Red Metal. Heavy Metal als DDR-Subkultur zwischen Konflikt und Integration

Ende des Projektes: Oktober 2020

Abgeschlossenes assoziiertes Dissertationsprojekt

Die globale Revitalisierung von Heavy Metal in den 80er Jahren machte nicht an der Elbe Halt. Von den DDR-Medien meist nur abschätzig betrachtet bildeten sich im gesamten Gebiet der Republik unterschiedlich straff organisierte Gruppen, die sich in ihrer Freizeit kaum etwas anderem als dem (gemeinsamen) Musikkonsum widmeten. Nach Zählungen des MfS formierte die so entstandene Subkultur sich zur größten ihrer Art in der DDR. Besonders problematisch war aus der Sicht der staatlichen Organe dabei die Tatsache, dass sich die „Heavies“ vor allem aus der jungen Arbeiterschaft rekrutierte. Die SED konkurrierte um die Gunst des Proletariats von nun an mit King Diamond und der (Gräfin) Bathory.

Im Rahmen des Projekts musste zunächst Genese und Ausprägung der Musikkultur unter den Bedingungen der DDR erklärt werden. Zu beantworten waren dabei insbesondere die Frage nach der Rolle der Medien, wie der Kassette und dem privatisierten Radio der Bundesrepublik. Weiterhin war zu erörtern, warum es, wie außerhalb der DDR, vor allem männliche Arbeiter waren, die sich für dieses speziellen Musikstil begeisterten. Dabei sollten die für die DDR spezifischen, da modifizierten, dem Musikkonsum immanenten Praktiken wie Pogo oder Tape-Trading untersucht werden. Schon in den Quellen tauchten Äußerungen auf, die auf die vor allem emotional-somatische Komponente von Heavy Metal abzielen. Vom Intellektuell-Diskursivem jedweder Couleur grenzten sich die Heavies dabei deutlich ab, weswegen Heavy Metal als vor allem emotionale Praxis verstanden werden soll. Abschließend galt es das Paradoxon aufzulösen, dass sich die Heavy-Metal-Subkultur 1989/1990 innerhalb kürzester Zeit auflöste.

Als Quellen dienten vor allem Akten von Polizei und Staatssicherheit. Darüber hinaus entstand eine Reihe von Studien zur Erforschung von „negativ-dekadenten Jugendlichen“ bereits in den 80er Jahren, die den Blick auf die Heavies ebenso untersuchbar machen, wie die Heavies selbst. Der Mangel an Selbstzeugnissen wird durch Hörerbriefe an das Jugendradio DT64 (wo die auf Zuschriften basierenden Hitparaden dermaßen von Heavy Metal dominiert wurden, dass das Genre ausgeklammert werden musste) und Texte der DDR-Metal-Bands gemindert.

 

Nikolai Okunew verteidigte seine Dissertation am 7. Oktober 2020 mit Bestnote an der Universität Potsdam. Mehr lesen

Nikolai Okunew

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

E-Mail: okunew [at] zzf-potsdam.de

Nikolai Okunew hat am 7. Oktober 2020 erfolgreich seine Dissertation abgeschlossen.

Forschung

Red Metal. Heavy Metal als DDR-Subkultur zwischen Konflikt und Integration

Ende des Projektes: Oktober 2020

Abgeschlossenes assoziiertes Dissertationsprojekt

Die globale Revitalisierung von Heavy Metal in den 80er Jahren machte nicht an der Elbe Halt. Von den DDR-Medien meist nur abschätzig betrachtet bildeten sich im gesamten Gebiet der Republik unterschiedlich straff organisierte Gruppen, die sich in ihrer Freizeit kaum etwas anderem als dem (gemeinsamen) Musikkonsum widmeten. Nach Zählungen des MfS formierte die so entstandene Subkultur sich zur größten ihrer Art in der DDR. Besonders problematisch war aus der Sicht der staatlichen Organe dabei die Tatsache, dass sich die „Heavies“ vor allem aus der jungen Arbeiterschaft rekrutierte. Die SED konkurrierte um die Gunst des Proletariats von nun an mit King Diamond und der (Gräfin) Bathory.

Im Rahmen des Projekts musste zunächst Genese und Ausprägung der Musikkultur unter den Bedingungen der DDR erklärt werden. Zu beantworten waren dabei insbesondere die Frage nach der Rolle der Medien, wie der Kassette und dem privatisierten Radio der Bundesrepublik. Weiterhin war zu erörtern, warum es, wie außerhalb der DDR, vor allem männliche Arbeiter waren, die sich für dieses speziellen Musikstil begeisterten. Dabei sollten die für die DDR spezifischen, da modifizierten, dem Musikkonsum immanenten Praktiken wie Pogo oder Tape-Trading untersucht werden. Schon in den Quellen tauchten Äußerungen auf, die auf die vor allem emotional-somatische Komponente von Heavy Metal abzielen. Vom Intellektuell-Diskursivem jedweder Couleur grenzten sich die Heavies dabei deutlich ab, weswegen Heavy Metal als vor allem emotionale Praxis verstanden werden soll. Abschließend galt es das Paradoxon aufzulösen, dass sich die Heavy-Metal-Subkultur 1989/1990 innerhalb kürzester Zeit auflöste.

Als Quellen dienten vor allem Akten von Polizei und Staatssicherheit. Darüber hinaus entstand eine Reihe von Studien zur Erforschung von „negativ-dekadenten Jugendlichen“ bereits in den 80er Jahren, die den Blick auf die Heavies ebenso untersuchbar machen, wie die Heavies selbst. Der Mangel an Selbstzeugnissen wird durch Hörerbriefe an das Jugendradio DT64 (wo die auf Zuschriften basierenden Hitparaden dermaßen von Heavy Metal dominiert wurden, dass das Genre ausgeklammert werden musste) und Texte der DDR-Metal-Bands gemindert.

 

Nikolai Okunew verteidigte seine Dissertation am 7. Oktober 2020 mit Bestnote an der Universität Potsdam. Mehr lesen

Nikolai Okunew

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

E-Mail: okunew [at] zzf-potsdam.de

Nikolai Okunew hat am 7. Oktober 2020 erfolgreich seine Dissertation abgeschlossen.

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