Beschäftigung nach der „Gastarbeit“

Türkische Arbeitswelten in West-Berlin seit den 1970er Jahren

Dissertationsprojekt
Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung

Die Beendigung der Anwerbeabkommen für „Gastarbeiterinnen“ und „Gastarbeiter“ durch die bundesdeutsche Regierung im Jahr 1973 war eine politische Reaktion auf die wirtschaftliche Rezession und sollte zur Entspannung des Arbeitsmarktes beitragen. Tatsächlich aber ließen sich viele „Gastarbeiter“ dauerhaft in Westdeutschland nieder. Vor allem Menschen aus der Türkei bereichern bis heute das Bild deutscher Großstädte. Das Promotionsprojekt untersucht die vielfältigen beruflichen Tätigkeitsentwicklungen von einfachen Anstellungen im Zuge der „Gastarbeit“ hin zu einer Pluralisierung migrantischer Arbeitswelten nach 1973. Dabei soll das gängige Narrativ der Entwicklung zum Selbstständigen kritisch überprüft und historisch kontextualisiert werden. Jedoch sollen auch Kontinuitätslinien der ungelernten Arbeit im Großbetrieb über 1973 hinaus sowie der Übergang in abhängige Beschäftigungen anderer Tätigkeitsbereiche, etwa des öffentlichen Dienstes, nachgezeichnet werden. Außerdem fragt das Projekt nach neu geschaffenen (öffentlichen) Räumen, die durch die Transformation der Arbeitswelt entstanden und auch die Lebenswelten der Migrantinnen und Migranten veränderten und prägten. Die regional begrenzte Betrachtung West-Berlins soll dazu beitragen, Netzwerke und Strukturen in der sich verändernden Arbeitswelt der Arbeitsmigrantinnen und -migranten aufzuzeigen. Im Fokus stehen dabei Fragen nach der sozialen Ungleichheit im Sinne finanzieller, genderspezifischer sowie rassistisch-diskriminierender Gesichtspunkte. Die Arbeit soll neue Perspektiven bei der Historisierung der „Gastarbeit“ eröffnen, die sich bisher vor allem mit den bundespolitischen Entscheidungen zwischen 1955 und 1973 auseinandergesetzt hat, die weiteren Entwicklungen jedoch fast gänzlich außer Acht ließ.

Teilprojekt im Rahmen des Promotionskollegs „Soziale Folgen des Wandels der Arbeitswelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Stefan Zeppenfeld

Zentrum für Zeithistorische Forschung
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