Geschlecht und Herrschaft im Betriebsleben der DDR in den 1970er und 1980er Jahren

Interaktionen, Spannungen, Konflikte, Diskriminierung

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Welche Rolle spielte Geschlecht und Sexualität in der alltäglichen Interaktion in Betrieben eines Staates, der die Gleichberechtigung von Frauen und Männern propagierte? Vorfälle wie geschlechterbezogene Beleidigungen, Benach- oder Bevorteilungen sowie sexualisierte Gewalt gehörten zum Alltag in vielen Lebensbereichen der DDR, so die These meines Dissertationsprojektes. Obwohl eine formale Gleichberechtigung und dahingehende Maßnahmen positive Folgen für das Selbstbild und die allgemeine Anerkennung von Frauen hatten, blieben einige Bereiche des Alltags- und Arbeitslebens, zum Beispiel die Reproduktions- und Carearbeit, von traditionellen Geschlechtervorstellungen geprägt und daher weitgehend „Frauensache“. Das Promotionsvorhaben untersucht konkrete soziale Interaktionen zwischen Frauen und Männern, arbeitet heraus welches Verhalten in der Gesellschaft der DDR als unangemessen betrachtet wurde und welches nicht, wie Herrschaftsstrukturen durch Geschlecht und Sexualität konstruiert wurden und hinterfragt, ob und wie die offiziell propagierte Idee der Gleichberechtigung Niederschlag im alltäglichen Miteinander fand.

Für eine Analyse von Geschlechterverhältnissen wird der Betriebsalltag als Untersuchungsfeld gewählt, da der Betrieb einen, wenn nicht den zentralen Vergesellschaftungsort im Leben der DDR-Bürger_innen darstellte. Im Betrieb wurde daher nicht nur Lohnarbeit, sondern ebenso Reproduktions- und Beziehungsarbeit geleistet. Es werden mikrohistorische Tiefenbohrungen in drei verschiedenen industriellen Betrieben vorgenommen so wie Interviews mit ehemaligen Werktätigen geführt.

Henrike Voigtländer

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