Leistungsfähigkeit und Belastungsgrenzen: 
(digitales) Produktdesign und sich wandelnde Arbeitsanforderungen in der Hightech-Industrie seit den 1970er-Jahren

In den 1970er-Jahren nahmen zeitgenössische Beobachterinnen und Beobachter einen grundsätzlichen Wandel der Arbeitsanforderungen wahr: Nicht mehr die Industriearbeit, sondern „Wissen“ determiniere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, lautete eine damalige Deutung. Damit kam es zu einer Aufwertung von geistiger Arbeit. Körperliches Arbeiten – in Form von sich wandelnden motorischen Anforderungen, die zudem stets mit den kognitiven Fähigkeiten verknüpft sind – prägte gleichwohl weiterhin den Arbeitsalltag in Industrie- und Angestelltenberufen.
Ausgehend von diesem Zusammenhang diskutiert das Projekt, wie sich in der Bundesrepublik seit den 1970er Jahren die Arbeitsanforderungen beim Design von Produkten in den Hightech-Industrien der Automobilfertigung, der Pharmazie sowie der Informations- und Kommunikationstechnik verschoben und welche Folgen dies für die Leistungsfähigkeit, aber auch die Belastungsgrenzen der Beschäftigten hatte. Dabei geht es einerseits um die Wahrnehmung und Bewertung des Wandels durch Experten. Zunächst wird daher untersucht, wie Wissenschaftler und Industrievertreter die Veränderungen bei der Entwicklung und des Designs von Produkten – gerade im Hinblick auf die einsetzende Digitalisierung – beschrieben und konzipierten. Zudem wird gefragt, mit welchen Methoden beide Akteursgruppen die Leistungsfähigkeit bei körperlicher und geistiger Arbeit maßen und bewerteten. In welchen Bereichen sahen sie Rationalisierungspotenziale, aber auch Belastungsgrenzen? Zweitens soll das Projekt diesen Zugriff mit der Sozialgeschichte von arbeitenden Menschen verknüpfen, indem die Veränderungen in der Arbeitswelt in den Blick genommen werden: Welche Maßnahmen zur Regulierung und Steuerung der arbeitenden Subjekte wurden auf dieser Basis in Betrieben implementiert? Wie sollten so Belastungsgrenzen überwunden und die Leistungsmöglichkeiten gesteigert werden? Darauf aufbauend wird analysiert, wie sich die Debatten und Maßnahmen auf das Verhalten der betroffenen Arbeiter und Angestellten auswirkten und öffentlich verhandelt wurden. 
Um die Spezifika der Entwicklungen in Deutschland erfassen zu können, soll die Arbeit als asymmetrischer Vergleich angelegt werden, der immer wieder Bezug nimmt auf DDR sowie die USA und Frankreich. Dadurch lassen sich einerseits die Entwicklungen in einer kapitalistisch orientierten Marktwirtschaft mit einer sozialistischen Planwirtschaft bzw. den nach 1990 ablaufenden Transformationsprozessen kontrastieren. Andererseits ist es so möglich, die deutschen Veränderungen mit den Entwicklungen in US-amerikanischen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen bzw. der stärker agrarisch orientierten Wirtschaft Frankreichs zu vergleichen. 
Der inhaltliche Fokus des Projekts liegt auf drei unterschiedlichen Unternehmensbereichen und Berufsgruppen: 1) den Ingenieuren, Wissenschaftlern und IT-Experten in Forschung und Entwicklung; 2) den Angestellten im Marketing und Controlling; 3) den Arbeitern in ausgewählten Zweigen der Fertigung. Die empirischen Fallstudien des Projekts nehmen das Produktdesign und die Produktion von Artefakten in der Automobilindustrie, der pharmazeutischen Industrie sowie der Telekommunikationsbranche in den Blick und berücksichtigten insbesondere die Folgen der in den 1970er Jahren einsetzenden und sich ab den 1990er Jahren verstärkenden Digitalisierung und Computerisierung sowie der Vernetzung, die schließlich mit den Topoi „Internet der Dinge“ oder „Industrie 4.0“ beschrieben wurden. In den drei Industriezweigen waren Produktdesign, industrielle Fertigung, produktbegleitende Dienstleistungen sowie Forschung und Entwicklung miteinander verwoben und bildeten das Rückgrat für die wirtschaftliche Produktivität der Unternehmen. Infolgedessen kann so exemplarisch analysiert werden, wie körperliche und kognitive Arbeit aufeinander bezogen waren und wie sich ihre Beziehung am Übergang vom letzten Drittel des 20. Jahrhunderts zum 21. Jahrhundert verschob. 

Priv.-Doz. Dr. Christopher Neumaier

Leibniz Centre for Contemporary History
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Email: neumaier [at] zzf-potsdam.de

Forschung

Leistungsfähigkeit und Belastungsgrenzen: 
(digitales) Produktdesign und sich wandelnde Arbeitsanforderungen in der Hightech-Industrie seit den 1970er-Jahren

In den 1970er-Jahren nahmen zeitgenössische Beobachterinnen und Beobachter einen grundsätzlichen Wandel der Arbeitsanforderungen wahr: Nicht mehr die Industriearbeit, sondern „Wissen“ determiniere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, lautete eine damalige Deutung. Damit kam es zu einer Aufwertung von geistiger Arbeit. Körperliches Arbeiten – in Form von sich wandelnden motorischen Anforderungen, die zudem stets mit den kognitiven Fähigkeiten verknüpft sind – prägte gleichwohl weiterhin den Arbeitsalltag in Industrie- und Angestelltenberufen.
Ausgehend von diesem Zusammenhang diskutiert das Projekt, wie sich in der Bundesrepublik seit den 1970er Jahren die Arbeitsanforderungen beim Design von Produkten in den Hightech-Industrien der Automobilfertigung, der Pharmazie sowie der Informations- und Kommunikationstechnik verschoben und welche Folgen dies für die Leistungsfähigkeit, aber auch die Belastungsgrenzen der Beschäftigten hatte. Dabei geht es einerseits um die Wahrnehmung und Bewertung des Wandels durch Experten. Zunächst wird daher untersucht, wie Wissenschaftler und Industrievertreter die Veränderungen bei der Entwicklung und des Designs von Produkten – gerade im Hinblick auf die einsetzende Digitalisierung – beschrieben und konzipierten. Zudem wird gefragt, mit welchen Methoden beide Akteursgruppen die Leistungsfähigkeit bei körperlicher und geistiger Arbeit maßen und bewerteten. In welchen Bereichen sahen sie Rationalisierungspotenziale, aber auch Belastungsgrenzen? Zweitens soll das Projekt diesen Zugriff mit der Sozialgeschichte von arbeitenden Menschen verknüpfen, indem die Veränderungen in der Arbeitswelt in den Blick genommen werden: Welche Maßnahmen zur Regulierung und Steuerung der arbeitenden Subjekte wurden auf dieser Basis in Betrieben implementiert? Wie sollten so Belastungsgrenzen überwunden und die Leistungsmöglichkeiten gesteigert werden? Darauf aufbauend wird analysiert, wie sich die Debatten und Maßnahmen auf das Verhalten der betroffenen Arbeiter und Angestellten auswirkten und öffentlich verhandelt wurden. 
Um die Spezifika der Entwicklungen in Deutschland erfassen zu können, soll die Arbeit als asymmetrischer Vergleich angelegt werden, der immer wieder Bezug nimmt auf DDR sowie die USA und Frankreich. Dadurch lassen sich einerseits die Entwicklungen in einer kapitalistisch orientierten Marktwirtschaft mit einer sozialistischen Planwirtschaft bzw. den nach 1990 ablaufenden Transformationsprozessen kontrastieren. Andererseits ist es so möglich, die deutschen Veränderungen mit den Entwicklungen in US-amerikanischen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen bzw. der stärker agrarisch orientierten Wirtschaft Frankreichs zu vergleichen. 
Der inhaltliche Fokus des Projekts liegt auf drei unterschiedlichen Unternehmensbereichen und Berufsgruppen: 1) den Ingenieuren, Wissenschaftlern und IT-Experten in Forschung und Entwicklung; 2) den Angestellten im Marketing und Controlling; 3) den Arbeitern in ausgewählten Zweigen der Fertigung. Die empirischen Fallstudien des Projekts nehmen das Produktdesign und die Produktion von Artefakten in der Automobilindustrie, der pharmazeutischen Industrie sowie der Telekommunikationsbranche in den Blick und berücksichtigten insbesondere die Folgen der in den 1970er Jahren einsetzenden und sich ab den 1990er Jahren verstärkenden Digitalisierung und Computerisierung sowie der Vernetzung, die schließlich mit den Topoi „Internet der Dinge“ oder „Industrie 4.0“ beschrieben wurden. In den drei Industriezweigen waren Produktdesign, industrielle Fertigung, produktbegleitende Dienstleistungen sowie Forschung und Entwicklung miteinander verwoben und bildeten das Rückgrat für die wirtschaftliche Produktivität der Unternehmen. Infolgedessen kann so exemplarisch analysiert werden, wie körperliche und kognitive Arbeit aufeinander bezogen waren und wie sich ihre Beziehung am Übergang vom letzten Drittel des 20. Jahrhunderts zum 21. Jahrhundert verschob. 

Priv.-Doz. Dr. Christopher Neumaier

Leibniz Centre for Contemporary History
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Email: neumaier [at] zzf-potsdam.de

Forschung