Open-Air-Ausstellung eröffnet: Acht Info-Stelen erinnern an die DDR-Grenze am Potsdamer Jungfernsee

10.04.2019

„Wir sind sehr dankbar, dass es diese Ausstellung jetzt gibt. Sie ist für uns ein Stück Aufarbeitung“, freut sich eine Zeitzeugin, die alte Fotos mitgebracht hatte. Sie war heute Nachmittag dabei, als bei sonnigem Wetter der Info-Pfad mit acht Stelen vor der Villa Schöningen in Potsdam – nur fußweit entfernt von der Glienicker Brücke – feierlich eröffnet wurde. Es waren weit mehr als die 50 Besucher*innen gekommen, die die Veranstalter zur Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Achtung Grenze. Das Sperrgebiet der DDR in Potsdam 1961-1989“ erwartet hatten. Die acht jeweils 1,80 Meter hohen Stelen, die zwischen der Glienicker Brücke bis hinauf zur Bertinistraße fest im Boden verankert sind, informieren mit deutschen und englischen Kurz-Texten und historischen Bildern über die bis 1990 hier entlang verlaufene Grenze zwischen der DDR und Berlin (West).

„Von der Glienicker Brücke aus konnte man bisher den Grenzverlauf nur noch ahnen. Es gab kaum noch Spuren von der Teilung, nichts was an die Zeit zwischen 1945 und 1990 erinnerte. So entwickelten sieben Personen 2011 die Idee eines Info-Pfads“ erläuterte Frank Bösch, Direktor des ZZF Potsdam, in seiner Begrüßungsrede. „Der Erinnerungspfad informiert über den Aufbau und die Entwicklung der Sperranlagen, thematisiert das Leben im Grenzgebiet, die Umnutzung der Villen und die geglückten Fluchten an der alten Meierei über das Wasser nach West-Berlin“, so Bösch. Er dankte der Stadt Potsdam, dem Land Brandenburg und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dass das ZZF Potsdam und der Verein Erinnerungsorte Potsdamer Grenze e.V.  das Ausstellungs-Projekt realisieren konnten. „Die Open-Air-Ausstellung ist für das Verständnis unserer Gegenwart sehr wichtig. Sie füllt eine Lücke in der Erinnerung auf. Nicht nur die junge Generation und Touristen erfahren durch sie vor Ort von der Zeit deutsch-deutscher Teilung“, lobte Robert Grünbaum, Vize-Geschäftsführer der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Nach Grußworten von Ulrike Gutheil (Staatssekretärin im Brandenburger Kulturministerium) und Burkhard Exner (Bürgermeister und Beigeordneter für Finanzen, Investitionen und Controlling der Landeshauptstadt Potsdam) und anschließendem kleinen Empfang mit Sekt und Brezeln lud Florentine Schmidtmann zu einem ersten geführten Rundgang entlang des Geschichtspfads ein. Die Historikerin hatte für das ZZF Potsdam die wissenschaftliche Recherche für das Projekt übernommen, mit vielen Zeitzeug*innen gesprochen, historische Fotos und Dokumenten aus Archiven wie dem Stadtarchiv gesichtet. „Jede Stele besteht aus einem größeren prägnanten Foto und zwei kleinen historischen Bildern sowie kurzen Info-Texten. Die erste Stele zeigt die Glienicker Brücke im Winter bei Schnee und Eis. Wer weitere Informationen möchte, kann über den QR-Code, der an jeder Stele angebracht ist, mehr erfahren“, erläuterte Schmidtmann den interessierten Besucherinnen und Besucher – unter ihnen auch Hubert Hohlbein, dem 1963 die Flucht von der alten Meierei durch das eiskalte Wasser im Taucheranzug glückte.
Der Info-Pfad ist ganzjährig zugänglich. Ein gemütlicher Spaziergang von der Glienicker Brücke (Station 1) bis zur Bertinistraße (Station 8) dauert ca. 60 Minuten und ist ca. 2 km lang. M. Schlöttke

Mehr zum Info-Pfad: Pressemitteilung des ZZF Potsdam vom 8. April 2019

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