Der nationalsozialistische Film nach 1945 / The Afterlives of National Socialist Film

Internationaler Workshop
Datum: 20.04.2018 to 21.04.2018
Ort: Potsdam

Veranstalter:
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF Potsdam)
NottinghamTrent Univerity

Organisation:
Dr. Christoph Classen (ZZF Potsdam
Professor Bill Niven (Nottingham Trent University)

Der Workshop findet in deutscher und englischer Sprache statt.

Der Workshop widmet sich der bisher nur punktuell erforschten Frage, wie nach 1945 mit dem kulturellen Erbe des Nationalsozialismus im Bereich des Films umgegangen worden ist. Wie ist dieses Thema im Laufe der Jahrzehnte diskutiert worden? Wie haben sich zeitgenössische Kontexte wie beispielsweise die deutsche Teilung darauf ausgewirkt, und welche moralischen Kategorien und Maßstäbe waren dabei von Bedeutung?

„Nationalsozialistischer Film“ soll dabei in einem breiten Sinne verstanden werden und neben dem Umgang mit den zwischen 1933 und dem Ende des „Dritten Reichs“ entstandenen Filmen selbst auch die Filmbranche insgesamt umfassen. Dies schließt die institutionelle Dimension mit ein, also die Abwicklung und Transformation der Filmproduktion und –distribution, darunter etwa die UFA-Entflechtung und die Versuche von deutscher Seite, diese zu umgehen, sowie die Gründung der Murnau-Stiftung 1966, in deren Filmstock der größte Teil der NS-Filmproduktion einging.
Dabei ist die institutionelle und die personelle Dimension von Interesse. Jenseits einiger prominenter Fälle ist über die Brüche und Kontinuitäten von Karriereverläufen oft noch relativ wenig bekannt. Während dies für die Gruppe der Regisseure noch am wenigsten gilt, liegen speziell zur Entnazifizierung von Schauspielern bisher keine systematischen Untersuchungen vor. Erst recht trifft dies auf Kameraleute, Techniker, Komponisten und Produzenten zu.
Daneben richtet sich das Interesse auf den Umgang mit den Filmen selbst. Er fand in einem schwierigen Terrain statt, in dem ökonomische Interessen auf politische und moralische Abwägungen stießen. Diese Auseinandersetzungen umfassten nicht zuletzt ausufernde zivilrechtliche Streitigkeiten insbesondere um Verwertungsrechte und Gagen, die häufig abseits der Öffentlichkeit ausgefochten wurden und daher nur ansatzweise bekannt sind.  Selbst im Falle harter Propaganda-Streifen wurde nach dem Krieg zunächst noch hartnäckig versucht, diese international zu vermarkten. Zu untersuchen ist hier unter anderem, ob und ggf. wie sich die zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die NS-Problematik seit den späten 1970er Jahren auf diesem Feld ausgewirkt hat.

Der international und interdisziplinär ausgerichtete Workshop dient primär einer Bestandsaufnahme bisheriger Forschungsergebnisse und der Diskussion zukünftiger Perspektiven.

Programm:

Freitag, 20. April 2018

Moderation: Christoph Classen (Potsdam)

13.30-14.00
Martin Sabrow (Potsdam/Berlin): Begrüßung
Bill Niven (Nottingham),  Christoph Classen (Potsdam), Begrüßung und Einführung

14.00-15.30 
Institutioneller und gesellschaftlicher Umgang mit dem  NS-Filmerbe in Deutschland

Stephanie M. Frank (Berlin): Aktuelle alte Filme in den 1950er Jahren: Remakes, Reprisen und Urheberrecht von NS-Filmen  
Alfons M. Arns (Frankfurt/M.): Von der „Ehrbarmachung“ eines „verruchten Erbes“ – Zum institutionellen Umgang mit den nationalsozialistischen Spielfilmen in der BRD
Andreas Kötzing (Dresden): „Nur bedingt zur Vorführung geeignet“. Zur Rezeption nationalsozialistischer Filme in der DDR

15.30-16.00 | Kaffeepause und Gang ins Filmmuseum

16.00-18.00 | Öffentliche Filmvorführung  (Ort: Filmmuseum Potsdam, Breite Straße 1A, 14467 Potsdam)
Dokumentarfilm „Verbotene Filme“ (D, 2014) Regie: Felix Moeller

Im Anschluss Gespräch mit dem Regisseur Felix Moeller
Moderation: Christoph Classen (ZZF Potsdam)
 

18.30-20.00
Der NS-Film im Nachkriegsfilm

Kerstin Steitz (Norfolk/VA): Holocaust-Erinnerung vor Gericht: Nationalsozialistische Propagandafilm-Techniken in Roland Suso Richters Gerichtsdrama „Nichts als die Wahrheit“ (1999)
Chris Wahl (Potsdam): Triumph des Willens im audiovisuellen Gedächtnis, oder: Warum Riefenstahls Film nicht deutsches UNESCO-Welterbe ist
Götz Lachwitz (Hamburg): Monumente negativer Erinnerung. Zum Umgang mit dem nationalsozialistischen Filmerbe im Dokumentarfilm

Samstag, 21. April 2018

Moderation: Bill Niven (Nottingham)

09.00-10.30 
The Legacy of Music, Sets, and Scenery

Anna G. Piotrowska (Kraków): Composing for films in the Third Reich
Naomi Vaughan (Michigan): Cinematic Afterimage of National Socialist Architecture
Mila Ganeva (Ohio): The Fashionable Look of Early Postwar Cinema: The Legacy of the National Socialist Film in Costume and mise en scène (1946-1953)

11.00-11.30 | Kaffeepause

11.00-13.00 
Personelle und filmische Kontinuitäten

Haydée M. Haass (Köln): Herbert Reinecker: NS-Propagandist und BRD- Erfolgsautor: Mediale Verwandlungsgeschichte der Bundesrepublik am Beispiel der Krimiserie „Der Kommissar“
Jeanpaul Goergen (Berlin): Kulturfilm und Kulturfilmer nach 1945: Re-Education ohne Neubeginn
Oliver Hemmerle (Grenobles): „Napoleon ist an allem schuld“: ein NS-kritischer Tobis-Film des Jahres 1938?

13.00-14.00 | Mittagessen

14.00-15.30 
Internationale Perspektiven

Kristina Tanis (St. Petersburg): The Perception of National Socialist Films in the Soviet Union after the Second World War
Jan Mollenhauer (Frankfurt/M.): Gespenstergeschichten: Vom Winde verweht und Toxi in der BRD
Alex Demeulenaere (Trier): Von Célines Flugschriften zu den verbotenen Filmen. Soziokulturelle Unterschiede und interkulturelle Transfers in den deutschen und französischen Erinnerungskulturen

Workshop-Abschluss

Veranstaltungsort

Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF Potsdam)
Am Neuen Markt 9d
Großer Seminarraum
14467 Potsdam

Anfahrt  

 

Kontakt und Anmeldung

Anmeldungen zur Teilnahme am Workshop sind bis zum 16. April 2018 per Email möglich:
Christoph Classen: classen [at] zzf-potsdam.de

Kontakt:
Dr. Christoph Classen
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam
Email: classen [at] zzf-potsdam.de

 

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