Neu gegründet: Interdisziplinärer Arbeitskreis zur Geschichte des Rechtsextremismus

21.03.2019

Über 120 Personen kamen am 1. Februar in die Bibliothek des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF). Den Anlass für den Andrang bot eine Veranstaltung zur Geschichte des Rechtsextremismus. Die Organisator*innen aus Potsdam (ZZF und Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam, MMZ), Hamburg, Düsseldorf und Paderborn waren freudig überrascht, dass aus dem geplanten Workshop ein intensiver Austausch über Instituts- und Disziplingrenzen hinweg erwuchs, der auch Mitarbeiter*innen aus Bildungseinrichtungen einschloss.

In seiner Einführung identifizierte Frank Bösch fünf Punkte, über die man sich verständigen müsse: 1) die verwendeten Begrifflichkeiten, 2) die jeweilige Beobachtungsperspektive, 3) der diachrone Wandel von Ideologie, Sprache, Organisation und Gewalt, 4) die Verortung im geteilten Deutschland, 5) die Bedeutung der Kategorie „Gender“ für die Erforschung rechtsextremer Gruppierungen. Der Direktor des ZZF plädierte für eine Gesellschaftsgeschichte der extremen Rechten, die auch nach Interaktionen mit anderen Teilen der Gesellschaft fragt. Yves Müller (Universität Hamburg) führte anschließend in den Forschungsstand ein und betonte, dass der Rechtsextremismus keine Ausnahmeerscheinung, sondern ein allzeit präsentes Phänomen der Zeitgeschichte sei, das noch intensiver Forschung bedarf. Die folgenden Vorträge boten Fallstudien u.a. zum Umgang mit der Rechten in der frühen Bundesrepublik, zum Rechtsrock, zur „Asyldebatte“ und zu rechtsextremen Frauen in der DDR.

Am Ende der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmer*innen, wie das Gespräch fortgeführt werden kann. Die Ideen waren zahlreich und die Perspektiven breit gefächert: Wäre es nicht an der Zeit, auch die das Thema betreffenden wissenschaftlichen Konjunkturen und Kontroversen historisch einzuordnen? Mit welchen Zugängen und Quellen kann die Geschichte der radikalen Rechten erforscht werden und welche Begriffe sind angemessen? Neben fachhistorischen Fragen wurden auch Aspekte der politischen Bildung diskutiert: Welche pädagogischen Herausforderungen ergeben sich, wenn Besuchergruppen in NS-Gedenkstätten gezielt provozieren? Da der Forschungsbedarf ebenso groß ist wie der Wunsch nach weiterem Austausch, hat sich nun ein institutsübergreifender Arbeitskreis gegründet. Weitere Veranstaltungen aber auch Publikationen sind geplant, ebenso die Ausarbeitung von neuen Forschungsprojekten. Ein zweiter Workshop im Sommer soll der Vorbereitung einer größeren Tagung dienen. Parallel wird über unterschiedliche Formate für einen regelmäßigen Austausch nachgedacht. Die Termine werden zeitnah durch die beteiligten Institute bekanntgegeben.

Wer sich an dem AK beteiligen möchte, kann sich an die Organisatoren Dr. Dominik Rigoll (ZZF) und Yves Müller (Universität Hamburg) werden.
 

 

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