Red Metal. Heavy Metal als DDR-Subkultur zwischen Konflikt und Integration

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Die globale Revitalisierung von Heavy Metal in den 80er Jahren machte nicht an der Elbe Halt. Von den DDR-Medien meist nur abschätzig betrachtet bildeten sich im gesamten Gebiet der Republik unterschiedlich straff organisierte Gruppen, die sich in ihrer Freizeit kaum etwas anderem als dem (gemeinsamen) Musikkonsum widmeten. Nach Zählungen des MfS formierte die so entstandene Subkultur sich zur größten ihrer Art in der DDR. Besonders problematisch war aus der Sicht der staatlichen Organe dabei die Tatsache, dass sich die „Heavies“ vor allem aus der jungen Arbeiterschaft rekrutierte. Die SED konkurrierte um die Gunst des Proletariats von nun an mit King Diamond und der (Gräfin) Bathory.

Im Rahmen des Projekts muss zunächst Genese und Ausprägung der Musikkultur unter den Bedingungen der DDR erklärt werden. Zu beantworten sind dabei insbesondere die Frage nach der Rolle der Medien, wie der Kassette und dem privatisierten Radio der Bundesrepublik. Weiterhin ist zu erörtern, warum es, wie außerhalb der DDR, vor allem männliche Arbeiter waren, die sich für dieses speziellen Musikstil begeisterten. Dabei sollen die für die DDR spezifischen, da modifizierten, dem Musikkonsum immanenten Praktiken wie Pogo oder Tape-Trading untersucht werden. Schon in den Quellen tauchen Äußerungen auf, die auf die vor allem emotional-somatische Komponente von Heavy Metal abzielen. Vom Intellektuell-Diskursivem jedweder Couleur grenzten sich die Heavies dabei deutlich ab, weswegen Heavy Metal als vor allem emotionale Praxis verstanden werden soll. Abschließend gilt es das Paradoxon aufzulösen, dass sich die Heavy-Metal-Subkultur 1989/1990 innerhalb kürzester Zeit auflöste.

Als Quellen dienen vor allem Akten von Polizei und Staatssicherheit. Darüber hinaus entstand eine Reihe von Studien zur Erforschung von „negativ-dekadenten Jugendlichen“ bereits in den 80er Jahren, die den Blick auf die Heavies ebenso untersuchbar machen, wie die Heavies selbst. Der Mangel an Selbstzeugnissen wird durch Hörerbriefe an das Jugendradio DT64 (wo die auf Zuschriften basierenden Hitparaden dermaßen von Heavy Metal dominiert wurden, dass das Genre ausgeklammert werden musste) und Texte der DDR-Metal-Bands gemindert.

Nikolai Okunew

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

E-Mail: okunew [at] zzf-potsdam.de

Forschung

Red Metal. Heavy Metal als DDR-Subkultur zwischen Konflikt und Integration

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Die globale Revitalisierung von Heavy Metal in den 80er Jahren machte nicht an der Elbe Halt. Von den DDR-Medien meist nur abschätzig betrachtet bildeten sich im gesamten Gebiet der Republik unterschiedlich straff organisierte Gruppen, die sich in ihrer Freizeit kaum etwas anderem als dem (gemeinsamen) Musikkonsum widmeten. Nach Zählungen des MfS formierte die so entstandene Subkultur sich zur größten ihrer Art in der DDR. Besonders problematisch war aus der Sicht der staatlichen Organe dabei die Tatsache, dass sich die „Heavies“ vor allem aus der jungen Arbeiterschaft rekrutierte. Die SED konkurrierte um die Gunst des Proletariats von nun an mit King Diamond und der (Gräfin) Bathory.

Im Rahmen des Projekts muss zunächst Genese und Ausprägung der Musikkultur unter den Bedingungen der DDR erklärt werden. Zu beantworten sind dabei insbesondere die Frage nach der Rolle der Medien, wie der Kassette und dem privatisierten Radio der Bundesrepublik. Weiterhin ist zu erörtern, warum es, wie außerhalb der DDR, vor allem männliche Arbeiter waren, die sich für dieses speziellen Musikstil begeisterten. Dabei sollen die für die DDR spezifischen, da modifizierten, dem Musikkonsum immanenten Praktiken wie Pogo oder Tape-Trading untersucht werden. Schon in den Quellen tauchen Äußerungen auf, die auf die vor allem emotional-somatische Komponente von Heavy Metal abzielen. Vom Intellektuell-Diskursivem jedweder Couleur grenzten sich die Heavies dabei deutlich ab, weswegen Heavy Metal als vor allem emotionale Praxis verstanden werden soll. Abschließend gilt es das Paradoxon aufzulösen, dass sich die Heavy-Metal-Subkultur 1989/1990 innerhalb kürzester Zeit auflöste.

Als Quellen dienen vor allem Akten von Polizei und Staatssicherheit. Darüber hinaus entstand eine Reihe von Studien zur Erforschung von „negativ-dekadenten Jugendlichen“ bereits in den 80er Jahren, die den Blick auf die Heavies ebenso untersuchbar machen, wie die Heavies selbst. Der Mangel an Selbstzeugnissen wird durch Hörerbriefe an das Jugendradio DT64 (wo die auf Zuschriften basierenden Hitparaden dermaßen von Heavy Metal dominiert wurden, dass das Genre ausgeklammert werden musste) und Texte der DDR-Metal-Bands gemindert.

Nikolai Okunew

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

E-Mail: okunew [at] zzf-potsdam.de

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