»Schönheit für alle!« Beauty Work und soziale Distinktion im Staats- und Postsozialismus

Beginn des Projektes: Mai 2021

„Schön sein – welche Frau möchte es nicht!“, behauptete die Tageszeitung Neues Deutschland im Sommer 1955. Während im Westen „zahlreiche Kosmetikfabrikanten“ aus „einer kleinen weiblichen Schwäche mit Tausenden Wunder versprechenden ‚Heilmitteln‘ ihre Profite schlagen“ würden, denke in den sozialistischen Staaten niemand „an das Geld“. Stattdessen würden Expertinnen und Experten all jenen Menschen dienen, „deren Beruf ein anständiges Äußeres erfordert“ oder die durch „eine Entstellung im Gesicht“ oder Hautprobleme sozial eingeschränkt seien. 

Die Herstellung von Schönheit wurde in der frühen DDR als eine Facette von Sozialpolitik gedeutet. Herkunft und Status sollten nicht über die Attraktivität des Äußeren entscheiden. Eine gepflegte Erscheinung und geschmackvolle Kleidung galten als Ausdruck eines „kulturvollen“ Lebensstils. Doch über gängige Vorstellungen von Schönheit und die zu ihrer Herstellung nötigen Mittel und Praktiken entschied nicht allein die Staatspartei, sondern häufig auch der Blick gen Westen.

Gab es demnach eine DDR-spezifische oder eine sozialistische beauty culture? Wie sehr war diese von der wirtschaftlichen Situation geprägt und an welchen Idealen orientierte sie sich? Erlaubten Schminke, Frisur oder Kleidung einer Frau im Sozialismus Rückschlüsse auf ihren sozialen Status? Woran wurden Unterschiede zeitgenössisch festgemacht? Wie funktionierte Distinktion in einer Gesellschaft, deren Ziel die Überwindung von Klassenunterschieden war? Diesen Fragen will sich das Projekt annehmen und die „feinen Unterschiede“ von einst aufspüren. Schönheit wird dabei als ein soziales Konstrukt mit eigener Geschichte verstanden. Da Beauty Work zudem eine geschlechtsspezifische „Verpflichtung“ darstellt, wird Schönheitshandeln auch als Teil des „doing gender“ und des „performing gender“ analysiert.

Dabei fragt die Studie zunächst: Wie wurde zu welchem Zeitpunkt was für ein Ideal von Schönheit kommuniziert und welche Praktiken zur Herstellung von Schönheit galten als legitim? Hierfür werden insbesondere Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Ratgeberliteratur und Ratgebersendungen in Funk und Fernsehen als Quellen in den Blick genommen. Im nächsten Schritt wird dann untersucht, wie ostdeutsche Frauen sich zu den kommunizierten Erwartungen verhielten und welche eigen-sinnigen Praktiken sie entwickelten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach sozialer Ungleichheit, nach ihrer Produktion und Reproduktion sowie nach ihrer Deutung im Übergang vom Spät- zum Postsozialismus.

 

Dr. Stefanie Eisenhuth

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 1, room 0.30
Tel.: 0331/28991-31

E-Mail: eisenhuth [at] zzf-potsdam.de

Forschung

»Schönheit für alle!« Beauty Work und soziale Distinktion im Staats- und Postsozialismus

Beginn des Projektes: Mai 2021

„Schön sein – welche Frau möchte es nicht!“, behauptete die Tageszeitung Neues Deutschland im Sommer 1955. Während im Westen „zahlreiche Kosmetikfabrikanten“ aus „einer kleinen weiblichen Schwäche mit Tausenden Wunder versprechenden ‚Heilmitteln‘ ihre Profite schlagen“ würden, denke in den sozialistischen Staaten niemand „an das Geld“. Stattdessen würden Expertinnen und Experten all jenen Menschen dienen, „deren Beruf ein anständiges Äußeres erfordert“ oder die durch „eine Entstellung im Gesicht“ oder Hautprobleme sozial eingeschränkt seien. 

Die Herstellung von Schönheit wurde in der frühen DDR als eine Facette von Sozialpolitik gedeutet. Herkunft und Status sollten nicht über die Attraktivität des Äußeren entscheiden. Eine gepflegte Erscheinung und geschmackvolle Kleidung galten als Ausdruck eines „kulturvollen“ Lebensstils. Doch über gängige Vorstellungen von Schönheit und die zu ihrer Herstellung nötigen Mittel und Praktiken entschied nicht allein die Staatspartei, sondern häufig auch der Blick gen Westen.

Gab es demnach eine DDR-spezifische oder eine sozialistische beauty culture? Wie sehr war diese von der wirtschaftlichen Situation geprägt und an welchen Idealen orientierte sie sich? Erlaubten Schminke, Frisur oder Kleidung einer Frau im Sozialismus Rückschlüsse auf ihren sozialen Status? Woran wurden Unterschiede zeitgenössisch festgemacht? Wie funktionierte Distinktion in einer Gesellschaft, deren Ziel die Überwindung von Klassenunterschieden war? Diesen Fragen will sich das Projekt annehmen und die „feinen Unterschiede“ von einst aufspüren. Schönheit wird dabei als ein soziales Konstrukt mit eigener Geschichte verstanden. Da Beauty Work zudem eine geschlechtsspezifische „Verpflichtung“ darstellt, wird Schönheitshandeln auch als Teil des „doing gender“ und des „performing gender“ analysiert.

Dabei fragt die Studie zunächst: Wie wurde zu welchem Zeitpunkt was für ein Ideal von Schönheit kommuniziert und welche Praktiken zur Herstellung von Schönheit galten als legitim? Hierfür werden insbesondere Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Ratgeberliteratur und Ratgebersendungen in Funk und Fernsehen als Quellen in den Blick genommen. Im nächsten Schritt wird dann untersucht, wie ostdeutsche Frauen sich zu den kommunizierten Erwartungen verhielten und welche eigen-sinnigen Praktiken sie entwickelten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach sozialer Ungleichheit, nach ihrer Produktion und Reproduktion sowie nach ihrer Deutung im Übergang vom Spät- zum Postsozialismus.

 

Dr. Stefanie Eisenhuth

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 1, room 0.30
Tel.: 0331/28991-31

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