Dissertationsprojekt
In meinem Projekt schreibe ich eine Wissenschafts-, Technik- und Kulturgeschichte der verkörperten Intelligenz. Anhand von drei Fallstudien verfolge ich die Forschungsfrage, wie psychologische Handlungstestpraktiken zwischen 1920 und den 1960er Jahren in deutschsprachigen Gebieten als Kulturtechnik eingesetzt wurden, um verkörperte Intelligenz zu erfassen. Im Mittelpunkt der Fallstudien steht jeweils ein Objekt, mit dem Tests durchgeführt wurden. Das Ziel dieser Arbeit ist zu zeigen, dass mit der Kulturtechnik des Testens nicht nur unter Aushandlung verschiedener Objektivitätsvorstellungen verkörperte Intelligenz als eine ökonomisch wertvolle Ressource konstruiert wurde. Es wurde damit auch das technikanthropologische Problem diskutiert, in welchem Verhältnis der Mensch mit seiner körperlich-kognitiven Leistungsfähigkeit zu seiner technischen Umgebung, kurz gesagt zur ‚Maschine‘ steht. Dabei zeige ich eine Entwicklungslinie auf, bei der verschiedene epistemische Paradigmen deutlich werden, unter denen verkörperte Intelligenz in der Weimarer Republik, dem NS-Regime und der frühen Bundesrepublik beforscht wurde. Damit leiste ich einen Beitrag zu der Frage, wie im 20. Jahrhundert sowohl die sozio-technische Entwicklung der Gesellschaft als auch wissenschaftliche Testpraktiken beispielhaft Vorstellungen über körperlich-kognitive Leistungsfähigkeit prägten.