Geteilte Verklärung? Die DDR und alte Bundesrepublik in sozialen Medien

Beginn des Projektes: Dezember 2018

Dissertationsprojekt

Das Projekt untersucht Erinnerungspraktiken in digitalen" sozialen Medien", die explizit oder implizit den Alltag in der DDR und der Bundesrepublik vor 1990 thematisieren. Es analysiert, inwieweit die Digitalisierung als jüngste Episode der Medialisierung seit den 1990er Jahren auch neue kollektive und individuelle Erinnerungspraktiken hervorbrachte. Besonders das sogenannten Web 2.0 mit seinen zahlreichen Plattformen für niedrigschwellige, nutzergenerierte Inhalte wird dabei als neuer Raum und Öffentlichkeit für kommemorative Kommunikation erforscht.

In Bezug auf die bis heute konflikthafte Erinnerung an die DDR soll daher einerseits die Frage beantwortet werden, welche Narrative und Geschichtsbilder über die DDR in sozialen Medien geteilt werden und inwieweit sich diese von Deutungsangeboten staatlicher Institutionen unterscheiden. Vor dem Hintergrund der sog. Nostalgiewelle der späten 1970er und frühen 1980er Jahre in Westdeutschland sowie der „Ostalgie“-Debatte der 1990er und frühen 2000er Jahre werden die DDR-Erinnerungspraktiken anschließend auf ihre Spezifität befragt und Alltagserinnerungen eingebettet. Als Vergleichsgegenstand dient daher die – bislang von der Forschung kaum betrachtete – Erinnerung an die Lebenswelt der „alten“ Bundesrepublik. Eine Ausgangshypothese ist dabei, dass die (nostalgische) Erinnerung an eine vermeintlich „gute alte Zeit“ zwecks der Konstruktion von individuellen und kollektiven Identitäten kein genuin DDR-spezifisches Phänomen darstellt. Gefragt wird,  welche  Gruppen welche Erzählungen, politische Gegenwartsdiagnosen und mithin Identitäts- und Alteritätskonstruktionen die DDR und die Bundesrepublik heranziehen. Welche Parallelen und Unterschiede ergeben sich in Bezug auf Erinnerungstopoi (Kindheit, Jugend, Nationale/ Internationale Populärkultur, Konsum, Arbeitswelt, Freizeit, Heimatregion etc.) und mediale Erinnerungsträger (Fotos, Musik, Massenmedien etc.) vor dem Hintergrund der Systemdifferenz vor 1989 und der Zeit nach der Wiedervereinigung?

Nils Theinert

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 1, Raum 1.29
Tel.: 0331/28991-79

E-Mail: theinert [at] zzf-potsdam.de
 

Forschung

Geteilte Verklärung? Die DDR und alte Bundesrepublik in sozialen Medien

Beginn des Projektes: Dezember 2018

Dissertationsprojekt

Das Projekt untersucht Erinnerungspraktiken in digitalen" sozialen Medien", die explizit oder implizit den Alltag in der DDR und der Bundesrepublik vor 1990 thematisieren. Es analysiert, inwieweit die Digitalisierung als jüngste Episode der Medialisierung seit den 1990er Jahren auch neue kollektive und individuelle Erinnerungspraktiken hervorbrachte. Besonders das sogenannten Web 2.0 mit seinen zahlreichen Plattformen für niedrigschwellige, nutzergenerierte Inhalte wird dabei als neuer Raum und Öffentlichkeit für kommemorative Kommunikation erforscht.

In Bezug auf die bis heute konflikthafte Erinnerung an die DDR soll daher einerseits die Frage beantwortet werden, welche Narrative und Geschichtsbilder über die DDR in sozialen Medien geteilt werden und inwieweit sich diese von Deutungsangeboten staatlicher Institutionen unterscheiden. Vor dem Hintergrund der sog. Nostalgiewelle der späten 1970er und frühen 1980er Jahre in Westdeutschland sowie der „Ostalgie“-Debatte der 1990er und frühen 2000er Jahre werden die DDR-Erinnerungspraktiken anschließend auf ihre Spezifität befragt und Alltagserinnerungen eingebettet. Als Vergleichsgegenstand dient daher die – bislang von der Forschung kaum betrachtete – Erinnerung an die Lebenswelt der „alten“ Bundesrepublik. Eine Ausgangshypothese ist dabei, dass die (nostalgische) Erinnerung an eine vermeintlich „gute alte Zeit“ zwecks der Konstruktion von individuellen und kollektiven Identitäten kein genuin DDR-spezifisches Phänomen darstellt. Gefragt wird,  welche  Gruppen welche Erzählungen, politische Gegenwartsdiagnosen und mithin Identitäts- und Alteritätskonstruktionen die DDR und die Bundesrepublik heranziehen. Welche Parallelen und Unterschiede ergeben sich in Bezug auf Erinnerungstopoi (Kindheit, Jugend, Nationale/ Internationale Populärkultur, Konsum, Arbeitswelt, Freizeit, Heimatregion etc.) und mediale Erinnerungsträger (Fotos, Musik, Massenmedien etc.) vor dem Hintergrund der Systemdifferenz vor 1989 und der Zeit nach der Wiedervereinigung?

Nils Theinert

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

Büro: Am Neuen Markt 1, Raum 1.29
Tel.: 0331/28991-79

E-Mail: theinert [at] zzf-potsdam.de
 

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