Promotionsabschluss: Sabine Pannen legt Dissertation zum inneren Zerfall der SED-Parteibasis vor

12.06.2017

Sabine Pannen hat am 29. Mai 2017 an der Humboldt-Universität zu Berlin ihre Promotion mit der Gesamtnote „magna cum laude“ abgeschlossen. In ihrer Dissertation mit dem Titel „,Wo ein Genosse ist, da ist die Partei!' ? Der innere Zerfall der SED-Parteibasis 1979-1989“ zeigt sie, dass den einfachen Mitgliedern an der Basis der Staatspartei eine wichtige Funktion für die Stabilität des politischen Systems zukam, die jedoch im Laufe der 1980er Jahre erodierte.
Mit dem Wachstum der Mitgliedschaft und ihrer Entpolitisierung nach den stalinistischen Säuberungen setzte ein Vergesellschaftungsprozess der politischen „Kampforganisation“ ein, der auch eine kommunikative Dimension hatte: Seit dem Mauerbau kam der Parteibasis eine disziplinierende, agitierende und soziale Vermittlerrolle in der Organisation und der Gesellschaft zu, die systemstabilisierend war. Die Aufgaben von Alltagsmanagement und Systemlegitimation vor Ort bildeten den Schwerpunkt.
In den 1980er Jahren zogen sich die Parteimitglieder jedoch sukzessive von ihrer Vermittlerrolle zurück. Dieser subkutane Erosionsprozess ging den scheinbar plötzlichen Massenaustritten im Herbst 1989 voraus.
 
Die Dissertation wurde von Prof. Dr. Martin Sabrow (ZZF Potsdam/Humboldt-Universität zu Berlin) und Prof. Dr. Dorothee Wierling (Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg/Universität Hamburg) betreut.
Sabine Pannen war assoziierte Doktorandin in der Abteilung I „Kommunismus und Gesellschaft“. Ihre Promotionsarbeit ist Teilprojekt des Forschungsprojektes „Die SED zwischen Mauerbau und Mauerfall. Gesellschaftsgeschichte einer kommunistischen Staatspartei“ und wurde von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.
Die Buchfassung der Dissertation wird voraussichtlich im Frühjahr 2018 im Ch. Links Verlag in der ZZF-Publikationsreihe „Kommunismus und Gesellschaft“ (hrsg. von Jens Gieseke, Thomas Lindenberger und Martin Sabrow) erscheinen.
 

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