„Wo ein Genosse ist, da ist die Partei!“?

Stabilität und Erosion an der SED-Parteibasis von 1979 bis 1989

Ende des Projektes: Mai 2017

Sabine Pannen
Abgeschlossenes Assoziiertes Dissertationsprojekt

Gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (2010-2013)

Im Zentrum des Dissertationsprojektes stehen die Mitglieder der einstigen Staatspartei abseits der Parteiführung und ihrer Apparate. In den 1980er Jahren besaß fast jeder fünfte erwachsene Bürger der DDR ein Parteibuch. Damit waren Parteimitglieder ein großer Teil der Gesellschaft, und stellten zugleich eine eigene Gruppe innerhalb der Gesellschaft dar. Insofern kam ihnen als Bindeglied eine zentrale Bedeutung für die Legitimation und Stabilität des Herrschaftsanspruches der SED zu. In der akuten Krise im Herbst 1989 verteidigte allerdings nur eine Minderheit der Repräsentanten und Anhänger des politischen Systems die Parteiherrschaft. Die Mehrheit versagte dagegen durch Massenaustritte ihre Folgebereitschaft.
Das Projekt verfolgt die These, dass dieser Loyalitätsentzug keine spontane Reaktion war, sondern der letzte Schritt eines länger währenden Delegitimierungsprozesses, der zusammenfassend als Erosion gedeutet wird. Neben der Untersuchung von Erosionsprozessen werden Integrationsmechanismen und Bindungskräfte analysiert, die umgekehrt für den Zusammenhalt und letztlich für die Stabilität der Massenpartei verantwortlich waren. Neben der Selbstwahrnehmung verschiedener Gruppen in der Mitgliedschaft werden die Praxis des Parteilebens und der praktische Stellenwert der Parteizugehörigkeit im staatssozialistischen Alltag in den Blick genommen. Ziel ist es, den Charakter der Partei an der Basis und letztlich den von außen scheinbar plötzlichen Loyalitätsentzug zu erklären.

 

Sabine Pannen hat am 29. Mai 2017 an der Humboldt-Universität zu Berlin ihre Promotion zur SED-Parteibasis mit der Note „magna cum laude“ abgeschlossen.

Forschung