Alternative Lebenskonzepte in BRD und DDR 1965-1980

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Die 1970er Jahre gelten durch den noch immer dominanten Fokus auf die Studentenbewegung als gescheitertes „rotes Jahrzehnt“ (Koenen), das in ein Gefühl der „Krise“ umschlug. Das alternative Milieu stilisierte sich als „Opfer des Systems“ (Reichardt) und ging in einer individualisierten Konsumgesellschaft auf. In der „arbeiterlichen Gesellschaft“ der DDR (Engler) konnten alternative Lebenskonzepte erst recht keine vorbildlichen Maßstäbe setzen.

Das Projekt entwickelt eine andere Perspektive, indem es den Fokus auf diejenigen lenkt, die sich der Ambivalenz von alternativen Idealen und realen Optionen stellten und in eine konkrete soziale Praxis umzusetzen versuchten In beiden deutschen Gesellschaft öffneten sich in den 1970er Gestaltungsräume alternativen Daseins, die bisher kaum Beachtung fanden. Die Ideale alternativer Lebensgestaltung wurden von etablierten Institutionen wie den Kirchen, aber auch von der Sozialpolitik aufgegriffen, entledigten sich zunehmend ihrer „linken“ Bezüge und fanden so nachhaltigen Eingang in Diskurs und Lebenspraxis der Mehrheitsgesellschaften.

Das Promotionsvorhaben fragt nach den diskursiven Anknüpfungspunkten und dem Integrationspotential alternativer Lebenskonzepte in West und Ost. Über den Vergleich normativ-struktureller Voraussetzungen, des diskursiven Feldes und der Alltagserfahrungen der Akteure werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten beim Deutungswandel alternativer Lebenskonzepte für Demokratie und Sozialismus nachgezeichnet.

Rebecca Menzel

Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

E-Mail: menzel [at] zzf-potsdam.de

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