Eszter Kiss verteidigt Dissertation zur Bildpolitik und Bildkontrolle in Ungarn zwischen 1963 und 1989 mit "summa cum laude"

09.02.2018

Eszter Kiss hat am 5. Februar 2018 ihre Dissertation „Verhandelte Bilder. Bildpolitik und Bildkontrolle in Ungarn zwischen 1963 und 1989“ an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Gesamtergebnis „summa cum laude“ verteidigt. Die Studie entstand im Rahmen des Verbundprojekts „Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses“, einer Kooperation des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam mit dem Herder-Institut (Marburg), dem Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung (Braunschweig), sowie dem Deutschen Museum (München).

Der Frage der staatssozialistischen Bildsteuerung – jenseits von „Stalins Retuschen“ – wurde bislang keine systematische Studie gewidmet. Um die Besonderheiten des sozialistischen Umgangs mit dem Medium Fotografie adäquat darstellen zu können, wählt „Verhandelte Bilder“ einen analytischen Ansatz. Dieser bewegt sich auf verschiedenen Ebenen und konzentriert sich nicht nur auf die Fotografien selbst, sondern berücksichtigt relevante Institutionen, die vielfältigen Akteure der Kontrolle sowie ihre Handlungspraktiken. Im Fokus stehen die Bildproduktion und Zirkulation in der Volksrepublik Ungarn seit Mitte der 1960er-Jahre unter Parteichef János Kádár. Doch die Ergebnisse weisen über die zeitlichen wie geografischen Grenzen der VR Ungarn weit hinaus. Die innovative Untersuchung stellt die gängigen Annahmen rund um das normative Konzept der „Zensur“ grundsätzlich in Frage. Sie versteht Bildsteuerung als ein komplexes Kommunikationsnetzwerk, in dem Grenzen und Verbote stets neu verhandelt werden; als ein System, das keine strikte Trennung zwischen Steuernden und Gesteuerten erlaubt; und als einen Prozess, der neben der strikten Regulation auch generative Kräfte entfalten kann.

Bilder haben multiple Bedeutungen. Anders als Texte – die entlang einer argumentativen Struktur aufgebaut sind – folgen sie einer assoziativen Logik. Die Studie von Eszter Kiss zeigt, wie sich die sozialistische Bildpolitik an dieser wesentlichen Eigenart abarbeitete. Das Kádár-Regime bemühte sich aus den ideologischen Richtlinien des Marxismus-Leninismus einen Rahmen abzustecken, es versuchte sich immer wieder an der Vereindeutigung von Bildinhalten – doch letztlich scheiterte die autoritäre Lenkung der Bilder an der Komplexität des Visuellen.

Eszter Kiss‘ Dissertation wurde von Priv.-Doz. Dr. Annette Vowinckel (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam/Humboldt-Universität zu Berlin) und Prof. Dr. Gerhard Paul (Europa-Universität Flensburg) betreut. Das Drittgutachten erstellte Prof. Dr. Michael Wildt (Humboldt-Universität zu Berlin). Gefördert wurde die Studie durch ein Abschlussstipendium des ZZF Potsdam. Eszter Kiss war von 2012 bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Verbundprojekt „Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses“. Als Doktorandin der Abteilung III des ZZF Potsdam beteiligte sie sich an der Entwicklung des Online-Nachschlagewerks „visual-history.de“.

Seit Dezember 2017 forscht Kiss als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung III des ZZF Potsdam „Zeitgeschichte der Medien- und Informationsgesellschaft“. In einem Kooperationsprojekt mit dem Institut für Zeitgeschichte (München) untersucht sie die Geschichte des Bundeskanzleramts.

Zu ihrem Dissertations-Thema hat Eszter Kiss folgenden Aufsatz veröffentlicht:
Vorbilder, Spiegelbilder und Feindbilder. Der Umgang mit Fotografien im ungarischen Magazin »Képes 7« Mitte der 1980er-Jahre, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 12 (2015), S. 289-313, URL: http://www.zeithistorische-forschungen.de/2-2015/id=5228

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