seinem historischen Verlauf in den Mittelpunkt meines Projektes. Meine Arbeit hinterfragte damit auch das Narrativ der überwiegend friedlichen Nachgeschichte des Zweiten Weltkriegs in Europa und bietet neue Perspektiven auf die internationale Bewegungsgeschichte der 1960er bis frühen 1990er Jahre.

Hinweise zum Projektabschluss

Juliane Röleke wurde am 13. Juli 2026 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit der Note magna cum laude promoviert. Mehr erfahren im Newsbeitrag auf der ZZF Website.

Juliane Röleke

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Email: roeleke [at] zzf-potsdam.de


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