„Are you ready?” Preparedness als Zugriff auf die Zukunft seit den 1990er Jahren

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Beginn des Projektes
Februar 2025

Forschungsprojekt 

„Are you ready?” Preparedness als Zugriff auf die Zukunft seit den 1990er Jahren „Niemandem entgeht, daß Katastrophen zu einer Menschheitsgeißel geworden sind“, so die Soziologen Wolf R. Dombrowsky und Christian Brauner 1995 in einem Gutachten zur Katastrophenvorsorge in Industriegesellschaften. Im Vorwort zum Gutachten betonte der ehemalige Entwicklungshilfeminister Hans-Jürgen Wischnewski und jetzige Vorsitzende des deutschen Komitees der International Decade vor Natural Disaster Reduction der UN die gestiegene Verletzlichkeit moderner Industriegesellschaften hervor: „Die Katastrophenvorsorge hält hier mit den wachsenden Bedrohungen nicht Schritt.“ Verhindern ließen sich die Katastrophen nicht mehr, Prävention sei deshalb nicht mehr möglich. Was bliebe, sei, dass man sich für die eintretenden Großschadenslagen „wappnen“ könne. 

Was Bericht und Vorwort artikulierten, war ein fundamentaler Wandel der Sicherheitskultur seit den 1990er Jahren, dem das Projekt zeithistorisch nachspürt. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie es dazu kam, dass das moderne Versprechen, Zukunft planen zu können und Gefahren präventiv verhindern zu können, von einem sicherheitspolitischen Denken und Handeln abgelöst wurde, das davon ausging, dass man sich auf die (unweigerlich) eintretenden Katastrophen nur vorbereiten, sie aber nicht verhindern könne. 

Dafür untersucht es neben der Popularisierung der Konzentration auf den Schutz kritischer Infrastrukturen unterschiedlichen Agenturen, die im Untersuchungszeitraum mit dem Ziel gegründet wurden, Gesellschaften auf die anstehenden Katastrophen vorzubereiten (z.B. das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe), deren Wahrscheinlichkeiten sich zwar nicht berechnen, deren Folgen sich aber imaginativ (z.B. in Planspielen und Übungen) narrativieren ließen. In einem dritten Schritt geht es um das Verhältnis von Staat und seinen Bürger*innen unter dem Leitstern der Preparedness. Was folgte aus dieser Neujustierung im staatlichen Schutzversprechen für das Verhältnis von Individuum und Staat? Welche Aufgaben erwuchsen dem Einzelnen und den Familien daraus? Wo verlief die Grenze zwischen rationaler Vorbereitung auf der einen und sozio-pathologischem Preppen auf der anderen Seite? Damit geht es auch darum, zu fragen, ob sich der Preparedness-Begriff dazu eignet, als Epochenbegriff für die unmittelbare Zeitgeschichte seit den 1990er Jahren zu fungieren.

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Jonathan Voges

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam




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