Die Nachkriegsgeschichte des Bundesministeriums des Innern (BMI) und des Ministeriums des Innern der DDR (MdI)

In der alten Bundesrepublik und der DDR waren die Innenministerien für Schlüsselbereiche von Politik und Verwaltung zuständig. Das Forschungsprojekt untersucht das Bundesministerium des Innern (BMI) und das Ministerium des Innern der DDR (MdI) erstmals systematisch. Es fragt vor allem, inwieweit sich gegenüber der Zeit des Nationalsozialismus personelle und politische Kontinuitäten oder Wandlungsprozesse ausmachen lassen. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Aufarbeitungsprojekten vertritt es einen vergleichenden Ansatz. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich auf die Nachkriegszeit zwischen 1949 und 1970.

Das Projekt wurde im Dezember 2014 von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière ins Leben gerufen. Es wird vom Institut für Zeitgeschichte München – Berlin und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam unter Leitung der beiden Direktoren Prof. Dr. Andreas Wirsching und Prof. Dr. Frank Bösch durchgeführt. Die Forschungsgruppe besteht neben den Projektleitern aus sechs Postdoktoranden und zwei Doktoranden. Eine Steuerungsgruppe, die sich aus Wissenschaftlern beider Institute zusammensetzt, berät und begleitet das Projekt.

Im Oktober 2015 wurden die ersten Ergebnisse in einer Vorstudie veröffentlicht. Im Mittelpunkt standen Fragen nach Kontinuitäten und Brüchen in beiden Ministerien gegenüber der Zeit vor 1945. Insbesondere wurde in der Vorstudie nach einer möglichen NS-Belastung des Personals gefragt und welche Folgen sich daraus für den politischen Neubeginn ab 1949 ergaben. Dafür wurden über 1100 Biographien von leitenden Mitarbeitern ab Ebene der Referatsleiter aufwärts untersucht.

Die Ergebnisse wurden im November 2015 auf der Fachtagung „NS-Belastung und politischer Neuanfang“ der Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert. Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière kündigte hier den Beginn der Hauptstudie an und berief einen wissenschaftlichen Beirat ein, der dem Projekt mit seiner fachlichen Expertise zur Seite steht. Die Hauptstudie wird sich dabei stärker dem politischen Handeln der leitenden Mitarbeiter widmen. Im Juni 2018 soll das Projekt mit der Veröffentlichung der Hauptstudie abgeschlossen werden.

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Forschung

Projekte

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Umarmungstaktik
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Innere Sicherheit in Deutschland
Der lange Weg zur „streitbaren Demokratie“

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