Gläubiger – Geschichte einer Figur

Beginn des Projektes: Mai 2019

Forschungsprojekt
im Rahmen des DFG-Netzwerk "Schulden machen. Praxeologie der Staatsverschuldung im langen 20. Jahrhundert"

Geld zu verleihen, Kredit zu geben – dies galt stets als eine moralisch frag­würdige Angelegenheit. Diese kritische Sicht prägt auch die Forschungsdebatten zur Zeitgeschichte der Verschuldung. Während der daran leidende, der „verschuldete Mensch“ (Maurizio Lazzarato) bereits verschiedentlich untersucht worden ist, wurde die andere Seite der Schuldenrelation bisher kaum in den Blick genommen. Eine gewisse Vorreiterrolle spielen ethnographische und soziologische Studien, welche die Erfahrungen und Erwartungen von Investoren in den globalen Finanzmärkten und Institutionen unserer Zeit untersucht haben. Gezeigt hat sich dabei, dass auf der Gläubigerseite keineswegs nur machthungrige Zahlenmenschen auftauchen, sondern dass komplexe Emotionen oder Visualisierungen von Nähe und Distanz für die Kreditgeber eine Rolle spielten. Das Projekt möchte diese Ansätze aufgreifen, jedoch stärker danach fragen, welche öffentlich präsenten Gläubigerfiguren aus sich wandelnden Verschuldungsverhältnissen seit dem späten 19. Jahrhundert hervorgingen. Die empirischen Befunde sollen in die breitere Wahrnehmungs- und Erfahrungsgeschichte des Finanzkapitalismus eingeordnet werden, so dass Gläubiger als historische Figuren, also als Subjektivierungen politischer, ökonomischer und rechtlicher Verhältnisse in der Zeit begreifbar werden.

 

DFG-Netzwerk "Schulden machen. Praxeologie der Staatsverschuldung im langen 20. Jahrhundert"
(Laufzeit 2017-2020)

Das von der DFG geförderte Netzwerk widmet sich der Praxis der Staatsverschuldung in historischer Perspektive. Es rückt die konkreten Verfahrensweisen, Entscheidungen und Akteursbeziehungen im Bereich der Schuldenpolitik im langen 20. Jahrhundert in den Fokus und fragt insbesondere nach deren Bedeutung für die Aushandlung der sich wandelnden Grenzen zwischen „Staat“ und „Markt“. Damit erweitert das Netzwerk die oft deterministisch geführten Forschungsdebatten zur Staatsverschuldung um Erkenntnisse zu historischen Zusammenhängen zwischen finanzwirtschaftlichem Handeln, sozialem Wissen und ökonomischen Effekten. Aus der breiten praxeologischen Diskussion werden insbesondere das Interesse an informellen Verhaltensweisen, an der Materialität von Praktiken und der nicht-intentionalen Wirkmacht von Wissen aufgegriffen. Im interdisziplinären Austausch zwischen Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern soll so die Praxis des „Schulden machens“ in ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit betrachtet werden, um den Prozesscharakter und den Wandel der Staatsverschuldung genauer zu verstehen.

(Näheres unter www.doing-debt.de.)

 

Abgeschlossenes Forschungsprojekt

Staats-Organisation im Ausnahmezustand. Das Reichsministerium der Finanzen seit 1919 (Habilitationsschrift, ersch. Frühjahr 2020)

Die Studie beschäftigt sich mit der Geschichte der Ministerialbürokratie und der Staatsfinanzierung im Deutschen Reich seit 1919 und interessiert sich insbesondere für die Transformation von Staatlichkeit im Übergang von der Demokratie in die Diktatur. Das Ministerium wird als Ort der aktiven Mitgestaltung staatlicher Herrschaft sichtbar – in einer historischen Phase, die von der Kriegsfolgenbewältigung, von dauernden Ausnahmezuständen sowie wachsenden Normalitätsansprüchen und schließlich von der neuerlichen Mobilisierung für einen Krieg geprägt war.

PD Dr. Stefanie Middendorf

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 9d, Raum E.08
Tel.: 0331 74510-135
Fax: 0331 74510-143

E-Mail: middendorf [at] zzf-potsdam.de

Forschung

Gläubiger – Geschichte einer Figur

Beginn des Projektes: Mai 2019

Forschungsprojekt
im Rahmen des DFG-Netzwerk "Schulden machen. Praxeologie der Staatsverschuldung im langen 20. Jahrhundert"

Geld zu verleihen, Kredit zu geben – dies galt stets als eine moralisch frag­würdige Angelegenheit. Diese kritische Sicht prägt auch die Forschungsdebatten zur Zeitgeschichte der Verschuldung. Während der daran leidende, der „verschuldete Mensch“ (Maurizio Lazzarato) bereits verschiedentlich untersucht worden ist, wurde die andere Seite der Schuldenrelation bisher kaum in den Blick genommen. Eine gewisse Vorreiterrolle spielen ethnographische und soziologische Studien, welche die Erfahrungen und Erwartungen von Investoren in den globalen Finanzmärkten und Institutionen unserer Zeit untersucht haben. Gezeigt hat sich dabei, dass auf der Gläubigerseite keineswegs nur machthungrige Zahlenmenschen auftauchen, sondern dass komplexe Emotionen oder Visualisierungen von Nähe und Distanz für die Kreditgeber eine Rolle spielten. Das Projekt möchte diese Ansätze aufgreifen, jedoch stärker danach fragen, welche öffentlich präsenten Gläubigerfiguren aus sich wandelnden Verschuldungsverhältnissen seit dem späten 19. Jahrhundert hervorgingen. Die empirischen Befunde sollen in die breitere Wahrnehmungs- und Erfahrungsgeschichte des Finanzkapitalismus eingeordnet werden, so dass Gläubiger als historische Figuren, also als Subjektivierungen politischer, ökonomischer und rechtlicher Verhältnisse in der Zeit begreifbar werden.

 

DFG-Netzwerk "Schulden machen. Praxeologie der Staatsverschuldung im langen 20. Jahrhundert"
(Laufzeit 2017-2020)

Das von der DFG geförderte Netzwerk widmet sich der Praxis der Staatsverschuldung in historischer Perspektive. Es rückt die konkreten Verfahrensweisen, Entscheidungen und Akteursbeziehungen im Bereich der Schuldenpolitik im langen 20. Jahrhundert in den Fokus und fragt insbesondere nach deren Bedeutung für die Aushandlung der sich wandelnden Grenzen zwischen „Staat“ und „Markt“. Damit erweitert das Netzwerk die oft deterministisch geführten Forschungsdebatten zur Staatsverschuldung um Erkenntnisse zu historischen Zusammenhängen zwischen finanzwirtschaftlichem Handeln, sozialem Wissen und ökonomischen Effekten. Aus der breiten praxeologischen Diskussion werden insbesondere das Interesse an informellen Verhaltensweisen, an der Materialität von Praktiken und der nicht-intentionalen Wirkmacht von Wissen aufgegriffen. Im interdisziplinären Austausch zwischen Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern soll so die Praxis des „Schulden machens“ in ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit betrachtet werden, um den Prozesscharakter und den Wandel der Staatsverschuldung genauer zu verstehen.

(Näheres unter www.doing-debt.de.)

 

Abgeschlossenes Forschungsprojekt

Staats-Organisation im Ausnahmezustand. Das Reichsministerium der Finanzen seit 1919 (Habilitationsschrift, ersch. Frühjahr 2020)

Die Studie beschäftigt sich mit der Geschichte der Ministerialbürokratie und der Staatsfinanzierung im Deutschen Reich seit 1919 und interessiert sich insbesondere für die Transformation von Staatlichkeit im Übergang von der Demokratie in die Diktatur. Das Ministerium wird als Ort der aktiven Mitgestaltung staatlicher Herrschaft sichtbar – in einer historischen Phase, die von der Kriegsfolgenbewältigung, von dauernden Ausnahmezuständen sowie wachsenden Normalitätsansprüchen und schließlich von der neuerlichen Mobilisierung für einen Krieg geprägt war.

PD Dr. Stefanie Middendorf

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 9d, Raum E.08
Tel.: 0331 74510-135
Fax: 0331 74510-143

E-Mail: middendorf [at] zzf-potsdam.de

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