Late Chekism and the Concepts of Violence

Das Projekt hat zum Ziel, die Veränderungen in der Ideologie und kulturellen Praxis des „Tschekismus“ als legitimatorischer Ordnung kommunistischer Geheimpolizeien in der Phase nach dem stalinistischen Terror bis zum Zerfall des Kommunismus in Europa zu analysieren. Diese Phase war von einem sukzessiven Prozess der Rücknahme und Abmilderung physischer Gewaltakte in der Verfolgungspraxis der Staatssicherheitsdienste geprägt. Damit ging ein kontrovers zu deutender Methodenwandel hin zu psychischem Druck einher. Zugleich beharrten die Staatsparteien und ihre Geheimpolizeien auf der Legitimität der Gewaltanwendung. Im Moment des Zerfalls kommt es zu unterschiedlichen Transformationen: die gewaltfreien Revolutionen unter Auflösung der Geheimpolizeien, Gewaltausbrüche in Rumänien, eine „Entkommunisierung“ des „Tschekismus“ bei ansonsten hoher Kontinuität im Selbstverständnis und Gewaltlegitimation in der Sowjetunion/Russland.

Diese Prozesse werden in einem oder mehreren Aufsätzen auf der Basis von Quellenstudien sowie Sekundäranalysen der einschlägigen Fachliteratur untersucht und damit zugleich kulturhistorische Perspektiven der Geschichte kommunistischer und anderer staatlicher Gewaltorgane diskutiert.

Teilprojekt des SAW-Netzwerks „Physical Violence and State Legitimacy in Late Socialism“

Publikationen

  • Der entkräftete Tschekismus. Das MfS und die ausgebliebene Niederschlagung der Konterrevolution 1989/90, in: Martin Sabrow (Hg.): 1989 und die Rolle der Gewalt, Göttingen 2012.
  • Tschekistische Ideologie, in: Roger Engelmann u.a. (Hg.), Das MfS-Lexikon. Begriffe, Personen und Strukturen der Staatssicherheit der DDR, Berlin 2011, S. 152-155.

Dr. Jens Gieseke

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