Von der Leistungs- zur Erbengesellschaft? Politiken und Praktiken des Erbens und Vererbens und deren Bedeutung für soziale Ungleichheitsverhältnisse in Deutschland und Großbritannien (1949–1995)

Dissertationsprojekt
Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung

Das Promotionsprojekt untersucht den Vermögensübergang mortis causa aus zeithistorischer Perspektive. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Gesellschaften Erbprozesse regulieren, um auf Erbschaften zugreifen zu können und welche Folgewirkungen sich hieraus, vor allem hinsichtlich sozialer Ungleichheitsverhältnisse, ergeben.

Die Vererbung materieller Güter ist ein wichtiger sozialer Mechanismus, um die Sozial- und Wirtschaftsordnung im Generationenübergang aufrecht zu erhalten. Zugleich werden durch Vermögenstransfers von Todes wegen auch bestehender Ungleichheitsverhältnisse in die Zukunft fortgeschrieben – durch die Ungleichverteilung der Erbschaften möglicherweise sogar stärker akzentuiert. Darüber hinaus tangiert der leistungslose Erwerb von Vermögen – wie er beim Anfall einer Erbschaft vorliegt – auch die normativen Fundamente kapitalistischer Demokratien, indem er deren Selbstverständnis als Leistungsgesellschaften irritiert.

Um die Geschichte des Erbens für die Bundesrepublik (1945–1990) zu perspektivieren, wird die Studie als kontrastiv angelegter Vergleich mit Großbritannien konzipiert. Drei Untersuchungsperspektiven sollen im Vordergrund stehen: Erstens die Geschichte des Sprechens über Erbschaften, zweitens die politische Bearbeitung des Themas Erben und Vererben und drittens die sozialhistorische Auswirkungen der Vermögenstransfers von Todes wegen.

Teilprojekt im Rahmen des Promotionskollegs „Soziale Folgen des Wandels der Arbeitswelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Ronny Grundig

Zentrum für Zeithistorische Forschung
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Forschung